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Hilfe, ich hab ins Bett gemacht

Hilfe, ich hab ins Bett gemacht

Bettnässen kann viele Ursachen haben - psychische wie physische. In jedem Fall ist es eine große Belastung für das Kind sowie für die Eltern. Fratz&co hat beim Club Mondkind nachgefragt, welche Auswege es geben kann.
„Ich habe mich schon sehr schlecht gefühlt. Denn wenn du jede Nacht ins Bett machst, ist das in der Früh schon sehr schlimm,“ erzählt uns ein ehemaliger Bettnässer seine Leidensgeschichte. „Gott sei Dank war es bei mir mit neun, zehn Jahren vorbei. Ich habe immer in der Früh gehofft, dass das Bett trocken ist.“ Heute sagt er: „Das war ein Teil meines Lebens und ich schäme mich nicht mehr dafür, aber als Kind tut man das natürlich. Wir waren bei vielen Ärzten, aber die haben mir nicht helfen können. Die haben alle gesagt, wenn der Bub groß ist, wird das von selber aufhören. Aber Medikamente hat es damals nicht gegeben.“ (Die komplette Geschichte ist zu hören unter https://www.youtube.com/user/ClubMondkind)

Mindestens 60.000 Kinder sind betroffen

Der erste Schritt, um mit dem Thema Bettnässen besser umzugehen, ist die Feststellung, dass Betroffene damit nicht allein sind. Nicht umsonst ist Bettnässen die zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter: Mindestens 60.000 Kinder in Österreich sind von dem Problem betroffen, weniger als ein Drittel wird adäquat therapiert.

Oft herrscht Unsicherheit, ob ein nasses Bett nun Bettnässen in dem Sinne bedeutet oder nicht (siehe Info-Kasten „Ist mein Kind ein Bettnässer?“). Wesentlich ist, erfährt man beim Verein „Club Mondkind – trockene Nächte, glückliche Kinder”, die Ursachen nicht von vornherein auf die Psyche zu schieben: „Die Psyche ist meist eine Folge von unbehandeltem Bettnässen, aber vergleichsweise selten eine auslösende Ursache.“

Psychische Folgen können möglicherweise sein: „Gestörte Sozialkontakte, Verhaltensauffälligkeiten, Versagensängste, vermindertes Selbstwertgefühl, Bindungs- und sexuelle Probleme im Erwachsenenalter bis hin zu einer massiven Persönlichkeitsstörung.“

Am besten spezialisierte Ärzte aufsuchen

Daher ist es wichtig, beim Auftreten von Bettnässen recht bald aktiv zu werden. Spezialisierte Fachärzte oder Ambulanzen (Adressen finden Sie unter clubmond.users.aboliton.at/eltern/arzt-in-ihrer-naehe/) können meist unkompliziert und absolut schmerzfrei feststellen, ob ein physisches Problem vorliegt oder nicht. Sinnvoll ist es, das Blasentagebuch, das online beim Club Mondkind zu finden ist, zum Arzttermin ausgefüllt mitzubringen, um dem Arzt detaillierte Infos geben zu können.
Auf das jeweilige Problem abgestimmt kann er dann die passende Therapie empfehlen. Diese kann eine Kombination aus allgemeinen Maßnahmen, Verhaltenstherapie und Medikamenten sein, wichtig ist für die Therapieentscheidung nicht zuletzt, wie sehr die Kinder unter dem Problem leiden und bereit sind, aktiv an der Lösung mitzuarbeiten. Positive Motivation der Kinder ist die Voraussetzung für einen Erfolg der Therapie.

Therapie am besten vor Schuleintritt

Generell ist es sinnvoll, eine Behandlung spätestens vor dem Schuleintritt zu starten, um Selbstbewusstsein und Sozialkontakte nicht zu gefährden. Sobald das Übernachten bei Freunden, Schulveranstaltungen wie Schikurse etc ein Thema werden, wird das Kind automatisch ausgegrenzt sein. Denn wenn am Morgen möglicherweise das Bett „schwimmt“, bleibt man lieber zu Hause.

Manchmal helfen schon Kleinigkeiten wie geändertes Trinkverhalten, Besuch der Toilette vor dem Einschlafen etc, um das Problem aus der Welt zu räumen. Im Fall von Verhaltensauffälligkeiten sollte ein Psychologe zu Rate gezogen werden. Mitunter sind aber auch Veränderungen im Umfeld wie Kindergarteneintritt oder Schulstart Auslöser für verstärkte Nervosität – und fallweise nasse Betten, ohne dass deshalb krankhaftes Bettnässen vorliegen muss.




Ist mein Kind ein Bettnässer?

Oder war das nasse Bett nur ein „Unfall“?
  • Nicht jedes nasse Bettzeug am Morgen bedeutet, dass ein Kind ein Bettnässer ist. Manchmal vergessen Kinder am Abend auf die Toilette zu gehen oder nehmen sich nicht genug Zeit dafür – da kann schon einmal ein Malheur passieren, vor allem wenn das Kind in der zweiten Tageshälfte oder Abends mehr als sonst getrunken hat.
  • Von Bettnässen spricht man, wenn an mindestens zwei Nächten pro Monat nach dem 5. Lebensjahr, wenn das Kind tagsüber trocken ist und keine Harnwegsinfekte oder organischen Störungen vorliegen, ins Bett gemacht wird.
  • Dabei unterscheidet man zwei Formen: Das Kind war noch nie trocken (Das ist in circa 80 Prozent der Fälle so). Oder: Das Kind war bereits mindestens sechs Monate trocken und beginnt dann wieder nachts einzunässen.
Weitere Infos unter: clubmondkind.at



Text: Anna Heisinger
Foto: MIA Studio - shutterstock.com

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