Frühgeburt per Kaiserschnitt
Probleme von Frühchen
Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto weniger ist es auf das Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Obwohl die Frühgeburten nur einen kleinen Teil aller Geburten ausmachen (5-8%), sind sie doch für etwa drei Viertel der Säuglingssterblichkeit verantwortlich. Das Risiko ist umso höher, je geringer das Geburtsgewicht bzw. je früher in der Schwangerschaft das Kind geboren ist. Groß ist bei Frühchen die Gefahr einer Hirnblutung, da infolge zu hohen Beatmungsdrucks kleine Blutgefäße im Hirn zerreißen können. Bei sehr starken Blutungen kann dies zu späteren Behinderungen führen. Weitere Risken sind u.a. Lungenfunktionsstörungen bei unreifer Lunge, Atemstillstand, weil der Atemreflex noch unreif ist, ausgeprägte Neugeborenengelbsucht, weil die Leberfunktion noch nicht reif ist, erhöhtes Infektionsrisiko, weil die Körperabwehr noch nicht voll ausgebildet ist, Trinkstörungen und Temperaturregulationsstörungen.Frühchen haben ein höheres Risiko später an Bewegungsstörungen zu leiden als termingerecht geborene Kinder. Auch Probleme bei der Informationsverarbeitung im Gehirn, die den Frühchen später Schwierigkeiten beim Lernen bereiten können, sind möglich. Eine Langzeitstudie des AKH, Abteilung für Neonatologie, und der Landessanitätsdirektion Wien zeigt jedoch auf, dass in Wien immerhin 70 Prozent der Winzlinge mit einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm oder weniger nach zwei Jahren eine dem Alter entsprechende, unauffällige Entwicklung aufweisen.
Trendwende in der medizinischen Betreuung
“Bis vor nicht allzu langer Zeit war es in vielen Kliniken üblich, Kinder unter 1500 Gramm sofort nach der Geburt maschinell zu beatmen”, erzählt Dr. W. Zissler, Leiter der neonatologischen Intensivstation im LKH Vöcklabruck.
“Durch die Langzeitbehandlung dieser Kinder hat man zwar die lebenswichtige Sauerstoffversorgung aufrecht erhalten, aber auch gewisse Nebenwirkungen wie Lungenschäden in Kauf genommen.”
Den Anstoß zur Trendumkehr habe u.a. die Wiener Kinderintensivärztin Dr. M. Markovitch gegeben, die gezeigt hat, dass auch ganz kleine Kinder ohne intensivmedizinische Maßnahmen ganz gut überleben können, wie bei der bereits erwähnten “Känguru-Pflege”, bei der selbst kleinste Frühgeborene zeitweise der Mutter auf die Brust gelegt werden.
Das Prinzip der “sanften Neonatologie” laute, so Zissler, “so sanft wie möglich, so intensiv wie nötig”. D.h. wenn es notwendig ist, muss sehr wohl die Intensivmedizin eingesetzt werden. Mit neuen Geräten ist eine bessere Kontrolle von Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung im Blut gewährleistet, was unerlässlich für die gesunde Entwicklung der Frühchen ist.
Tipps für den Alltag
"Was ziehe ich meinem Baby an?” Den meisten Frühchen ist die übliche Neugeborenengröße 50 zu groß. Spezielle Geschäfte wie C & A, Flic-Flac, Mary oder Versandhäuser wie Baby Walz und Zwergenland bieten Kleidung schon in den Größen 38 und 44 an. Ein Tipp: Die Kleidung der Puppe “Baby Born” passt fast allen Frühchen.
- Frühgeborene brauchen vor allem viel Ruhe und einen geregelten Tagesablauf. Zu viel Besuch oder zu viele neue Eindrücke können sie nur sehr schwer verarbeiten, daher schreien sie nach solchen Aufregungen oft sehr viel.
- Das Tragen eines früh geborenen Kindes ist sehr wichtig. Es braucht die Nähe der Mutter und das gewohnte Schaukeln, da es wörtlich genommen ja noch nicht voll “ausgetragen” ist. Am Sinnvollsten ist es ein Tragetuch zu benützen.
- Im Bettchen braucht das Frühchen “Begrenzungen”, um sich wie im Mutterleib behaglich zu fühlen – für den Kopf eignet sich ein “Hörnchen” (U-förmiges Kissen), die Beinchen kann man am Bettende anstoßen lassen.
- Es ist durchaus möglich Frühchen zu stillen, viele der kleinen Zwerge sind aber Flaschenkinder (da sie zu Beginn zu schwach waren). Weil ihr Verdauungssystem oft noch nicht voll ausgereift ist, kann das Schlucken der Luft beim Trinken sehr unangenehm sein. Es empfiehlt sich die Flaschennahrung stets mit frisch abgekochtem Wasser zuzubereiten und den entstehenden Schaum an der Oberfläche abzuschöpfen.
- Mobile Kinderkrankenschwestern des Vereins MOKI bieten für die ersten drei Monate Unterstützung der Eltern von Frühgeborenen zuhause (bei Bedarf auch länger). Infos unter Tel. 0699/166 777 07.
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