Kleinbusse - Passen (meistens) bestens
Paarlauf bei den Riesen: VW Crafter – oder Mercedes Sprinter
Als Nachfolger des Kleinbus- und Kleintransporters LT führt beispielsweise der Crafter die lange VW-Tradition in dieser Klasse weiter: Aber auch er hat einen Zwilling, der bei der Konkurrenz von Mercedes nicht nur gebaut, sondern auch verkauft wird und dort Sprinter heißt. Die Technik der beiden ist praktisch ident, sie rollen in drei Radständen, vier Laderaumlängen und drei Dachhöhen von den Fließbändern. Als Motorisierung gibt es in erster Linie einen Diesel, der in vier verschiedenen Leistungsversionen zwischen 88 und 163 PS angeboten wird. Abgesehen vom VWMarkenzeichen fällt der Crafter hauptsächlich durch die doch ein wenig eigenwillig gestaltete Front auf. Da haben die Wolfsburger Designer Anleihen bei einem eigenen Vehikel genommen, dem vorwiegend für den brasilianischen Markt konzipierten Klein-LKW Constellation.
Genauso exotisch wie diese Herkunft und Vielfalt erscheint dem gelernten PKW-Fahrer der Umstieg auf einen Kleinbus dieses Kalibers – auch wenn der Crafter/Sprinter als Neunsitzer nur ganz schlicht die Bezeichnung Kombi trägt. Was bei einer Länge von knappen sechs Metern (und das nur in der mittleren Radstand-Version!) schlicht als leichte Untertreibung gelten darf. Dazu kommen eine Breite von knapp zwei und eine Höhe von zweieinhalb Metern. All das schafft Respekt, umrundet man den Wagen das erste Mal, klettert auf den Fahrersitz hoch. Bei den Armaturen erwartet einen VW-Fan dann die zweite Überraschung: Alle Hebel und Zeiger stammen eindeutig aus der Mercedes- Welt. Und das Raumgefühl kennt man ansonsten nur aus Reisebussen – vier Sitzreihen, überall Platz für die Beine. Mitfahrer bis 1,75 Meter könnten sogar stehen, hätte der VW-Mercedes- Zwitter Handschlaufen wie im Linienverkehr. Dazu gibt’s seitlich eine Riesenschiebe-, hinten eine monströse Doppeltür. Um die Dimensionen ins rechte Licht zu rücken: Auch mit neun Passagieren besetzt, kann man im Kofferraum noch zwei Fahrräder mitnehmen.
Solch ein Riese macht sich natürlich auf der Fahrbahn breit, fordert Tribut beim Gasgeben. In der Version mit 136 PS rollt man locker mit jedem Verkehr mit, überholt allerdings nur eher widerwillig. Eine so genannte Shiftmatic (Halbautomatik) sorgt zwar für Bequemlichkeit, verleitet die Karosse aber beim Gangwechsel und bei forschem Tritt aufs Gaspedal zu eigenwilligen Bewegungen. Erstaunlich gering der Durst des Riesen: Mit durchschnittlich zehn Litern auf 100 Kilometer kommt man bei vernünftiger Fahrweise aus. Mehr will man aber sowieso nicht. Denn Busse dieser Dimension und Slalomparcours vertragen sich sowieso nicht optimal.
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