Rehsus:
Die Rhesusprophylaxe
Das muss alles nicht sein. Seit 30 Jahren lässt sich die gefürchtete Rhesussensibilisierung durch eine Art Impfung verhindern: Ein Pieks, und das war’s. Dazu wird jeder (Rh–)-Mutter in der 28.–30. Schwangerschaftswoche eine Dosis „Anti-D-Immunglobulin“ gespritzt, um zu verhindern, dass sie überhaupt Rhesus- Antikörper bildet. Diese (gut verträglichen und risikoarmen) Anti-D-Immunglobuline fangen die kindlichen roten Blutkörperchen sofort beim Übertritt in den mütterlichen Blutkreislauf ab, noch bevor Mamas Immunsystem sie als fremd erkennen kann. Die Abwehrreaktion unterbleibt, die Wirkung hält rund drei Monate an. Nach der Geburt eines rhesuspositiven Kindes wird einer rhesus-negativen Mutter innerhalb von 72 Stunden dann eine weitere Dosis verabreicht.
Tests zur Risikoeinschätzung
Noch vor der Prophylaxe weist der Coombs-Test nach, ob und in welcher Konzentration Rhesus-Antikörper im Blut der Mutter vorhanden sind. Lassen sie sich selbst bei einer 16-fachen Verdünnung (1:16) der Probe noch nachweisen, so gilt die Schwangerschaft als Hochrisikofall – eine Diagnose, mit der in Österreich jährlich rund 30 Schwangere konfrontiert werden. Zusätzliche Tests klären dann, ob noch weitere Unverträglichkeiten anderer Blutgruppenmerkmale vorliegen und eine pränatale Behandlung erfolgen soll.
Gesunde Kinder trotz Hochrisiko
Diese Hochrisikofälle sollten engmaschig betreut werden, wie Univ. Prof. Dr. Josef Deutinger, Leiter des Instituts für Pränatale Diagnostik und Gynäkologische Sonographie in Wien, betont: „Pränatalmediziner können heute dazu beitragen, dass 99 Prozent dieser Kinder gesund zur Welt kommen!“ Sorgfältig wird die Entwicklung des Kindes per Ultraschall überwacht, nach Anzeichen für eine Schädigung der kindlichen roten Blutkörperchen gefahndet: Tritt Flüssigkeit aus der Blutbahn in das umliegende Gewebe, so deutet das auf Wassersucht hin. Wird das Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt? Der Doppler-Ultraschall, der die Strömungsgeschwindigkeit in den kindlichen Gefäßen misst, gibt Auskunft! Leidet das Baby unter schwerer Blutarmut, bietet eine weitere technisch aufwändige Möglichkeit Hilfe: Die von Spezialisten vorgenommene Nabelschnurpunktion ist Diagnosemittel und Therapiemöglichkeit zugleich. Zwei Minuten dauert es, einen Blutbefund des Babys zu erstellen, dann kann bei Bedarf eine Bluttransfusion gegeben werden.
Gleich und Gleich …
Auch wenn heute keine Frau mehr als Hexe verbrannt wird: Die Folgen einer Rhesussensibilisierung können für Frau und Ungeborenes immer noch dramatisch sein. (RH–)-Frauen dürfen sich dennoch beruhigt zurücklehnen: Im Fall des Falles garantiert die Rhesus-Prophylaxe größtmöglichen Schutz. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann ja bei der Partnerwahl höchst selektiv vorgehen – und nur rhesusnegative Männer in die engere Auswahl kommen lassen.
| ratz fratz Links zum Rhesus-Wissen www.gynschall.at/rhesus www.gesundheitpro.de/Neugeborenengelbsucht www.9monate.qualimedic.de/Rhesusfaktor.html |
Mag. Elisabeth Sorantin
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