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Warum Kinder lügen

Geschichten von Pinocchio oder Baron Münchhausen

Wir alle kennen die Geschichte von Pinocchio oder Baron Münchhausen.

Zwei lustige Gesellen, die sich so durchs Leben schummeln. Der eine wird bestraft, in dem seine Nase immer länger wird, der andere meistert sein Leben durch seine Schwindeleien ganz gut.

Warum Kinder lügen


Lügen aus Angst vor Strafe

Kinder machen manchmal Dinge, die nicht in Ordnung sind. Das 2 Euro Stück, das am Küchentisch liegt, wird eingesteckt oder zur Mutter, die darauf drängt jetzt endlich das Kinderzimmer aufzuräumen wird „blöde Mama“ gesagt und auf die Frage der Mutter, was denn da gerade gesagt wurde, wird gestammelt: „Nichts“.

Natürlich ist es für Eltern unangenehm, wenn sie von den eigenen Kindern angelogen werden. Man darf es allerdings auch nicht überbewerten. Kinder schätzen die Konsequenzen ihres Tuns oft wesentlich härter ein, als sie in Wirklichkeit sind und lassen sich, geleitet von der Angst vor Strafe, zu Lügen hinreißen. Ein Kind, das Angst vor einer Strafe hat, wird eher lügen als ein Kind, das sich auch in seinem Fehlverhalten angenommen und geliebt fühlt.

Stellen Sie Ihr Kind niemals bloß

Wenn Sie eindeutig gesehen haben, dass Ihr Kind die 2 Euromünze eingesteckt hat, dann nicht fragen: „Hast du das Geld hier weggenommen?“ sondern: „Ich habe gesehen, dass du das Geld genommen hast, was möchtest du denn damit machen?“ In der Folge kann man dann klären, dass es einem lieber ist, wenn das Kind fragt, ob es sich das Geld nehmen kann. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass Sie nicht möchten, dass in Ihrer Familie Sachen, die einem nicht gehören, weggenommen werden.

Ertappen Sie Ihr Kind beim Lügen, dann sollten sie behutsam vorgehen. Mault Ihnen das Kind ein „blöde Mama“ zu und sie fragen nach, was das Kind gerade gesagt hat, dann wird es den Satz sicher nicht wiederholen. Schalten Sie dann auf stur und sagen, dass sie ohnedies genau gehört haben, dass es „blöde Mama“ gesagt hat, dann verhärten sich die Fronten. Das Kind wird kaum zugeben, dass es das gesagt hat und sie nennen ihr Kind einen Lügner. Versuchen Sie es anders herum. Wenn Sie also deutlich gehört haben, dass dieser Satz gefallen ist, stellen Sie sich nicht ahnungslos und fragen was das Kind gesagt hat, sondern sagen Sie direkt, dass sie es nicht mögen als blöde Mama beschimpft zu werden. Sollte Ihr Kind aus Scham dann sagen „Das habe ich nicht gesagt“, dann kommen Sie ihm entgegen, indem Sie sagen, dass sie sehr wohl glauben, dass es das nicht sagen wollte, aber dass ihm der Satz doch herausgerutscht ist. Fragen Sie Ihr Kind, ob es das eigentlich gar nicht sagen wollte und ob es ihm leid täte. So reichen Sie dem Kind die Hand und es erleidet keinen Gesichtsverlust.

Lügen um im Mittelpunkt zu stehen

Kinder lügen auch, um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Da wird den Klassenkameraden aufgetischt, dass man beim Eminem Konzert war und danach den Star sogar persönlich kennen gelernt hätte, oder es wird geflunkert, dass man den 10 fachen Betrag Taschengeld erhält, den man tatsächlich bekommt. Der Grund ist immer derselbe. Man erntet Bewunderung und steht im Mittelpunkt. Besonders Kinder, die ein schwaches Selbstbewusstsein haben oder sich schwer tun, mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen bekommen durch die Lüge schnelle Bewunderung und Anerkennung. Nur leider folgt bald darauf der tiefe Fall, wenn die anderen hinter die Schwindeleien kommen. Neigt Ihr Kind zu solchen Übertreibungen, dann versuchen Sie, es zu unterstützen und nicht mit ihm zu schimpfen. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie der Konflikt zu lösen wäre. Warum erzählt es solche Geschichten? Warum glaubt es, dass es nicht so, wie es ist, interessant für andere ist. Meist liegen den Lügen Ängste zugrunde, die in einem Gespräch aufgelöst werden können.

Was können Eltern tun, um Kinder zu bestärken die Wahrheit zu sagen?

Vermeiden Sie es zu Lügen aus Bequemlichkeit zu greifen. Wenn Sie in der Früh verschlafen haben und Ihr Kind kommt zu spät zur Schule, schreiben sie auf die Entschuldigung als Grund „Verschlafen“ und nicht „Hatten einen Arzt Termin“. Fehler passieren jedem, ob Kind oder Erwachsener und ihr Kind bekommt die Selbstsicherheit, dass niemand perfekt sein muss.

Hat Ihr Kind gelogen, dann überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie es beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation vorgehen kann, ohne zu lügen.

Hat sich Ihr Kind durch eine Lüge in eine verfahrene Situation gebracht, bieten Sie ihm an, diese gemeinsam aus der Welt zu schaffen. So spürt es einerseits, dass sie vorbehaltlos hinter ihm stehen aber auch, dass es mit der Wahrheit weiter kommt als mit einer Lüge.

Erwischen Sie Ihr Kind beim Lügen, dann stellen Sie es keinesfalls vor seinen Freunden bloß. Es hat genug mit der Blamage der Lüge zu kämpfen. Sprechen Sie alleine mit ihm.

Freuen Sie sich, wenn Ihr Kind die Wahrheit sagt. Loben Sie es, indem Sie sagen „Danke, dass du mir die Wahrheit gesagt hast“. Damit belohnen Sie Ihr Kind.

Haben Sie selbst in Gegenwart Ihres Kindes gelogen, erklären Sie Ihrem Kind warum. Lügen aus Höflichkeit ist etwas anderes als jemanden zu hintergehen.

Lügen Sie Ihr Kind niemals an. Möchten Sie eine peinliche Frage nicht beantworten, dann sagen sie das deutlich. Wollen Sie Ihr Kind vor einer schmerzlichen Wahrheit bewahren, bemühen Sie sich um Offenheit und Erklärungen, die Ihr Kind versteht.

Lügt Ihr Kind immer wieder, dann scheuen Sie nicht davor zurück, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!




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