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Verkehrt herum

Komplikationen in der 35. Woche

Bei Katharina Meisel und ihrem Mann Robert ist die Freude mehr als groß, als sich nach fünf Jahren Kinderwunsch endlich...

2. und 3. Geburt

Denn während Erstgebärende im Schnitt zwölf Stunden brauchen, bis das Baby da ist, halten Zweitgebärende laut Statistik schon nach rund sechs Stunden ihr Kind in den Armen.
Das erste Mal war wie ein Sprung in ein dunkles Loch: Wie tief werde ich fallen? Kann ich mit beiden Beinen landen, werde ich stolpern oder mich gar verletzen? Ich war 22, und wie die meisten Erstgebärenden hatte ich Angst vor dem Unbekannten. Und wie die meisten Erstgebärenden bewältigte ich letztlich meine Aufgabe. Nicht auf die schnelle, nicht auf die leichte Art, doch ich lernte im Laufe einer langen Nacht, mich der Gewalt der Wehen hinzugeben. Als ich meinen neugeborenen Sohn im Arm hielt, war ich unbändig stolz. Stolz auf ihn, aber auch stolz auf die Leistung, die ich vollbracht hatte.

Zehn Jahre später begleitete mich etwas von dieser Kraft in meine zweite Entbindung. Da war es wieder, das Loch, doch diesmal wusste ich, was mich erwarten würde, und ich konnte darauf vertrauen, dass ich schon einmal sicher unten angekommen war. Das half mir über schwierige Phasen bei der Geburt von Sohn Nummer zwei, die nur noch eine halbe Nacht dauerte.
Das dritte Kind schließlich war in weniger als drei Stunden da; routiniert und relativ gelassen war ich in das Loch gesprungen und durfte unten meine Tochter in Empfang nehmen.

Körper und Psyche haben gelernt

“Zu etwa 80 Prozent verlaufen zweite oder dritte Entbindung deutlich schneller als die erste”, konnte Karin Lawugger, Geschäftsführerin des Hebammenzentrums in Wien 9, in fast 15 Jahren Berufspraxis beobachten, “vor allem die Austreibungsphase ist kürzer, und es braucht weniger Presswehen, bis das Kind da ist.”
Die medizinische Basis für diesen Befund: Wurde der Geburtskanal einmal benutzt, haben es die nachfolgenden Babys leichter, sich ihren anstrengenden Weg auf die Welt zu bahnen. Das Gewebe des Gebärmutterhalses ist weicher und trichterförmig vorgedehnt, der Muttermund öffnet sich schneller, der Körper spricht rascher auf die im Blut zirkulierenden Hormone an. Deshalb wird seltener eine Periduralanästhesie benötigt, und auch Zange oder Saugglocke kommen nicht so oft zum Einsatz.

Zum physischen Plus gesellt sich ein psychologischer Effekt. “Frauen, die ein Kind spontan geboren haben, gehen gestärkt in die nächste Entbindung”, weiß Karin Lawugger, “sie haben erfahren, dass ihr Körper funktioniert, wissen, wie sich der Wehenschmerz anfühlt. Egal, wie lange die erste Geburt zurückliegt, sie erinnern sich sofort daran, wie sie atmen sollen.

Außerdem gelingt es ihnen besser den Kopf auszuschalten und dem Körper die Führung zu überlassen. Es fällt ihnen leichter den Wehen zu folgen, sich gehen zu lassen. Erstgebärende hingegen versuchen oft mit Krampf, das umzusetzen, was sie im Geburtsvorbereitungskurs gelernt haben.”

Expertin für den eigenen Körper

Expertin für den eigenen Körper, so nennt sich auch Michaela Leitner. Die 40-jährige hat sechs Kinder zur Welt gebracht und dabei ein Gefühl für ihren ganz persönlichen Geburtsverlauf entwickelt. “Alle Entbindungen haben sich nach dem selben Muster abgespielt”, schildert sie, “am Anfang dauert es ewig, du glaubst, du kommst nichts voran, und dann geht es Schlag auf Schlag und das Kind ist da.”
Besonders hilfreich war die Tatsache, dass sie den Wehenschmerz als durchaus erträglich empfand: “In der ersten Schwangerschaft hat mich das Thema Schmerz sehr beschäftigt, aber nach der Entbindung habe ich gewusst, dass ich das aushalten und damit umgehen kann. Diese innere Überzeugung hat es bei den anderen Kindern um vieles leichter gemacht.”





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