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Verkehrt herum

Komplikationen in der 35. Woche

Bei Katharina Meisel und ihrem Mann Robert ist die Freude mehr als groß, als sich nach fünf Jahren Kinderwunsch endlich...

Die eigene Wohnung als Geburtshaus!

Claudia Ertl berichtet nicht von den Vorzügen eines Urlaubs in den eigenen vier Wänden, sondern von harter Arbeit – der Geburt ihrer zweiten Tochter. Kurz nachdem sie ihre erste Tochter im Geburtshaus Nussdorf zur Welt gebracht hatte, wurde dieses leider geschlossen. Eine Entbindung in einem herkömmlichen Krankenhaus kam für die studierte Publizistin niemals in Frage. Also rief sie – sobald sie von ihrer zweiten Schwangerschaft definitiv wusste – ihre bereits vertraute Hebamme an, um sie um eine Hausgeburt zu bitten. Zu ihrer Verwunderung war diese nicht gleich hellauf begeistert, sondern reagierte abwartend. Die Hebamme wollte zunächst ihre Aufzeichnungen über die Geburt von Claudias erstem Kind studieren und einiges überprüfen. „Grünes Licht“ für die Hausgeburt gab sie dann erst einige Tage später.

Warum Hausgeburt?

Claudia Ertl hat sich als Publizistin und als überzeugte Hausgeburtsbefürworterin eine interessante Aufgabe gestellt. In einer Studie befragte sie 450 Frauen über ihre Geburtserlebnisse. 68 von ihnen brachten ihr Kind zu Hause zur Welt – ein hoher Prozentsatz, der nicht dem österreichischen Durchschnitt entspricht: Nur knapp ein Prozent der Schwangeren entscheidet sich hierzulande für eine Geburt in der eigenen Wohnung, in den Niederlanden hingegen sind es etwa 30 Prozent der Frauen. Jacorien, eine junge Niederländerin, erzählt von den Geburten ihrer beiden Töchter: Die Dichte an Krankenhäusern für eventuelle Notfälle und die große Hausgeburtserfahrung in ihrem Land haben ihr die Entscheidung für eine Geburt in den eigenen vier Wänden leicht gemacht. Positiv für eine Entscheidungsfindung ist in den Niederlanden auch die Tatsache, dass Hausgeburten staatlich gefördert werden. In Österreich sind die Kosten für die Hebamme (Richtpreis für die Gesamtbetreuung: EUR 1400,–) zunächst selbst zu entrichten, die gesetzlichen Krankenkassen erstatten dann etwas weniger als die Hälfte des Betrages (rund EUR 650,–) zurück.

Planung einer Hausgeburt

Nachdem Claudia Ertl mit ihrer Hebamme die Hausgeburt vereinbart hatte, erlebte sie eine normal verlaufende Schwangerschaft. Beinahe wurde ihr allerdings der Nestbautrieb der meisten werdenden Mütter zum Verhängnis: Die Wehen setzten nämlich bereits während der Arbeiten zur Renovierung des Kinderzimmers ein. Die engagierte werdende Mama wischte noch rasch den Boden auf. Claudias Mann organisierte die Betreuung der älteren Tochter, die von der Oma abgeholt wurde. Manche Frauen lassen die älteren Geschwister den Geburtsvorgang aktiv miterleben, Claudia Ertl hatte den Wunsch für ihre kleine Familie nicht. Sie wollte sich ganz auf ihr neu ankommendes Kind konzentrieren. Und diese Entscheidung sollte sich als richtig herausstellen. „Nachdem alles bilderbuchmäßig abgelaufen war, verkrampfte ich mich plötzlich, da die Hebamme eine Dammmassage machte, die mir unangenehm war. Leider getraute ich mich nicht, dies zu sagen. Plötzlich ging nichts mehr weiter. Doch die Worte der Hebamme – ‚Wenn die Wehen nicht bald wieder kommen, dann müssen wir ins Krankenhaus‘ – brachten meine Lebensgeister wieder in Gang. Ich habe einen starken Willen und den braucht man bei einer Hausgeburt auf jeden Fall! Ich betrachtete meine schönen orangefarbenen Vorhänge, die ich mir extra für die Hausgeburt gekauft hatte, und genoss das flackernde Kerzenlicht meiner Duftlämpchen. Zunächst wollte ich meine Tochter in der Badewanne auf die Welt bringen, die war der Hebamme aber dann zu schmal, um im Notfall hilfreich eingreifen zu können. So gebar ich mein Baby schließlich hockend auf einem Leintuch auf unserem Schlafzimmerboden.“
Die Stunden danach

Frauen, die zuvor bereits Kinder im Krankenhaus zur Welt gebracht haben, berichten meist von den angenehmen Stunden nach der Geburt zu Hause. Kein herumlaufendes Pflegepersonal in weißen Kitteln, kein schaler Kaffee aus Spitalstassen, keine altbackenen Semmeln zum Frühstück, und vor allem keine Visite mit Oberarzt, einer Horde von Turnusärzten und anderen Praktikanten. Nachdem ihre Tochter am frühen Morgen des Ostermontags zur Welt gekommen war, erlebte Claudia Ertl anschließend ruhige Stunden im Tiefschlaf. Alles schlief … Papa und Mama mit dem in warme Handtücher gewickelten Baby im Arm in ihrem Doppelbett. Und natürlich auch die erschöpfte Hebamme auf einem rasch im Wohnzimmer bereiteten Lager. Idylle pur nach einer Hausgeburt? Ja und nein! Frau Ertls Mann erzählt noch heute, dass er in diesen Tagen „wirklich viel gearbeitet” hat. Und das war bestimmt so. Auch werdende Väter müssen also für eine Hausgeburt geeignet sein. Ansonsten sollte die Großmutter oder eine gute Freundin der Gebärenden einspringen: Denn zu Hause gibt es kein Pflegepersonal, das aufwischt, wegräumt, alle versorgt. Und auch einmal tröstet, wenn hormonell bedingt die Tränen fließen. Allerdings treten nachgeburtliche Depressionen bei Frauen, die zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung geboren haben, seltener auf.





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