Kindersitze wachsen nicht
Kontinuität kann die verschiedensten Ursachen, ja sogar Vorteile haben, ist aber manchmal auch gefährlich. Wenn sich ein Erwachsener noch als Papa oder Mama nicht vom ersten Stofftier trennen kann, ist das höchstens ein tiefenpsychologisches Problem. Ganz sicher hingegen gefährlicher Leichtsinn: wenn wir glauben, die Einmal-Investition in einen Kindersitz würde genügen.
Nur die wenigsten Eltern wechseln zeitgerecht die Sicherheitseinrichtungen für die Kleinsten in unseren Autos aus. fratz&co hat Experten gefragt, welche Sitze für welche Altersgruppen taugen, wann man spätestens wechseln muss und ob sich gebrauchte Kindersitze wirklich auszahlen.
Nur bei der dritten Frage gibt’s eigentlich Einstimmigkeit
Schauen wir uns einmal die Einteilung der Kindersitze nach Altersgruppen und Größe an. Wir können einerseits Experten aus der Industrie glauben, die mittels Crash-Tests fast täglich die Probe aufs Exempel machen. Oder wir beugen uns dem Gesetzgeber, der aus gutem Grund und mit bester Absicht Normen aufstellt. Zum Glück weichen deren Aussagen nur in Detailfragen voneinander ab. Erstaunlicherweise sind aber manche Tatsachen und Vorsichtsmaßnahmen den Gesetzeshütern nach wie vor eher egal. So haben die schwedischen Sicherheits- Fanatiker und -Traditionalisten bei Volvo ganz klare Richtlinien herausgegeben, an denen sich Eltern und andere Fahrzeuglenker orientieren sollten, wenn Kinder mit an Bord sind. Aber diese Regeln sind nicht unbedingt nach sturen Altersgrenzen aufgestellt.
Ein Neugeborenes sollte unbedingt in einem maßgerechten Sitz untergebracht sein. Wichtig ist allerdings auch, dass man das Kleinstkind nicht zu lange aufrecht sitzen lässt. Das bedingt Fahrpausen, in denen es sich flach liegend von den – auch für das Baby erlebbaren – Strapazen der Reise erholen kann. Klingt logisch; und dennoch gibt’s dafür weder Vorschriften des Gesetzgebers noch Vorschläge von Organisationen wie dem Kuratorium für Verkehrssicherheit.
Auch was das zweite Kindersitzgebot von Volvo betrifft, herrscht auf diesen beiden Seiten eher Stillschweigen: Ein Kleinkind bis zum Alter von drei oder vier Jahren ist am besten in einem gegen die Fahrtrichtung befestigten Kindersitz gesichert; gegen die Fahrtrichtung deswegen, weil der Nacken in diesem Alter noch nicht so stabil ausgebildet ist, das vergleichsweise große Gewicht des Kopfes bei einer plötzlichen Beschleunigung (Aufprall) zu halten. Dagegen ist es laut Volvo-Experten relativ egal, ob die Beine des Kleinen vor der Sitzlehne genügend Platz haben; auch ein Abbiegen der Knie ist erlaubt. Nur: Um aus dem Kleinen keinen zukünftigen Schlangenmenschen zu machen, sollte man halt auch in diesem Fall auf jeder Reise längere Pausen zur Regeneration der Gliedmaßen einplanen.
Älteren Kindern, welche nicht mehr in Sitze passen, die sich gegen die Fahrtrichtung montieren lassen, die aber noch kleiner als 140 Zentimeter und jünger als zehn Jahre sind, empfehlen die Experten und Forscher keine Sitze mehr, sondern passende Sitzpolster. Selbstverständlich nicht jene von der heimischen Couch, sondern im Fachhandel erhältliche. Mit Hilfe eines solchen Polsters passt dann meist der normale Erwachsenen-Gurt. Aber Vorsicht: Der Kinderbauch ist in diesem Alter noch immer ein bisschen anders gebaut als jener von Erwachsenen. Deswegen sollte der untere Gurt so tief wie nur möglich geführt werden, auf alle Fälle nicht über dem Bauch. Der obere Gurt gehört selbstverständlich fest angezogen. Und in Crash- Versuchen hat sich herausgestellt, dass das oft gefürchtete Führen des Gurtbandes über dem Hals keine negativen Auswirkungen auf die Kindersicherheit mit sich bringt. Dagegen unbedingt zu vermeiden: dass der obere Gurt unter dem Arm oder hinter dem Rücken geführt wird.
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