Mobbing in der Schule
Oktober 2006, Danzig, Polen. Der Selbstmord der 14-jährigen Ania schockiert die polnische Öffentlichkeit. Das Mädchen war im Klassenzimmer, vor der gesamten Klasse, von fünf Mitschülern ausgezogen, sexuell belästigt und dabei per Handykamera gefilmt worden. Die Lehrerin hatte das Zimmer nur für 20 Minuten verlassen. Die Klasse hatte zugesehen und nicht auf die Hilferufe des Mädchens reagiert. Kurz darauf erhängt sich Ania. Bei der Untersuchung des Falls kommt heraus, dass Ania schon seit Wochen von denselben Schülern systematisch schikaniert worden war. Bemerkt hat es angeblich niemand.
Hausübung: Mobbing
Ende 2007, Österreich. Die Schüler der zweiten Klasse eines Gymnasiums erhalten über Weihnachten eine Deutsch-Hausübung. Der Anlass: Mobbing in der Schulklasse. Die Kinder sollen herausfinden, was Mobbing bedeutet, eine erfundene Geschichte zum Thema konstruieren und sieben positive Regeln für eine friedlichere Zukunft aufstellen.
Aus der Aufgabenstellung:
„Werte die Aufgabe bitte nicht als kollektive Strafe, sondern als ein gemeinsames Bemühen um ein besseres Schulleben. Und daran muss sich jeder beteiligen.“ Der Lehrer hat reagiert, bevor die Situation eskalieren konnte. Eine Reaktion, die Ingrid Pfurtscheller sich öfter wünschen würde. Sie arbeitet als Kinder- und Jugendcoach mit jenen zusammen, die in der Schule zum Opfer von Mobbing werden: „Das Verhalten des Lehrers ist entscheidend. Wenn das Thema offen angesprochen wird, dann lässt es sich auch klären“, macht Pfurtscheller deutlich.
Alltägliche Schikane
Klar ist: Mobbing betrifft längst nicht mehr nur den Arbeitsplatz. Je mehr das Thema erforscht wird, desto offensichtlicher ist, dass in Klassen und Schulen Ähnliches passiert. Schülerinnen und Schüler werden schikaniert und drangsaliert, gehänselt und ausgeschlossen, ausgelacht und heruntergeputzt. Experten schätzen, dass etwa jedes zehnte Kind davon betroffen ist. Eine deutsche Studie spricht von jedem dritten Kind, das sich schon einmal gemobbt gefühlt hat – vier Prozent leiden unter permanenten Angriffen. Kein neues Phänomen also, aber eines, das wir langsam besser verstehen. Und gegen das wir etwas unternehmen können.
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