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Verkehrt herum

Komplikationen in der 35. Woche

Bei Katharina Meisel und ihrem Mann Robert ist die Freude mehr als groß, als sich nach fünf Jahren Kinderwunsch endlich...

Geplanter Kaiserschnitt

Wunsch nach Planbarkeit

Doch was bewegt Frauen eigentlich dazu, sich freiwillig den Bauch aufschneiden zu lassen um ihr Kind zu bekommen? Univ. Prof. Deutinger, Gynäkologe im Privatspital “Goldenes Kreuz” kennt viele Gründe dafür. Manche Schwangere fürchten eine nachhaltige Schädigung des Beckenbodens mit allen unangenehmen Folgen wie der Senkung der Gebärmutter und damit verbundenen unfreiwilligem Harnverlust.
Dadurch, dass heute 15% der Schwangeren bereits über 35 Jahre alt sind und in dieser Lebensphase auch schon auf eine berufliche Karriere zurückblicken können, steht der Wunsch nach der Planbarkeit dieses Ereignisses ganz oben auf der Wunschliste. Schließlich müssen Kind und Beruf von Anfang an aufeinander abgestimmt werden. Aber auch Schwangere, die durch eine schwierige frühere Geburt traumatisiert sind, entscheiden sich laut Univ. Prof. Deutinger häufig für einen Kaiserschnitt.

Als Termin für so einen Eingriff wird meist ein Zeitrahmen von zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin gewählt. Und da liegt für Dr. Adam, Leiter des Geburtshauses in Nussdorf, auch schon das erste Problem in Bezug auf die Wunsch-Sectio. Mit einem willkürlich festgelegten Geburtszeitpunkt greift man sehr radikal in die “Kommunikation” zwischen mütterlichem und fetalem Organismus ein.

Hormonelle Kommunikation

Untersuchungen zeigen, dass nicht nur der Körper der Mutter den Startschuss für die Geburt gibt, sondern dass das Ungeborene wesentlichen Einfluss darauf hat. Vereinfacht gesagt schüttet auch der reife Fötus ein Hormon aus, das die Gebärmutter zur Wehentätigkeit anregt. Wird in diesen sensiblen Kreislauf eingegriffen, können nach Einschätzung von Marsden Wagner, früherer Leiter der Abteilung Women’s and Children’s Health bei der Weltgesundheits-Organisation, schwere Fälle von Atemnot beim Neugeborenen auftreten, weil die Kinder noch nicht auf die Geburt vorbereitet sind, vor allem, wenn der Operationstermin sehr früh angesetzt worden ist.
Er empfiehlt deshalb eine Wunsch-Sectio erst nach zwei bis drei Stunden natürlicher Wehentätigkeit durchzuführen. Damit fällt allerdings eine wesentliche Motivation, nämlich die genaue Plan-barkeit eines Kaiserschnittes, weg. Diese Atemprobleme beim Neugeborenen gehören zu den gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen einer Sectio. Eher selten, in ca. 1,9 % der Fälle, kommt es auch zu einer Ver-letzung des Babys durch das Skalpell, die in den meisten Fällen aber oberflächlich ist. Obwohl Kaiserschnitt-Babys der mühevolle Weg nach draußen erspart geblieben ist, haben sie überraschenderweise doch häufiger als vaginal entbundene Kinder niedrige Apgarwerte.

Der Apgartest besteht aus mehreren Parametern wie Hautfarbe, Herzfrequenz, Muskeltonus und gibt somit ein Gesamtbild über den Zustand des Neugeborenen direkt nach der Geburt. Trotz dieser Tatsachen ist eine Schnittentbindung für das Baby eine recht sichere Angelegenheit. Es ist viel seltener in Gefahr unter Sauer-stoffmangel zu leiden, was einen irre-parablen Gehirnschaden nach sich ziehen kann, oder eine schwer wiegende Geburtsverletzung wie zum Beispiel einen Schlüsselbeinbruch davonzutragen.

Gefahr für die Mutter

Für die Mutter sieht die Sache ganz anders aus. Hier stellt der Kaiserschnitt, medizinische Indikationen ausgenommen, die deutlich gefährlichere Entbindungsform dar. Obwohl die ausgereifte Operationstechnik und neue Formen der Narkose dem Kaiserschnitt einen Großteil seines Schreckens genommen haben, bestehen wie bei jeder großen Bauchoperation noch Risiken. Eine Gefahr stellen starke Blutungen dar. Wird bei der Öffnung des Bauchraumes ein großes Gefäß zerschnitten oder zerrissen, kann das zu einem beträchtlichen Blutverlust führen.
Außerdem können andere Organe wie Darm oder Blase bei dem Eingriff verletzt werden, was aber sehr selten vorkommt. Durch die moderne Anästhesie treten Narkosezwischenfälle zwar kaum mehr auf, tagelange starke Kopfschmerzen nach einer Epiduralanästhesie sind jedoch keine Seltenheit.

Allerdings kann diese ein erfahrener Anästhesist durch Verschließen des durch die Spritze entstandenen Loches sofort in den Griff bekommen. In Internet-Foren zum Thema Kaiserschnitt klagen außerdem viele Frauen über Harnverhaltung und Atembeschwerden einige Zeit nach dem Eingriff. Manche Frauen, die per Sectio entbunden haben, bekommen in den Tagen danach Fieber, was meist auf Infektionen zurückzuführen ist und mit Antibiotika behandelt werden muss.

Bei weiteren Schwangerschaften haben schnittentbundene Frauen ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft und es besteht die Gefahr, dass die Gebärmutternaht durch die starke Dehnung wieder aufgeht. Das ist zwar eine überaus seltene, doch sehr bedrohliche Komplikation. Außerdem ist die Rückbildung nach einer Sectio etwas verlangsamt, dass heißt frau muss ein bisschen länger auf ihren flachen Bikini-Bauch warten.







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