Kinder machen Quote
Schnelle Nanny-Truppe
Manchmal ist es aber nicht der eigene Hang zur Selbstdarstellung, sondern die reine Verzweiflung, die Familien ins Fernsehen bringt. Die „Supernannys“ der Fernsehweltwerden erst dann gerufen, wenn in Sachen Erziehung nichts mehr geht. Vorlaufender Kamera greifen die Erziehungsberaterinnen ins Familiengeschehen ein und retten, was zu retten ist. Ein Konzept, dem auch die Psychotherapeutin durchaus etwas Positives abgewinnen kann: „Da ist jemand bereit, in ganz schwierige Konstellationen hineinzugehen und zu helfen. Ich habe großen Respekt vor den Familien, die ihre Probleme so offen gezeigt haben und auch ihre Überforderung zur Schau stellen“, sagt Herta Brinskele. Dennoch bleibt nach einigen Sendungen ein schaler Nachgeschmack. „Da kommt ein Zampano und zeigt, wie’s gemacht wird“, kritisiert Christian Vielhaber vom Kinderschutzbund die Erziehungssendungen. „Das läuft alles immer nach dem selben Schema ab.“ Die Dramaturgie der Fernsehsendung scheint tatsächlich oft wichtiger zu sein als die pädagogischen Maßnahmen. Opfer und Täter werden identifiziert, tauschen ihre Rollen, um sich zuletzt zu versöhnen. Ob es beim Happy End bleibt, wird der Fernsehzuschauer nie erfahren. Echte Familientherapie, die angesichts der Härte der gezeigten Fälle angebracht wäre, dauert etwas länger. Eines haben die „Supernannys“ jedoch geschafft: Sie haben eine Diskussion darüber losgetreten, wie es um das Thema Erziehung steht. „In unserer Gesellschaft ist es schwierig zu sagen, ich habe Erziehungsprobleme. Man geht davon aus, dass Erziehung von selber funktionieren müsste. Dabei ist Erziehung überhaupt nichts Selbstverständliches“, sagt Herta Brinskele, die in ihrer Praxis täglich mit dieser Tatsachekonfrontiert wird
Kind kocht
Doch glücklicherweise spielen sich im Fernsehen nicht nur Familiendramen ab. Auch für leichte Unterhaltung und Spaß ist gesorgt, zum Beispiel mit Sendungen wie „Kochen mit Kids“ im ATV-Vorabend. Hier bereiten zwei Volksschulkinder gemeinsam mit dem Haubenkoch Alain Weissgerber und Barbara Eselböck ein feines Menü zu. Dazwischen gibt es lehrreiche Beiträge der Redaktion über die Herkunft etwa von Ricotta und anderen Zutaten. Die Kinder wirken zwischenzeitlich etwas wie Staffage, aber dennoch: Das kann kindergerechtes Fernsehen sein, weil es den Interessen und Entwicklungsbedürfnissen der Kinder entgegenkommt. Herta Brinskele dazu: „In der Volksschulzeit haben Kinder ein großes Interesse an der Welt der Erwachsenen, am Beruf der Eltern, am Alltag. Da geht es um ein Probehandeln, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Das hat den Charakter des Spielerischen, des Lustvollen.“ Zudem bestätigt Christoph Brunmayr von ATV, dass sich während der gesamten Produktion eine ausgebildete Pädagogin um die Kinder kümmert, „damit es immer Spaß bleibt und nie Arbeit wird“.
Fernsehen statt erleben?
Klingt gut–und eher nach dem guten alten Am-Dam-Des-Feeling. Wenn vor der Kameragemeinsam gekocht, gebastelt und gespielt wird, wird das den Bedürfnissender Kinder vor der Kamera und der Familien vor dem Fernseher gerecht. Die einen erleben einen großartigen Tag, an dem sie etwas ganz Besonderes sind ,ohne die Gefahr, bloßgestellt oder ausgenützt zu werden. Die anderen holen sich im Fernsehen Anregungen dafür, was Erwachsene und Kinder gemeinsam anstellen könnten. Das funktioniert aber nur unter einer Bedingung: Der Fernseher wird auch wieder abgeschaltet. Die Kochsendung darf das gemeinsame Kochen nicht ersetzen, so wie der Märchenfilm kein brauchbarer Ersatz für eine von Papaerzählte Gute-Nacht-Geschichte ist. Spielt sich das Familienleben nur noch im Fernsehprogramm ab, ist es dann auch kein Wunder, wenn die Kinder unbedingt ins Fernsehen wollen. Positiv formuliert: Erleben Kinder ihre Abenteuer, ihre Experimente und ihre Anerkennung im richtigen Leben, verliert das Medium Fernsehen einen großen Teil seiner Anziehungskraft. Womit wir wieder da wären, wo wir angefangen haben: beider Verantwortung der Eltern.
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