Sitzt, passt und hat Luft
„Mama, die Schuhe drücken!“ Diese Klage, oft schon ein paar Wochen nach dem Erwerb derselben zu hören, stellt uns immer wieder vor eine Herausforderung: Wie schafft man den Spagat zwischen kindlichen Modevorstellungen, praktischen sowie orthopädischen Bedürfnissen und dem wirtschaftlichen Rahmen des Familienbudgets? Das österreichische Schuhlabel Superfit hat zu diesem Thema eine Mütterrunde eingeladen. Von fratz&co-Moderedakteurin Susanne Baust (eine Tochter, 5 Jahre) moderiert, konnten Fragen an die Designerin des Labels, Elisabeth Krautinger (zwei Kinder, 8 und 11 Jahre), gestellt, aber auch Erfahrungen und Ratschläge ausgetauscht werden.Die Diskussions- Teilnehmerinnen:
Sonja Watzinger, Krankenschwester und Aroma-Therapeutin, verheiratet, drei Kinder zwischen 7 und 10 Jahren
Manuela Wirobisch, Ex-Profisportlerin und derzeit Hausfrau, verheiratet, drei Kinder zwischen 4 und 8 Jahren
Susanna Frühwirth, Kindergartenhelferin, alleinerziehend, vier Kinder zwischen 8 und 18 Jahren
Karin Klippl, ORF-„Lottofee“ und Buchautorin, verheiratet, zwei Kinder, 3 und 7 Jahre
fratz & co: Kinder entwickeln heute schon sehr früh einen eigenen Geschmack. Doch er ist oft von Gruppendynamik und Werbung beeinflusst. Wie gehen Sie damit um?
Manuela Wirobisch: Unsere Familie braucht für einen Schuheinkauf grundsätzlich sehr viel Zeit. Die Älteste (8 Jahre) hat konkrete Vorstellungen: Wenn sie neue Schuhe will, müssen sie wirklich gut passen, aber auch „cool“ sein. Und das variiert. Wenn sie etwas gefunden hat, läuft sie erst einmal ein paar Runden durch das Schuhgeschäft, um zu sehen, ob sie auch ja nicht weh tun oder irgendwo reiben – was schnell sein kann, weil meine Kinder alle sehr schmale Füße haben und im Fußbett, speziell im Fersenbereich, leicht herumrutschen. Meiner Sechsjährigen ist das egal. Hauptsache, die Schuhe gefallen ihr. Dann braucht man sehr viel Überredungskunst, wenn das gewünschte Modell in der richtigen Größe nicht oder nicht mehr existiert. Aber irgendwie finden wir dann doch immer wieder etwas, mit dem alle zufrieden sind – und diese Entscheidungen sind eigentlich nie von der Werbung beeinflusst..
fratz & co: Wie sieht das von der Herstellerseite aus? Gibt es verschiedene Passformen oder wird nach Normgrößen gearbeitet?
Elisabeth Krautinger: Es gibt das international anerkannte WMS-Leistensystem, eine Normgröße, nach der europaweit gearbeitet wird. Aber natürlich hat jede Schuhmarkeauch eigene Passformen entwickelt: Superfit bietet neben der Normgröße auch breitere und schmälere Modelle an. Diese machen ungefähr 20 Prozent der Gesamtproduktion aus und sind speziell gekennzeichnet. Außerdem sind die Modelle auch den regionalen Marktbedürfnissen angepasst: Bei den Skandinaviern muss man immer zwei Paar Socken dazurechnen, und den Holländern kann kein Schuh schmal genug sein – aber das weiß man als Hersteller und richtet sich danach.
fratz & co: Und wie sieht das nun mit der Gruppendynamik im Kindergarten und in der Schule aus?
Sonja Watzinger: Es gab eine Zeit lang einensehr starken Labeldruck. Aber leider sind gerade die Schuhe, die besonders beliebt sind, nicht immer die besten. Wenn sie nicht wasserdicht sind und das Kind dann jeden Tag nasse Füße hat, ist das trotz großartigster Werbung eher kontraproduktiv. Dann kommt noch dazu, dass diese Schuhe selten preisgünstig sind – und wenn man auch noch zusätzliche Garnituren für alle Kinder braucht, weil die Schuhe nicht schnell genug trocknen, wird es nicht nur mühsam, sondern auch sehr teuer. Gott sei Dank ist dieser Druck aber derzeit wieder im Schwinden begriffen.
fratz & co: Wie viel Paar kaufen Sie pro Saison?
Sonja Watzinger: Na ja, zwei Paar mindestens pro Saison und Kind kaufe ich schon.
fratz & co: Braucht man eigentlich Schuhe, die eine Membran in der Sohle haben?
Elisabeth Krautinger: Na ja, gut ist es natürlich schon. Aber auch wenn man von dem allseits bekannten Slogan ausgeht, dass „der Schuh atmet“, wenn sich eine Membrane in der Sohle befindet, heißt das ja noch lange nicht, dass er deswegen auch wasserdicht ist. Außerdem muss man grundsätzlich darauf achten, ob der Schuh als „wasserabweisend“ oder „wasserundurchlässig“ beschrieben wird: Das sind zwei ganz verschiedene Membranen, die da zum Einsatz gelangen, und außerdem spielt natürlich auch die Qualität der Membran eine Rolle. Wir von Superfit haben als Alternative das „Gore-Surround- System“ entwickelt, das den Schuh rundherum atmungsaktiv macht und sich nicht auf die Sohle beschränkt. Das ist wieder ein anderer Ansatz, den wir zusammen mit Flexibilität und Funktionsfähigkeit als Slogan auf unsere Fahnen geheftet haben.7
Karin Klippl: Bei uns funktioniert die Sache anders: Mein Sohn hat die Gruppendynamik einfach umgedreht, indem er allen erzählt hat, wie super seine Schuhe sind, und jetzt wollen alle anderen auch solche Schuhe haben.
Also wenn man dem Kind das richtige Selbstbewusstsein mitgibt, wird es wahrscheinlich der Gruppendynamik gar nicht nachgeben. Und da ich als alleinerziehende Mutter die Linie bestimme, was gut und was nicht so gut ist, kann ich das auch steuern. Natürlich beziehe ich die Kinder in die Entscheidungen ein, aber ein Dreijähriger beispielsweise ist sicher noch nicht imstande, das Richtige auszuwählen, er ist damit schlicht überfordert – also sollte man die Auswahl beschränken und auf jeden Fall das letzte Wort behalten. Und man sollte sich auch genau informieren, in welches Geschäft man geht, bevor man seine Kinder mitnimmt, damit auch das vorhanden ist, was man tatsächlich sucht.
fratz & co: Frau Krautinger, wie ist das eigentlich bei der Erstellung der Kollektionen – fragen Sie Ihre Kinder, ob ihnen die Modelle gefallen?
Elisabeth Krautinger: Natürlich, so wie ich auch mit vielen anderen Kindern in Kontakt bin. Für Superfit ist diese „Zusammenarbeit“ sehr wichtig: Ich kommuniziere mit einem Kindergarten, einer Volksschule und einem Gymnasium und bringe in Erfahrung, welche Wünsche die Kinder im Moment in welchem Alter haben, welche Farben und Formen sie bevorzugen. Es ist immer sehr spannend festzustellen, wo und wann sich der Geschmack dreht. Kindermüssen heute nicht mehr Schulreife haben, um so aussehen zu wollen wie Hannah Montana.
Sonja Watzinger: Ich sehe das bei meinen drei Kindern, wie unterschiedlich auch die Entwicklungen in einer einzigen Familie sein können. Es ist ganz wichtig, nicht alle über einen Kamm zu scheren, sondern den Kindern ihre Individualität zu lassen.
fratz & co: Was ist eigentlich das wichtigste Kriterium für Sie beim Schuhkauf?
Susanna Frühwirth: Funktion und Passform, ganz unbedingt. Und wenn das Kind genügend Selbstbewusstsein hat, wird ihm das auch wichtiger als eine Marke oder eine bestimmte Optik sein. Mein Jüngster beispielsweise ist ein „Waldviertler“-Fan. Und er steht dazu, auch wenn seine Freunde fragen, was das für „Entenschuhe“ sind. Natürlich leben wir in einer Konsumwelt, und speziell die Mädchen fangen irgendwann einmal an, bestimmte Marken tragen zu wollen. Das passiert meistens erst im Alter von zehn Jahren. Und wenn sie selbstsicher genug sind, geht das auch bald wieder vorüber.fratz & co: Und wie sieht es mit modischen Aspekten aus? Ich habe in Mailand von verschiedensten Marken schon Kinderschuhe mit Absatz entdeckt. Wo ist vom gesundheitlichen Standpunkt aus die Grenze zu ziehen?
Elisabeth Krautinger: Bei uns sind es 25 Millimeter. Müttern kann man nur empfehlen, sich einmal Berichte von Orthopäden anzuhören, welche Auswirkungen High Heels auf die Füße von Erwachsenen haben. Da erübrigt sich jeder Kommentar darüber, was ein echter Absatz bei einem Fuß bewirkt, der noch im Wachstum ist.
fratz & co: Es gibt jetzt auch schon die für Kinder weiterentwickelten „Massai- Schuhe“ mit der runden Sohle – Markenname „Swissies“ –, die durch permanentesTraining die Bänder so weit stärken sollen, dass speziell groß gewachsene Kinder später nicht zum Umknicken neigen. Was halten Sie davon?
Karin Klippl: Ich glaube, die meisten Kinder, die unter solchen Problemen leiden, sitzeneinfach lieber vor dem Computer, als dass sie Sport betreiben. Und denen helfen solche Schuhe auch nicht, wenn sie damitnicht herumlaufen.
Elisabeth Krautinger: Jeder Orthopäde hatandere Methoden, solche Schwächen zu bekämpfen – der eine ist für Sport, der andere für Einlagen und der Dritte für spezielle Übungen, wozu in weitestem Sinne wohl auch dieser neue Schuh zählt. Aber eigentlich sollte man, wenn man eine Marke gefunden hat, zu der man Vertrauen hat, dabei bleiben.
fratz & co dankt für diese interessante Gesprächsrunde.
Weitere Information finden sie im aktuellen fratz&co.
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