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Familienglück auf Umwegen
Satte 10 Prozent aller mitteleuropäischen Paare benötigen länger als zwei Jahre, um ein Kind zu bekommen. Eines von 25 bis 30 Paaren bleibt ungewollt kinderlos.Ein möglicher Weg den Kinderwunsch zu erfüllen, ist eine Adoption oder die Aufnahme eines Pflegekindes. Allerdings: In Österreich gibt es viel mehr Paare, die sich ein Kind wünschen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Wegen dieses großen Interesses müssen Adoptivwerber mit einer Wartezeit von mindestens zwei bis drei Jahren rechnen. Mit der Entscheidung, es Promis wie Angelina Jolie oder Madonna gleichzutun und einem elternlosen Kind ein Zuhause zu schenken, beginnen also Strapazen, die jenen einer neunmonatigen Schwangerschaft in nichts nachstehen …
Des einen Leid, des anderen Kindersegen
„Bei Kindern, die in Pflegefamilien untergebracht werden, verhält es sich anders. In überwiegenden Fällen werden diese von den Eltern nicht freiwillig weggegeben, sondern es basiert auf einer Maßnahme der Jugendwohlfahrt, da das Wohlergehen des Kindes in der eigenen Familie gefährdet wäre“, erklärt Frau Coufal.
Auf Herz und Nieren
Die Voraussetzung für eine Adoption (egal ob im Inland oder Ausland) ist immer die Pflegestellenbewilligung – ohne diese geht gar nichts. Neben einer Reihe von erforderlichen Unterlagen und gerichtlichen Bewilligungen müssen sich Adoptivwerber auch einer umfassenden „Prüfung“ unterziehen. Leonie Coufal: „Potenzielle Adoptiveltern werden einer sorgfältigen Eignungsprüfung unterzogen und sie werden auch geschult. In diesem Rahmen gibt es Gespräche, Hausbesuche sowie Erhebungen der Ämter und Behörden. Außerdem muss ein Gesundheitszeugnis erbracht werden, und es wird die finanzielle Situation der Bewerber erfasst. Wir versuchen uns ein möglichst genaues Bild von Adoptivwerbern zu machen, bevor wir eine Bewilligung erteilen, und ganz wichtig ist uns auch, ob die Motivation stimmt.“ Darum rät die Sozialarbeiterin der MA 11 allen Adoptivwerbern: „Der unerfüllte Kinderwunsch und auch die damit verbundene Trauer müssen gut verarbeitet und abgeschlossen sein, denn das Adoptivkind soll auf keinen Fall als Ersatz für ein leibliches Kind gesehen werden. Adoptivund Pflegeelternwerber müssen auch bei sich selbst abchecken, ob sie risikofreudig und belastbar sind. Das sind ganz wichtige Eigenschaften, da alle Kinder, egal welchen Alters, eine belastete Vorgeschichte mitbringen, die in unterschiedlichen Lebensabschnitten zu Schwierigkeiten und Problemen führen kann.“Pflegeaufsicht = Eltern auf Zeit?
Vor allem Pflegekinder haben oftmals eine schwierige Vorgeschichte und brauchen eine liebevolle und intakte Familie, um entstandene Traumata zu verarbeiten. Im Rahmen der Pflegeaufsicht gibt es im Vergleich zur Adoption vor allem rechtliche Unterschiede. Bei der Adoption eines Kindes gehen sämtliche Elternrechte auf die Adoptiveltern über, die Rechte der leiblichen Eltern erlöschen. Pflegeeltern hingegen bekommen das Recht der Pflege und Erziehung sowie auch die gesetzliche Vertretung in diesen Bereichen von der Jugendwohlfahrt quasi verliehen und können damit im Alltag sehr gut agieren. Außerdem haben Pflegekinder in der Regel Besuchskontakte zu den Herkunftseltern. Das ist bei der Adoption nicht immer so.
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