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Mehrsprachige Kindererziehung

Mehrsprachige Kindererziehung

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Mama ist Französin, Papa spricht Deutsch als Muttersprache und in der Schule haben beide auch noch Italienisch und Spanisch gelernt. Warum also nicht dieses Wissen an die Kinder weitergeben?
Wer beschließt, seinen Nachwuchs mehrsprachig zu erziehen, steht schnell vor einem Dilemma. Wer spricht welche Sprache und wann? Wie sprechen die Eltern vor den Kindern miteinander? Was tun, wenn ein Elternteil die Sprache des anderen gar nicht spricht?

Grundsätzlich sollte die eigene Muttersprache weitergegeben werden. Nur in dieser ist es uns möglich Emotionen zu kommunizieren.  Sprechen Sie und Ihr Partner also unterschiedliche Muttersprachen, sollten Sie sich nur in diesen  mit Ihrem Kind unterhalten. Denn Kommunikation sind nicht nur Worte sondern auch Tonlage, Mimik und Gestik. Nur wenn Sie eine Sprache komplett beherrschen, können Sie all diese Komponenten korrekt widergeben. Meist ist dies nur bei der Muttersprache der Fall.

Der Nachwuchs spricht also mit Mama französisch und mit Papa deutsch, das sogenannte Partnerprinzip. Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn, wie Bernd Kielhöfer in seinem Buch „Zweisprachige Kindererziehung“ betont, haben Kinder in der Verwendung von Sprache einen ganz eigenen Kopf. Er beschreibt eine Situation in der Badewanne, in der die Kinder wütend auf die Mutter werden und mit ihr deutsch sprechen. Die Mutter bittet ihre Sprösslinge französisch zu reden. „Daraufhin geht das Gespräch auf französisch weiter. Nur in der größten Wut wird auf deutsch geschimpft. Die Sprache der Wut scheint ein Sonderfall der Sprache der Aufregung zu sein: die Erregung setzt momentan das Partnerprinzip außer Kraft.“

Kritiker mehrsprachiger Kindererziehung weisen auf Sprachverspätung, Sprachverweigerung oder auch Stottern hin. Beweise dafür sind bislang keine erbracht worden. Allerdings kommt es bei zwei- oder mehrsprachigen Kindern durchaus zu Sprachvermischungen. Manchmal entsteht innerhalb der Familie eine Mischsprache. „Das Vorbild einer solchen Mischsprache ist nicht selten dafür verantwortlich, dass zweisprachige Kinder keine der beiden Sprachen richtig lernen“ heißt es in dem Buch. Um Sprachmischungen oder gar eine Mischsprache zu vermeiden ist die Konsequenz und Beharrlichkeit der Eltern sehr wichtig.

Eine allgemeine Obergrenze an erlernbaren Sprachen für Kinder gibt es nicht. Bedenken Sie jedoch, dass je mehr Sie in die Erziehung einfließen lassen möchten, desto schwieriger wird es im Alltag alle Sprachen im gleichen Maß zu bedienen. 

Buchtipp:

Zweisprachige Kindererziehung
Bernd Kielhöfer / Sylvie Jonekeit
Stauffenburg Verlag



Text: Kerstin Pfeifer
Foto: Creativa Images - shutterstock.com

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