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Bauspardarlehen

Text: Gilbert Brandl

In einem konservativen Anlegerland wie Österreich hat das Bausparen lange Tradition. „Rechtzeitig drauf schaun, dass man’s hat, wenn man’s braucht“ und „Am 32. Dezember ist es zu spät“ – diese Slogans ermahnten SparerInnen, ihr sauer verdientes Geld auch gleich gewinnbringend anzulegen..

Funktionsweise

Der Bausparvertrag ist grundsätzlich ein Sparvertrag, bei dem monatlich eine bestimmte Summe angespart und von den Banken verzinst wird. Am Ende des Jahres addiert sich dazu noch eine staatliche Prämie von bis zu 4,0 Prozent. Allgemein ist der Zinssatz hier jedoch geringer als bei Aktienfonds oder Anleihen. Und dennoch gehört Bausparen zu den beliebtesten und auch sichersten Sparformen – so das Ergebnis des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Spectra anlässlich einer entsprechenden Umfrage.

Zwei Ratschläge zum Bausparen

Erstens: Wenn Sie einen Zinsvergleich anstellen, dann achten Sie nicht nur auf den anfänglichen Fixzinssatz, sondern informieren Sie sich genau über den variablen Zinssatz. Der hohe Einstiegszinssatz ist nämlich meist nur ein Jahr ab Vertragsabschluss fix. Mit Einstiegszins – derzeit 4 (Raiffeisen Bausparkasse) bzw. 4,5 Prozent (ABV, S-Bausparkasse, Wüstenrot) – und staatlicher Prämie wird gerne geworben, der variable Zinssatz – bei 3,3 bis 3,75 Prozent – bleibt allzu oft im Verborgenen. Um sich in Ruhe und ohne „Beratereinfluss“ auf die Entscheidung vorzubereiten, bieten sich auch die entsprechenden Websites als Informationsquellen an. Zweitens: Vorsicht bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung (vor Ablauf von sechs Jahren)! Dann wird der Verwaltungskostenbeitrag fällig, der einen Monatssparer (83,34 Euro pro Monat bei 1.000 Euro pro Jahr) bis zu 125 Euro kosten kann. Außerdem wird das Ersparte rückwirkend abgezinst und die erhaltene staatliche Prämie muss zurückbezahlt werden.

Seriös, solid, sicher

Nach Ablauf eines Bausparvertrages stellt sich zu guter Letzt die Frage: Was hat mit der angesparten Summe zu geschehen? Zweckgebunden ist diese nämlich nur, was ihre ursprüngliche Natur betrifft: ein Bauspardarlehen zu erlangen, also Geld für Bauen oder Wohnraum zu beschaffen. Die staatlichen Prämien müssen jedenfalls – ob man mit dem Ersparten nun Wohnraum oder ein Auto finanziert – nicht zurückgezahlt werden. Somit ist Bausparen in jedem Fall gerade jetzt eine solide Form, Geld für sich arbeiten zu lassen … und eine Basis für zusätzliche Anlageformen!


fratz&co: Was genau ist unter einem Bauspardarlehen zu verstehen?

Ralph Decker: Bauspardarlehen sind Darlehen, die mit Bauspargeldern refinanziert werden. Das zur Verfügung gestellte Geld kommt aus jenem Topf, der aus den Ansparverträgen der Bausparkunden gefüllt wird.

fratz&co: Was sind die Voraussetzungen, um ein solches Darlehen zu bekommen?

Ralph Decker: Die erste Voraussetzung ist der Verwendungszweck des Darlehens. Man erhält Bauspardarlehen zum Beispiel für Wohnraumschaffung, Wohnraumkauf oder Wohnraumsanierung. Der Verwendungszweck muss allerdings auch nachgewiesen werden! Weiters muss für Darlehensbeträge von mehr als 21.000 Euro eine grundbücherliche Sicherstellung gegeben werden. Die Beleihung (Verhältnis Darlehenshöhe zu Liegenschaftswert) darf jedoch nicht höher als ca. 70 Prozent des Liegenschaftswertes sein. Die Darlehenshöhe ist mit 150.000 Euro pro Einkommensbezieher und 300.000 Euro pro Objekt begrenzt. Selbstverständlich muss auch die Bonität für die Rückzahlung nachgewiesen werden.

fratz&co: Was genau ist so lukrativ an einem solchen Darlehen – Thema Zinssatzobergrenze?

Ralph Decker: Der Vorteil liegt in der Zinsstabilität. Die Bauspardarlehen bieten ab ihrer Zuteilung einen Zinskorridor an. Die Zinsobergrenze liegt bei 6 Prozent, die Zinsuntergrenze bei 3 Prozent.

fratz&co: Sie haben von Zuteilung gesprochen, wie funktioniert diese im Detail?

Ralph Decker: Über die Zuteilung wird das Gleichgewicht zwischen Anspargeldern aus allen Bausparverträgen und allen vergebenen Bauspardarlehen in einer Bausparkassa geregelt. Ist die Nachfrage nach Darlehen groß, wird man länger auf die Zuteilung warten müssen, weil nur begrenzt Anspargelder zur Verfügung stehen. Bei geringerer Nachfrage wird die Zuteilung früher erfolgen. Die Mindestwartezeit liegt bei 18 Monaten. Die Bausparkassen bieten aber Zwischendarlehen an, um diese Wartezeit zu überbrücken.

fratz&co: Die Zuteilungszeit bzw. Wartezeit auf ein Bauspardarlehen ist etwas komplex, erklären Sie uns das Modell bitte.

Ralph Decker: Das Prinzip der Bausparkassen ist, dass man zuerst ansparen muss, um einen Darlehensanspruch zu bekommen. Während der Ansparphase erwirtschaftet man – je nach Sparleistung – eine gewisse Punkteanzahl pro Quartal. Die Summe dieser quartalsweise erwirtschafteten Bewertungspunkte muss mindestens eine von der Bausparkassa vorgegebene Zielbewertungsziffer ergeben, damit man Anspruch auf ein Bauspardarlehen bekommt. Diese Zielbewertungsziffer wird von der Bausparkasse je nach zur Verfügung stehenden Bauspargeldern erhöht oder reduziert. Daher kann man nicht wissen, wie schnell der eigene Bausparvertrag zur Zuteilung kommt.

fratz&co: Was sind die Vorteile eines Bauspardarlehens?

Ralph Decker/Deckerfinanz: Neben dem schon erwähnten Vorteil der Zinsstabilität ist der Vorteil von Bauspardarlehen, dass bereits erworbene Ansprüche auf ein Bauspardarlehen innerhalb der Familie übertragen werden können.

fratz&co: Welche Institute dürfen solche Darlehen vergeben?

Ralph Decker: Bauspardarlehen dürfen nur von Bausparkassen vergeben werden. In Österreich gibt es vier Bausparkassen (Wüstenrot, S-Bausparkassa, ABV und Raiffeisen-Bausparkassa). Egal welche Bank oder welcher Vermittler ein Bauspardarlehen anbietet, der Darlehensvertrag wird mit einer der Bausparkassen abgeschlossen. Hier braucht man keinerlei Bedenken zu haben.

fratz&co: Kann ich das Darlehen frühzeitig zurückzahlen? Und falls ja, was ist zu beachten?

Ralph Decker: Man kann Bauspardarlehen vorzeitig zurückzahlen. Einschränkungen kann es geben, wenn man sich mit seinem Bauspardarlehen zum Zeitpunkt der Sondertilgung in einer Fixzinsphase befindet. Hier kann es zu einer eingeschränkten Rückzahlungsmöglichkeit oder zu Pönalzahlungen kommen.

fratz&co bedankt sich für das Gespräch!

Ralph Decker
16-jährige Erfahrung im Bereich Wohnraumfinanzierung. Der Vater einer 22 Monate alten Tochter ist begeisterter Freizeitsportler.
Mehr zum Finanzthema: www.deckerfinanz.at




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