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Frühgeburt per Kaiserschnitt




Sie war erst in der 24. Schwangerschaftswoche, als sie in der Nacht den Blasensprung hatte.

“In diesem Moment war mir noch gar nicht klar, was das bedeuten würde”, erinnert sie sich.

Frühgeburt per Kaiserschnitt

 Bei der Untersuchung im Spital stellte sich heraus, dass Bettina das ganze Fruchtwasser verloren hatte und die Geburt nicht mehr zurückgehalten werden konnte.

“Das Ärzteteam klärte uns liebevoll über die Probleme bei der Geburt, mögliche Risken, aber auch Chancen auf und empfahl einen Kaiserschnitt, bei dem die Chance 50:50 stand, dass das Kind leichte bis schwere Behinderungen davonträgt”, schildert die junge Frau. “Wir waren froh, dass alle so ehrlich waren und uns nichts beschönigten.”

Sieben Tage später, also in der 25. SSW, war es dann so weit: Die Schwangerschaft wurde wegen ansteigender Entzündungszeichen mittels Kaiserschnitt beendet. Vier Monate zu früh geboren wog das Neugeborene gerade mal 700 Gramm und war 31 cm klein. “Die erste Hürde, dass es unser Baby bei der Geburt nicht schaffen würde, war Gott sei Dank überwunden”, so Bettina.

Die ersten Wochen

Mit der Geburt sind die Ängste der Eltern von Frühchen im Normalfall noch lange nicht zu Ende. Sie sind vielmehr hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Extreme Frühgeburten flößen oft Angst ein. Sie wirken so verletzlich und man hat Angst sie anzugreifen.

Durch die Unterstützung des Personals der Neugeborenenintensivstation lernen die Eltern den Umgang mit ihrem Kind, sie können die Scheu vor den Apparaten verlieren. Dann ist auch der Körperkontakt möglich, z. B. das Känguruhen, bei dem die Kleinen auf die Brust der Mutter gelegt werden um den Herzschlag und die Wärme des mütterlichen Körpers zu spüren. Das unterstützt das Gedeihen manchmal mehr als die beste Medizin.

“Als ich Janik einen Tag nach der Geburt zum ersten Mal sah, brach ich in Tränen aus”, erzählt Bettina. “Er war so klein und bestand nur aus Haut und Knochen und tat mir furchtbar Leid. Janik wurde beatmetet und durch einen Katheter künstlich ernährt. Nach der ersten Woche, in der wir täglich einige Stunden vor dem Inkubator saßen, durfte er zum ersten Mal auf meinen Bauch. Haut an Haut. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen, es war wunderschön.”

Was ist eine Frühgeburt

Noch bis vor einigen Jahren bedeutete “Frühgeburt”, dass die Schwangerschaftsdauer zwischen 28 und 37 Wochen betrug und das Geburtsgewicht zwischen 1000 und 2500 g lag.

Die aktuelle Definition der Weltgesundheitsorganisation legt fest, dass bereits ein Kind, das nach der 24. SSW geboren wird, mehr als 500 g wiegt und Lebenszeichen wie Herzschlag, Atmung oder Nabelschnurpulsationen zeigt, eine Frühgeburt ist.

Durch die Erweiterung der medizinischen und technischen Möglichkeiten haben auch diese Winzlinge eine Überlebenschance, sodass man den früheren Terminus “Spätabort” (Fehlgeburt) fallen gelassen hat.

Gründe für eine Frühgeburt

Im Einzelfall ist die zugrundeliegende Ursache für eine Frühgeburt oft nicht zu klären. Vielmehr liegt häufig eine Kombination mehrerer Faktoren vor. Infrage kommen mütterliche Erkrankungen wie

  • Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft
  • Diabetes mellitus
  • Gestosen (Schwangerschaftsvergiftung)
  • Uterine Ursachen (Abweichungen der Gebärmutter in Größe und Form von der Norm)
  • Myome (gutartige Tumore der Gebärmutter)
  • eine Zervixinsuffizienz (Schwäche des Gebärmutterhalses)
  • eine falsch liegende Plazenta oder
  • fetale Ursachen (Mehrlingsschwangerschaften, Fehlbildungen des Kindes).

Weitere Risken sind u.a. Rauchen und Drogenkonsum, vorausgegangene Frühgeburten und/oder zwei und mehr vorangegangene Aborte. Vorzeitige Wehen können auch durch starke körperliche und psychische Belastungen begünstigt werden.

Sie führen jedoch nicht in jedem Fall direkt zu einer Frühgeburt, denn die Wehen können oft mit einem wehenhemmenden Mittel und mit Ruhe gestoppt werden. Einen vorzeitig geöffneten Muttermund kann der Arzt oft noch mittels einer Cerclage (Nahtverschluss) vorübergehend verschließen.

Probleme von Frühchen

 Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto weniger ist es auf das Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Obwohl die Frühgeburten nur einen kleinen Teil aller Geburten ausmachen (5-8%), sind sie doch für etwa drei Viertel der Säuglingssterblichkeit verantwortlich. Das Risiko ist umso höher, je geringer das Geburtsgewicht bzw. je früher in der Schwangerschaft das Kind geboren ist. Groß ist bei Frühchen die Gefahr einer Hirnblutung, da infolge zu hohen Beatmungsdrucks kleine Blutgefäße im Hirn zerreißen können. Bei sehr starken Blutungen kann dies zu späteren Behinderungen führen. Weitere Risken sind u.a. Lungenfunktionsstörungen bei unreifer Lunge, Atemstillstand, weil der Atemreflex noch unreif ist, ausgeprägte Neugeborenengelbsucht, weil die Leberfunktion noch nicht reif ist, erhöhtes Infektionsrisiko, weil die Körperabwehr noch nicht voll ausgebildet ist, Trinkstörungen und Temperaturregulationsstörungen.

Frühchen haben ein höheres Risiko später an Bewegungsstörungen zu leiden als termingerecht geborene Kinder. Auch Probleme bei der Informationsverarbeitung im Gehirn, die den Frühchen später Schwierigkeiten beim Lernen bereiten können, sind möglich. Eine Langzeitstudie des AKH, Abteilung für Neonatologie, und der Landessanitätsdirektion Wien zeigt jedoch auf, dass in Wien immerhin 70 Prozent der Winzlinge mit einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm oder weniger nach zwei Jahren eine dem Alter entsprechende, unauffällige Entwicklung aufweisen.

Trendwende in der medizinischen Betreuung

“Bis vor nicht allzu langer Zeit war es in vielen Kliniken üblich, Kinder unter 1500 Gramm sofort nach der Geburt maschinell zu beatmen”, erzählt Dr. W. Zissler, Leiter der neonatologischen Intensivstation im LKH Vöcklabruck.

“Durch die Langzeitbehandlung dieser Kinder hat man zwar die lebenswichtige Sauerstoffversorgung aufrecht erhalten, aber auch gewisse Nebenwirkungen wie Lungenschäden in Kauf genommen.”

Den Anstoß zur Trendumkehr habe u.a. die Wiener Kinderintensivärztin Dr. M. Markovitch gegeben, die gezeigt hat, dass auch ganz kleine Kinder ohne intensivmedizinische Maßnahmen ganz gut überleben können, wie bei der bereits erwähnten “Känguru-Pflege”, bei der selbst kleinste Frühgeborene zeitweise der Mutter auf die Brust gelegt werden.

Das Prinzip der “sanften Neonatologie” laute, so Zissler, “so sanft wie möglich, so intensiv wie nötig”. D.h. wenn es notwendig ist, muss sehr wohl die Intensivmedizin eingesetzt werden. Mit neuen Geräten ist eine bessere Kontrolle von Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung im Blut gewährleistet, was unerlässlich für die gesunde Entwicklung der Frühchen ist.

Tipps für den Alltag

"Was ziehe ich meinem Baby an?” Den meisten Frühchen ist die übliche Neugeborenengröße 50 zu groß. Spezielle Geschäfte wie C & A, Flic-Flac, Mary oder Versandhäuser wie Baby Walz und Zwergenland bieten Kleidung schon in den Größen 38 und 44 an. Ein Tipp: Die Kleidung der Puppe “Baby Born” passt fast allen Frühchen.

  • Frühgeborene brauchen vor allem viel Ruhe und einen geregelten Tagesablauf. Zu viel Besuch oder zu viele neue Eindrücke können sie nur sehr schwer verarbeiten, daher schreien sie nach solchen Aufregungen oft sehr viel.
  • Das Tragen eines früh geborenen Kindes ist sehr wichtig. Es braucht die Nähe der Mutter und das gewohnte Schaukeln, da es wörtlich genommen ja noch nicht voll “ausgetragen” ist. Am Sinnvollsten ist es ein Tragetuch zu benützen.
  • Im Bettchen braucht das Frühchen “Begrenzungen”, um sich wie im Mutterleib behaglich zu fühlen – für den Kopf eignet sich ein “Hörnchen” (U-förmiges Kissen), die Beinchen kann man am Bettende anstoßen lassen.
  • Es ist durchaus möglich Frühchen zu stillen, viele der kleinen Zwerge sind aber Flaschenkinder (da sie zu Beginn zu schwach waren). Weil ihr Verdauungssystem oft noch nicht voll ausgereift ist, kann das Schlucken der Luft beim Trinken sehr unangenehm sein. Es empfiehlt sich die Flaschennahrung stets mit frisch abgekochtem Wasser zuzubereiten und den entstehenden Schaum an der Oberfläche abzuschöpfen.
  • Mobile Kinderkrankenschwestern des Vereins MOKI bieten für die ersten drei Monate Unterstützung der Eltern von Frühgeborenen zuhause (bei Bedarf auch länger). Infos unter Tel. 0699/166 777 07.

Foto: Steve Lovegrove/Shutterstock.com

 


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