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Pränataldiagnose


Hauptsache gesund!?

So aufschlussreich die Untersuchungsergebnisse heute bereits sein mögen, Grund zu kontroversen Ansichten gibt die Tatsache, dass die Pränatalmedizin Auffälligkeiten zwar erfassen, aber nicht unbedingt verhindern kann.
“Mit Verfahren wie dem Combined Test werden oft mehr Abweichungen gefunden, als therapiert werden können”, gibt Helene Polaczek von Aktion Leben zu denken. “Das hat zur Folge, dass die Pränataldiagnostik zunehmend die Aufgabe hat, gesunde und behinderte Kinder zu selektieren.”

Wird das gesunde Kind dadurch mehr und mehr zum gesellschaftlichen Machtfaktor, den man wie auf Bestellung haben kann? “Der Druck, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, wächst enorm”, bestätigt Polaczek. “Hinzu kommt, dass Untersuchungen auf mögliche Behinderungen heute schon an der Tagesordnung stehen. Welche Konsequenzen es für die Eltern haben kann, wenn tatsächlich eine Behinderung diagnostiziert wird, ist vorher nur den wenigsten bewusst."

Fundierte Beratung und seelische Unterstützung

Die pränatale Diagnostik stellt die Schwangere vor problematische Fragen, deren Antworten für sie, vor allem aber für das ungeborene Kind gravierend sind. Steht es wirklich dafür, das Risiko einer Fehlgeburt als Folge der Untersuchung einzugehen? Und vor allem: Was fängt die Mutter mit dem Ergebnis an, wenn der Befund tatsächlich “positiv” ist?
Helene Polaczek von der Aktion Leben: “Mit der Nachricht, dass ihr Kind behindert zur Welt kommen wird, fühlen sich die meisten Frauen allein gelassen. Sie sind völlig verzweifelt und wissen nicht, wie sie diese Schwierigkeit bewältigen sollen. In ihrer Not sehen viele als einzigen Ausweg nur die Abtreibung.” Polaczek weiß aus Erfahrung, dass die Beratung in dieser ganz besonders schwierigen Zeit eine große Hilfe sein kann. Um die Mitteilung der belastenden Diagnose besser verarbeiten zu können und um Einstellungen, Werte und Betrachtungsweisen vielleicht neu abzuwägen.

Auch Hebamme Renate Großbichler-Ulrich meint: “Für betroffene Frauen bricht eine ganze Welt zusammen, wenn sie so eine Botschaft bekommen. Sie sind damit oft gänzlich überfordert. Dazu kommt, dass sie nur wenig Zeit haben, um die Situation zu überdenken und die für sie richtige Entscheidung zu treffen. Psychologische Beratung kann vielen Frauen eine große Hilfe sein.”

Die Diagnose als Chance

Allerdings: Ziel der pränatalen Diagnostik ist es nicht, die Mutter einzig vor die Alternativen zu stellen, ein behindertes Kind abzutreiben oder auszutragen.
Dr. Steiner: “Wir wollen Risiken ausschließen, Mutter und Kind in der Schwangerschaft bestmöglich betreuen, die Geburt vorbereiten und anstehende Fragen klären. Wenn wir tatsächlich Abweichungen feststellen, können wir in vielen Fällen Mutter und Kind entsprechend therapieren. Herzrhythmusstörungen, Infektionen oder Anämien sind nur einige Beispiele, bei denen bei vorangegangener Diagnostik rechtzeitig eine Behandlung veranlasst werden kann.”

Außerdem spielt die Gewissheit eine Rolle: “Viele Eltern, die tatsächlich ein behindertes Kind zur Welt bringen, sind froh, es vorher gewusst zu haben”, fährt Dr. Steiner fort.

Fazit: Die pränatale Diagnostik bringt enorme Chancen, aber auch Risiken und schwerwiegende ethische Fragen mit sich. Beratungsstellen informieren und helfen betroffenen Frauen, schwierige Situationen zu bewältigen.

Eine betroffene Mutter erzählt

Gertrude Toupals Tochter Melanie (5) kam mit Down-Syndrom zur Welt
“Einige Zeit nach der Geburt meines dritten Kindes wollten mein Mann und ich noch ein viertes. Ich erlitt eine Fehlgeburt, wurde aber 1998 nochmals schwanger. Wieder ließ ich wie bei meiner letzten Schwangerschaft aufgrund meines Alters – ich war damals bereits 41 – eine Fruchtwasseruntersuchung vornehmen. Das war für mich reine Routinesache. Ich rechnete nicht im Traum damit, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte. Doch unerwartet traten Komplikationen auf: Während der Untersuchung riss die Fruchtblase ein. Ich wurde im Krankenhaus aufgenommen und musste 12 Tage strengste Bettruhe halten.

Im Spital hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Das lange Warten auf das Ergebnis belastete mich diesmal sehr. Innigst hoffte ich, dass mein Kind gesund sein würde. Trotzdem glaube ich, stand für mich schon damals fest, dass ich es auf jeden Fall bekommen würde. Wenn das Kind schon so eine Kämpfernatur ist, dann habe ich nicht das Recht, sein Leben zu beenden, nur weil es nicht meinen Erwartungen entspricht, so dachte ich mir.

Als wir nach zwei Wochen das Ergebnis bekamen, war es dennoch ein gewaltiger Schock. Zuerst waren wir wütend, konnten nicht verstehen, warum es ausgerechnet uns treffen musste. Dann waren wir nur mehr traurig. Traurig, dass unser Kind, auf das wir uns so sehr freuten, nicht gesund zur Welt kommen würde. Und dann kam die Angst. Tausende Fragen gingen uns durch den Kopf. Wie wird unser Leben mit einem behinderten Kind aussehen? Worauf werden wir verzichten müssen? Was bedeutet dieses Schicksal für seine drei Geschwister?

Von da an habe ich die Schwangerschaft genauso genossen wie bei meinen anderen Kindern. Auch die Entbindung war ein schönes Erlebnis. Ich war froh, dass ich vorbereitet war. Jetzt läuft das Leben mit unserer Tochter genauso ab wie mit den anderen Kindern. Der einzige Unterschied ist, dass sie sich langsamer entwickelt und somit die anstrengenden Phasen der Entwicklung länger andauern. Das ist manchmal mühsam.

Jede Frau soll das Recht haben, sich entscheiden zu können, ob sie mit einem behinderten Kind leben möchte oder nicht. Ich würde mir wünschen, dass man Müttern Informationsmaterial zukommen lässt, damit sie wissen, was auf sie zukommen kann. Für unsere Familie war es richtig, dieses besondere Kind zu bekommen. Ich würde mich jederzeit wieder so entscheiden.”







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eva javorsky (19.01.2010 15:21 Uhr)
Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat gibt es im einen Informationsabend über die Chancen und Risiken der vorgeburtlichen Diagnostik:
"PICKERL FÜR`S BABY?"
um 19.00 im Nanaya, Zollergasse 37, 1070 Wien. Hier gibt es auch genug Zeit, um Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

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