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Verkehrt herum

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Geplanter Kaiserschnitt

Operation auch für die Psyche

So gut die körperlichen Folgen eines Kaiserschnittes erforscht und dokumentiert sind, so wenig Information gibt es über die psychischen Faktoren. Helga Albrecht, Beraterin im Bund deutscher Hebammen, hat die Erfahrung gemacht, dass selbst Frauen, die sich bewusst für einen Kaiserschnitt entschieden haben, in Folge die Geburtserfahrung vermissen und diesen Verlust mühsam aufarbeiten müssen.
Einer Argumentation, der sich Univ. Prof. Dr. Deutinger nicht anschließen kann. Gerade Frauen, die sich bewusst und freiwillig eine Sectio gewünscht haben, kommen nachher auch sehr gut damit zurecht und brauchen das Geburtserlebnis nicht als persönliche Leistungsbestätigung.

Psychologisch interessant ist natürlich die Motivation, mit der sich Frauen für einen Kaiserschnitt entscheiden. Stehen wirklich organisatorische Gründe oder die Sorge um den Beckenboden im Vordergrund, oder handelt es dabei nicht vielmehr um eine maskierte Angst, wie Dr. Adam vermutet? Angst vor einer neuen, unberechenbaren Lebenssituation, Angst vor Kontrollverlust während der Geburt oder auch Angst für den Part-ner nicht mehr (sexuell) attraktiv genug zu sein.

Die Regel in der Ausnahme

Wo auch immer die Ursachen liegen, in manchen Ländern ist die Wunsch-Sectio bereits die Norm und nicht mehr die Ausnahme. In Brasilien zum Beispiel beträgt die Kaiserschnittrate in manchen Krankenhäusern unglaubliche 100 %. Landesweit liegt sie bei 50 %. In den USA ist es durch ein Regierungsprogramm gelungen, die Zahl der Schnittentbindungen von 25 % auf 22 % zu senken.
Das Ziel einer durchschnittlichen Kaiserschnittrate von 15 % bis zum Jahr 2000 haben sie damit freilich deutlich verfehlt. Eine Trendumkehr ist da-mit aber jedenfalls erreicht worden. Und das ist auch gut so. Schließlich bringt laut WHO eine Kaiserschnittrate über 10 % keinen Benefit mehr für die Frauen oder Babys. Zwischen sieben und zehn Babys von hundert kann durch eine Sectio geholfen werden, jede weitere ist sinnlos.

Es bleibt doch nichts erspart

In Österreich kann Univ. Prof. Dr. Deutinger jedenfalls noch kein Nachlassen des Trends feststellen. Eine Entwicklung, auf die kurz oder lang auch die Krankenkassen reagieren werden, denn schließlich ist eine Operation immer eine teure Angelegenheit. Vielleicht wird dann in Österreich auch ein Regierungsprogramm ins Leben gerufen. Bis dahin werden sich immer mehr Frauen den Bauch aufschneiden lassen um ihr Kind zu bekommen.
Dr. Adam findet grundsätzlich nichts dabei, so lange alle diese Frauen offen, ehrlich und vollständig informiert werden und sich die Gynäkologen auch ernsthaft mit ihren diesbezüglichen Ängsten auseinandersetzen. Spricht man allerdings mit Kaiserschnitt-Frauen, erfährt man eines: Es wird einem so oder so nichts erspart.

Entweder, man plagt sich durch die Wehen und ist dafür nachher relativ fit oder man schlägt sich nach einem Kaiserschnitt mit einer ziehenden Narbe, Wundschmerzen und eventuell sogar Kopfweh herum. Wie man es auch dreht und wendet: Kinder kriegen ist einfach kein Kinderspiel. Eh klar – sonst hätte es der liebe Gott auch nicht uns Frauen anvertraut.







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