Schnell wieder schlank
Wenn es schnell gehen soll
Irgendwie hat man aber gerade jetzt, in der warmen Jahrezeit, die selektive Wahrnehmung: Die Augen bleiben ganz automatisch an vielversprechenden Anzeigen wie “Minus 12 kg in nur drei Wochen!” oder “Schlank in Rekordzeit mit unserem Algenpräparat” hängen. Das wär’ doch was...ein paar Wochen Wunderkur, und wir sind wieder knusprig wie früher. Die “magische Kohlsuppe” fällt allerdings flach, weil die blähenden Sachen ja vom Speiseplan gestrichen sind.
Schau nach beim Spezialisten. “Dem Diätwahn Paroli bieten”, lautet der vielversprechende Titel einer Veranstaltung des “Verbandes der Ernährungswissenschafter Österreichs”. Und dort werden der planenden, werdenden oder bereits seienden Mutter endgültig die Augen geöffnet: Es gibt zwar so viel zum Thema Abnehmen am Markt wie überhaupt noch nie, aber leider auch genauso viel Unsinn!
Frau Mag. Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation in Wien bestätigt: “Die Buchhandlungen sind voll von Büchern mit ‚Turbodiäten’, magischen ‚Kohlsuppe-Rezepten’ oder Publikationen von Medizinern, die ‚forever young’ bleiben wollen (wollen wir das denn auch wirklich?!). Fatburner machen das Rennen, zumindest in der Publikumsgunst. Wozu auch auf die Ess-Bremse steigen, wenn angeblich Vitamin C, L-Carnithin, Cholin, Chrom oder Magnesium die Speckpölsterchen wundertätig auflösen? Fest steht in Wahrheit: Der wirksamste Fettverbrenner ist immer noch die Muskulatur!” Der letzte Schrei ist übrigens das Essen im Sinne der persönlichen Blutgruppe, leider der größte Schwachsinn überhaupt.
Hände weg von "Wundermitteln"
Wer also spätestens nach der Still-Zeit seinen Kilos rasch an die Schwarte rücken will, sei vor all diesen Superkuren gewarnt. Die meisten der Diäten halten nicht, was sie versprechen; in vielen Fällen sind sie sogar kontraproduktiv, weil das Übergewicht nach einer Crash.-Diät aufgrund des nachweislichen Jo-Jo-Effektes wie ein Bumerang wieder zurückkehrt.
Besonders schlimm sind Versprechungen betreffend spezieller Kapseln, die “Fettzellen auflösen”. Vorher-nachher-Fotos (am PC schlicht und ergreifend perfekt retuschiert), sollen letzte Zweifel schwinden lassen. Vergessen Sie’s! Schlank-Kapseln machen nur die Geldbörse schlank, aber nie die Betroffenen selbst.
Wir befragen Herrn Mag. Dr. Hannes Pratscher (vom Institut pratscher. bewegen&leben aus Hernstein) zur natürlichsten Methode der Gewichtsreduktion, der Bewegung. Dr. Pratscher bringt ein Beispiel aus der Tierwelt, das sofort zeigt, worum es geht: Affen (die ja genetisch eine starke Nähe zum Menschen haben) nehmen sofort an Gewicht zu, wenn sie sich für die Nahrungsbeschaffung nicht mehr bewegen müssen!
Dr. Pratscher bestätigt, was wir alle ohnedies längst wissen, aber viel zu wenig beachten: “Körperliche Betätigung und (moderate) sportliche Aktivität regen den gesamten Stoffwechsel an und führen zu erhöhtem Kalorienverbrauch. Neben der Intensitätsgestaltung durch die Atmung (Langsam laufen oder schnell gehen ohne Schnaufen) bietet sich die Herzfrequenz (Pulsmessung) als steuernder Faktor an: 110 bis 120 Schläge pro Minute sind für den Großteil der Bevölkerung mit dem Ziel ‚fatburning’, also Fettverbrennung, geeignet.
Der Menüplan der Fachfrau
Frau Dipl. oec. Troph. Britta Macho ist freiberufliche Ernährungswissenschafterin mit eigener Praxis in Wien. Sie empfiehlt uns Müttern ein moderates, gesundes Programm, wobei eine Gewichtsreduktion von maximal 1 kg pro Woche angestrebt wird. Nach 5-7 kg gilt: über 6 Monate Gewicht halten. Dann erst weiter abnehmen. Somit erstreckt sich erfolgreiches Gewichtsmanagement, wenn es dauerhaft und sinnvoll sein soll, über mindestens ein Jahr!
Ihre Ernährungsempfehlung für jeden Tag:
Mindestens 2 Liter kalorienarm trinken, 4-6 Scheiben Brot (merke: Brot macht satt!), 1 Portion Nudeln, Kartoffeln oder Reis; je 1 Portion Gemüse, Rohkost und Salat; außerdem 2x mindestens Obst - am besten aber 5x täglich (“five a day”). Außerdem entweder 1/2 Liter fettarme Milch oder Sauermilch, Buttermilch oder Joghurt, sowie 3 Scheiben fettarmer Käse.
Fisch, Fleisch, Eier: Höchstens 2-3x pro Woche 1 Portion mageres Fleisch, (nicht vom Schwein!); maximal 2-3mal pro Woche magere Wurst (wenn man darauf nicht verzichten kann). 1-2x wöchentlich Fisch, Eier nur wenig bis gar nicht maximal 2-3 pro Woche, inklusive der “versteckten Eier” beim Kochen und Backen!
Fette und Öle: Meiden, wo es geht! 1 EL Butter oder Margarine sowie 1 EL Pflanzenöl (für Salat oder Kochen) ist erlaubt – besser aber darauf ganz verzichten. Wer etwas braucht am Brot: Halbfettmargarine verwenden! (z.B. Lätta oder Minarine - Besteht zur Hälfte aus Gelatine und hat daher auch nur 50% Kalorien!)
Süßes: Nicht mehr als 10% der täglichen Energie – also max. 4-6 El Zucker oder 1 Rippe Schokolade, oder 2-3 Kekse. Je weniger davon, desto besser. Leichte Alternative für Naschkatzen: Gummibärli (nur 10 kcal pro Stück) oder “Rispinos” (kleine Reiskekse, nur 7 kcal pro Stück.)
Tipps und Tricks
Ein heißer Tipp ist auch das Ernährungsprotokoll: In einem Heft genau mitschreiben, was und wie viel man isst. Erstaunlich, was da alles zusammen kommt! Wenn man weiß, dass man’s einschreiben muss, überlegt man sich doch sehr genau, ob das Stück Torte, die Packung Kekse oder die Mayonnaise-Semmel wirklich sein muss...
Zum Schluss noch ein Rat aus eigener Erfahrung: Geduld mit sich haben! Von 100 auf Null in 3 Sekunden, das ist einfach nicht drin. Wenn man aber merkt, dass die gesunde, maßvolle Ernährung “greift” und die Jean von früher wieder passt, ist die Freude groß.
Mitreden:
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