Keine Angst vor dem Kindergarten, Mama!
Seit einigen Wochen besucht der dreijährige Florian nun schon den Kindergarten.
Sabine hat ihren aufgeweckten Sohn bestens auf den ersten Schritt in die Welt außerhalb der Familie vorbereitet: Mit Bilderbüchern, Gesprächen, und einige Male war Florian zuvor auch schon auf Besuch im Kindergarten. Wie Florians unkomplizierter Start in den Kindergartenalltag beweist: Sabine hat an alles gedacht! Nur eines hat sie außer Acht gelassen: die eigene Reaktion auf den Abschied von ihrem Sohn … Sabine fällt das Loslassen schwer. Einerseits freut sie sich über Florians guten Einstieg, andererseits kränkt sie sich ein wenig darüber, wie leicht ihm der Schritt weg von der Mutter zu fallen scheint!
Lebenseinschnitt
Der Eintritt in den Kindergarten bedeutet nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie eine große Umstellung. Das Kind muss sich zeitweilig von der Familie lösen, hat außerdem völlig neue Anforderungen zu erfüllen. Dieser Loslösungsprozess verschafft der nächsten Bezugsperson – meist ist es die Mutter – Freiraum für eigene Interessen, aber auch für eine Neugestaltung ihres Tagesablaufs. Meist fällt der Zeitpunkt mit einem beruflichen Wiedereinstieg zusammen. Das wirkt sich auf die Familienstruktur und auf die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander aus.
Ein Schritt weg voneinander
Wie alt auch immer der Kindergartenneuling ist: Für die Kleinen ist der Schritt in die neue Welt in jedem Fall mit viel Aufregung verbunden. Je jünger, umso mehr pädagogische Unterstützung benötigt das Kind. Und die bekommt es auch von Großeltern, Eltern, älteren Geschwistern und natürlich in erster Linie von den Kindergartenpädagoginnen. Aber auch besorgte Mütter und (in zunehmendem Maße) Väter brauchen in den ersten Kindergarten-Wochen und -Monaten Hilfe, um sich von ihrem Kind zu lösen. Denn diese Umbruchsphase bereitet Eltern oftmals mehr Schwierigkeiten, als ihnen lieb ist! Ganz plötzlich werden sie scheinbar nicht mehr so intensiv von ihrem Kind gebraucht: Es wagt erste kleine Schritte in die Selbstständigkeit …
Begleitung der Eltern
Die vierfache Mutter und Kindergartenpädagogin Bettina Huber aus Wien weiß um die Nöte und Ängste der Eltern. „Manch ein Kind weint beim Abschied. In den meisten Fällen beruhigt es sich aber rasch wieder und spielt den ganzen Tag vergnügt. Wenn die Mutter oder der Vater das Kind Stunden später abholen, gibt es oft wieder Tränen. Die Eltern sind dann natürlich entsetzt und denken: ,Mein Kind hat den ganzen Tag geweint!‘ Die fröhlichen Stunden dazwischen konnten sie ja nicht beobachten …“ Deswegen dokumentiert Bettina Huber gerade in der Anfangsphase das fröhliche Spiel und das glückliche Lachen der Neulinge in der Gruppe mit der Digitalkamera. Wenn die besorgten Eltern das Kind abholen, zeigt sie ihnen, welch schöne Momente das Kind untertags erlebt hat. „Dieser Tagesbericht erleichtert der Mutter den Abschied vom Kind. Sie merkt: Mein Kind wird im Kindergarten gut betreut. Es fühlt sich dort wohl.“
Kein schlechtes Gewissen
„Ich deponiere mein Kind im Kindergarten, damit ich arbeiten kann!“ – dieser Gedanke plagt so manche Mutter. Oftmals wird das schlechte Gewissen von außen suggeriert. Die Umwelt setzt die „Working Mum“ allzu gerne mit einer Rabenmutter gleich. „Viele Paare werden spät Eltern und bekommen von ihrer Umgebung zu hören: ,Jetzt hast du endlich dein Kind und schon gibst du es wieder her!‘“ Wenn Bettina Huber Unsicherheit und Traurigkeit bei einer Mutter spürt, sucht sie das Gespräch. Meist sind die Frauen erleichtert, dass ihr Problem zur Sprache kommt, und schütten der Kindergartenpädagogin ihr Herz gerne aus … Das alleine bewirkt bei den meisten Müttern schon eine Milderung ihres schlechten Gewissens.
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