2. und 3. Geburt
Trauma Kreißsaal
Leichter? Sicher nicht, findet hingegen Irene Hess, Mutter dreier Söhne. “Nach der komplizierten ersten Entbindung hat mir mein Arzt versprochen, dass es beim zweiten und erst recht beim dritten Mal einfacher wird”, erzählt sie, “doch das hat leider nicht gestimmt. Es hat weder kürzer gedauert, noch waren die Schmerzen besser zu ertragen. Im Gegenteil: Beim ersten Kind war ich wenigstens noch unbefangen, danach hab ich genau gewusst, was alles passieren kann.”
Auch so kann es also laufen: Wurde die erste Geburt als Horrorszenario erlebt, geht die Frau mit einem hohen Angstniveau in die nächste Schwangerschaft. Ein Teufelskreis beginnt: Wer Angst hat, verkrampft sich, wer verkrampft, kann nicht loslassen, wer nicht loslassen kann, empfindet Schmerzen besonders intensiv, wer Schmerzen hat, hat Angst …
“In einem solchen Fall ist eine intensive und individuelle Betreuung vor der Geburt besonders wichtig”, erklärt Hebamme Karin Lawugger, “man muss die Ängste ernst nehmen und bearbeiten, damit eine Chance auf Versöhnung mit dem Körper besteht.” Diese Versöhnung gibt den Frauen enormes Selbstbewusstsein, nicht nur für eine eventuelle weitere Entbindung, sondern auch im Umgang mit dem Neugeborenen. Denn wer die Geburtsarbeit gemeistert hat, fühlt sich auch dem Baby-Stress eher gewachsen.
Kaiserschnitt als Ausweg?
Den Ausweg Kaiserschnitt als Angstbewältigung hält Hebamme ,Karin Lawugger hingegen für keine gute Strategie. Trotz medizinischer Fortschritte und steigender Raten – in Österreich wird bereits jede vierte Frau per Kaiserschnitt entbunden – handelt es sich immer noch um eine Bauchoperation mit allen damit verbundenen Nachteilen.
So brauchen die betroffenen Frauen relativ lange, um danach wieder auf die Beine zu kommen. Sie haben auch in Zukunft schlechtere Karten für eine spontane Geburt. Da das Risiko besteht, dass die alte Narbe während der Entbindung aufplatzt, halten sich viele Geburtshelfer an das Motto “Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt”.
In nur wenigen Spitälern, etwa in der Wiener Semmelweis-Klinik, bemüht man sich darum, den Frauen nach einem Kaiserschnitt eine “normale” Geburt zu ermöglichen. Nur wenn die Indikation für den Kaiserschnitt gleich geblieben ist – zum Beispiel ein Missverhältnis zwischen Beckengröße und Kopfumfang des Kindes – müssen die Frauen auf jeden Fall auch beim nächsten Mal unter das Messer.
Hoffentlich noch ein gesundes Baby
Unabhängig vom Geburtserlebnis berichten viele Frauen, dass mit jedem Kind die Angst vor Missbildungen oder Erkrankungen steigt. So auch Andrea Brückner, die innerhalb von fünf Jahren drei Töchter bekam. Für sie wurden die Entbindungen zwar leichter, die Sorgen um das jeweilige Baby hingegen größer. “Mein Gedanke war: Jetzt habe ich schon zwei Mal Glück gehabt und ein pumperlgesundes Kind bekommen, hoffentlich klappt es auch noch ein drittes Mal”, schildert sie.
Auch Irene Hess hat sich mit solchen Bedenken herumgeschlagen – irgendwann, so die Logik dahinter, könnte einen ja die Statistik treffen …
Die sechsfache Mutter Michaela Leitner hingegen beschäftigte sich eher damit, wie rasch sie nach der Entbindung wieder einsatzfähig sein würde – eine entscheidende Frage, wenn eine so große Familie sehnlichst auf die Rückkehr der Mami wartet.
Geburtsvorbereitung für Zweit- oder Mehrgebärende
Gerade weil sich Zweit- oder Mehrgebärende mit anderen Themen auseinandersetzen, empfiehlt die Hebamme Karin Lawugger eine auf diese Zielgruppe ausgerichteten Geburtsvorbereitungsgruppe zu besuchen. “Die Kurse laufen verkürzt, sind aber ganz speziell auf die Situation von Frauen mit Kindern ausgerichtet.
Es geht weniger darum, Information zu vermitteln, als sich exklusiv und bewusst auf die Geburt und das neue Baby vorzubereiten. Denn wenn schon Geschwister da sind, haben die Frauen oft nicht die Gelegenheit, sich auf die bevorstehenden Veränderungen einzustimmen. Die Struktur eines Kurses hilft dabei, sich diese Zeit zu nehmen!”
Wieder schwanger: Was läuft anders?
- der Bauch ist früher zu sehen, weil das gedehnte Gewebe sich schneller nach vor wölbt
- die Kindsbewegungen sind oft schon in der 17. Woche zu spüren
- morgendliche Übelkeit tritt seltener auf, ebenso wie vorzeitige Wehen
- gab es beim ersten Mal schwere Komplikationen, wie etwa eine Gestose, besteht ein Wiederholungsrisiko
- die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind pünktlich zur Welt kommt, ist höher
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