Verhütungscheck
Verhütung in der Stillzeit
fratz&co: Verhütung in der Stillzeit ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich darf dadurch weder die Menge noch die Zusammensetzung der Muttermilch beeinflusst werden. Welche Alternativen haben Frauen in dieser Hinsicht, abseits von mechanischen Verhütungsmethoden wie dem Kondom?
Dr. Doris Linsberger:
Auch stillenden Frauen steht heute eine Reihe von Verhütungsmitteln zur Verfügung. Wichtig ist, dass hormonale Verhütungsmittel kein Östrogen, sondern nur ein Gestagen enthalten. Geeignet sind daher die Hormonspirale, die Drei-Monats-Spritze, das Implantat, reine Gestagenpillen oder die Kupfer- bzw. Goldspirale.
fratz&co: Welche der genannten Verhütungsmittel würden Sie einer jungen Mutter empfehlen?
Dr. Doris Linsberger:
Das kommt darauf an, ob bald wieder ein Geschwisterchen kommen soll oder nicht. Frauen, die schnell wieder schwanger werden wollen, empfehle ich die Pille, während die Hormonspirale besonders als Langzeitverhütung geeignet ist.
fratz&co: Mit welchen Nebenwirkungen ist bei den genannten Verhütungsmitteln zu rechnen?
Dr. Doris Linsberger:
Wie bei allen Gestagen-Produkten können unregelmäßige Blutungen auftreten – auch in der Stillzeit. Ebenso wie Gewichtsschwankungen (in beiden Richtungen) oder unreine Haut.
fratz&co: Warum ist die Hormonspirale in der Stillzeit besonders gut geeignet?
Dr. Doris Linsberger:
Einerseits beeinflusst sie weder die Menge noch die Zusammensetzung der Muttermilch. Andererseits ist ein Einlegen der Hormonspirale nach einer Geburt besonders einfach, weil der Muttermund noch etwas geöffnet ist.
fratz&co: Wie funktioniert die Hormonspirale bzw. worauf beruht ihre verhütende Wirkung?
Dr. Doris Linsberger:
Bei der Hormonspirale handelt es sich um einen T-förmigen Kunststoff- Körper mit einem Hormon-Zylinder, der mit Levongestrel versetzt ist. Dieser wird in die Gebärmutter eingelegt und gibt dort kontinuierlich geringe Mengen des Hormons an die Umgebung ab. Die verhütende Wirkung beruht darauf, dass der Schleim im Gebärmutterhals in seiner Konsistenz so verändert wird, dass Spermien nur erschwert in die Gebärmutterhöhle gelangen können. Außerdem wird die Beweglichkeit der Spermien durch das Gelbkörperhormon eingeschränkt und die Gebärmutterschleimhaut in ihrem Aufbau gehemmt. Der Eisprung – wenn schon vorhanden – wird meist nicht beeinflusst.
fratz&co: Ist das Einsetzen einer Spirale schmerzhaft? Kann man sich da betäuben lassen?
Dr. Doris Linsberger:
Das Einsetzen kann ohne medikamentöse Vorbereitung unangenehm sein. Es gibt aber geeignete Medikamente, die das Einsetzen sehr erleichtern. In seltenen Fällen, wie zum Beispiel bei einem sehr engen Gebärmutterhalskanal oder niedriger Schmerzschwelle, kann die Spirale auch in Kurznarkose gelegt werden.
fratz&co: Was sind die Vorteile der Hormonspirale?
Dr. Doris Linsberger:
Es ist eine sehr bequeme Form der Verhütung, die Frauen fünf Jahre Sorgenfreiheit bietet. Die Hormonbelastung ist gering und die Spirale kann jederzeit entfernt werden. Nach der Entfernung stellt sich innerhalb von 30 Tagen wieder die Regelblutung und volle Fruchtbarkeit ein. Die meisten Frauen haben schwächere und weniger schmerzhafte Blutungen. Bei Myomen und Endometriose ist die Hormonspirale besonders geeignet, da sie die Schmerzen deutlich vermindert. Selbst Frauen mit Blutgerinnungsstörungen oder vorausgegangenen Thrombosen können auf diese Weise verhüten. Bei abgeschlossener Familienplanung stellt die Hormonspirale eine gute, weil reversible Alternative zur Sterilisation dar.
fratz&co: Vielen Dank!
Frau Dr. Doris Linsberger ist Gynäkologin und betreibt in Krems eine Privatordination
Link zum Thema Hormonspirale:
www.hormonspirale.at
Mag. Elisabeth Sorantin
Mitreden:
| Kommentar schreiben: | Artikel empfehlen: |

