Fit für die Schule
Flexibler Schulstart
Ein Jahr Vorschule ist kein verlorenes Jahr; Kinder haben im österreichischen Schulsystem insgesamt drei Jahre Zeit, die ersten beiden Volksschulklassen zu absolvieren. Gleichzeitig ist es während des gesamten ersten Schuljahres möglich, zwischen Vorschule und erster Klasse zu wechseln. Die Kinder bekommen diese flexible Schuleingangsphase kaum mit – wenn keine eigene Vorschulklasse vorhanden ist, wird die Vorschulgruppe oft gemeinsam mit den Erstklässlern unterrichtet.
Was ist Schulreife?
Dennoch kann die Entscheidung der Direktion, ein Kind zunächst in die Vorschule zu schicken, beim zuständigen Schulrat schriftlich angefochten werden. Spätestens dann kommen schulärztliche und/oder schulpsychologische Gutachten ins Spiel, welche die Schulreife bestimmen. Womit wir wieder bei dem doch nicht ganz obsoleten Begriff sind. Klar ist: Schulreife bezeichnet kein ausschließlich geistiges Phänomen. Neben den intellektuellen Fähigkeiten müssen auch die körperlichen, sozialen und emotionalen Voraussetzungen stimmen.
Emotionale Reife
„Die wichtigste Voraussetzung für die Schulreife ist, dass sich die Kinder von den Eltern trennen können“, sagt Andrea Richter. „Wenn die Kinder im Kindergarten waren, ist das fast immer gegeben, außer man hat Angst vor der Schule – was durchaus auch von den Eltern ausgehen kann.“ Zu den sozialen Voraussetzungen gehört auch die Fähigkeit, sich in eine Gruppe einzufügen, Rücksicht zu nehmen, Regeln zu befolgen und bei Konflikten nicht gleich zuzuschlagen. In einer so großen, gemischten Gruppe muss ein Kind auch selbstständig agieren können. Damit sind nicht nur Aufträge der Lehrerin gemeint, sondern auch scheinbar banale Dinge wie Anziehen. Wenn die Klasse schon auf den Pausenhof stürmt, während es noch mit den Schuhbändern kämpft, kann das für ein Kind zum dramatischen Ereignis werden.
Körper und Geist
Gleiches gilt, wenn ein Kind körperlich nicht auf der altersgemäßen Entwicklungsstufe angekommen ist. Wenn Treppensteigen zum Balanceakt wird und das Führen eines Bleistifts zu viel Mühe macht, steht das einem sinnvollen Einstieg in die erste Klasse im Weg. Ein guter Indikator für die intellektuelle Reife eines Kindes ist seine Sprache. Wenn es Geschichten erzählen und wiedererzählen kann, Fragen versteht und entsprechend beantwortet, sich insgesamt verständlich zu machen vermag, spricht das für die Schulreife. Andrea Richter ergänzt: „Es sollte auch ein gewisses Ausmaß an Mengen erfassen, bis fünf, sechs zählen können.“ Und es schadet nicht, wenn sich das Kind eine Viertelstunde oder länger auf eine Tätigkeit konzentrieren kann.
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