Off-Road
Geländegängig sind sie alle vier –
unsere drei motorisierten Testkandidaten und der quasi handbetriebene Kinder-Buggy. Dennoch: Genau hier liegt auch der größte Unterschied zwischen den Mobilitätswelten … Den Stokke Xplory Buggy konnten Tatjana und Michael, die Eltern der zweieinhalbjährigen Anais, problemlos in unserem Testgelände schieben. Zugegeben – bergauf ging’s ein bisserl schwerer als bergab. Aber kniehohe Grasbüschel und knöchelhohe Steine stellten eigentlich kein unüberwindbares Hindernis dar. Im Gegensatz dazu: Weder Ford Kuga noch Mitsubishi Outlander oder Chevrolet Captiva ließen sich so leicht anschieben. Beim Bergabrollen genügte dem blechernen Trio dafür ein sanfter Druck aufs Bremspedal, um das Tempo bravourös zu drosseln. Anais hätte die im Stokke Buggy erzielte Geschwindigkeit durchaus gereicht – sie war hellauf begeistert. Was sie nicht wissen kann: Mit zunehmendem Tempo werden die Hände ihrer Eltern schweißnass – ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenmoment! Also doch einmal ausprobieren, was die Motor-Kollegen so bieten!
Buggy: Sportliche Note für Spaziergang
Bleiben wir auf dem Boden der ernsten Test-Realität. Was hat so ein Stokke Xplory Buggy wirklich für die Ausfahrt in einen holprigen Herbst zu bieten? Das Augenscheinlichste: Die Sitzhöhe des Kindes lässt sich stufenlos verstellen; je höher, desto mehr Ausblick genießt der Fratz. Dass man auch noch den Sitz um 180 Grad drehen kann, schafft Blickkontakt in brenzligen Situationen. Dazu haben die Techniker zwei rotierende Vorderräder fürs leichtere Navigieren auf städtischen Märkten konstruiert, das Gewicht extrem niedrig gehalten und mit einer einzigartigen Zwei-Rad-Funktionalität das Treppensteigen oder In-die- Straßenbahn-Kommen leichter gemacht. Zwecks Sicherheit gibt’s ein Fünf-Gurte- Geschirr und eine Fußstütze, beides verstellbar. Auf den sonst üblichen Bremsbalken zwischen den Hinterrädern hat man beim Stokke Xplory hingegen verzichtet – was bedeutet, dass man dort entweder eine Tasche hinhängen oder freier ausschreiten kann, ohne sich die Zehen zu verletzen. Dieser Extrawunsch der Designer macht das Gefährt zweifellos „schöner“, zaubert eine sportliche Note in den Nachmittagsspaziergang zum Spielplatz.
Kuga: Zu schick, um nur zu arbeiten
Mit schönen Formen kann auch der Neueste in der Geländewagen-Riege aufwarten. Für ein echtes Arbeitstier ist der Ford Kuga eindeutig zu schick. Zur Erklärung für Autofreaks in der Elternschaft: Er hat seine stilistischen Ursprünge in der Studie „iosis x“, die auf dem Pariser Autosalon 2006 ihre Premiere feierte und seitdem von Ford für jeden Neuanfang zitiert wird. Zu den Facts: Der Kuga ist fast viereinhalb Meter lang, wirkt daher zwar robust, aber nie wuchtig. Drinnen gibt’s bequem Platz für fünf Personen. Auch die Hinterbänkler können sich über ausreichend Luft freuen, meinte beispielsweise Anais, als sie es sich im problemlos montierten Kindersitz gemütlich gemacht hatte. Das Interieur hält, was die Karosserie verspricht – also übersichtlich angeordnete Instrumente für den Fahrer, aber auch auffällige Farbakzente für die Passagiere. Erfreulich, wenn man – wie unsereiner – nicht im Kindersitz festgegurtet ist: Die Sitze bieten auch bei schnelleren Kurvenfahrten Seitenhalt und ermöglichen dank erhöhter Sitzposition eine gute Rundumsicht. Was Tatjana und Michael nach dem Umstieg vom Stokke Buggy auf den Ford Kuga neidlos anerkennen mussten: Die Kraft seines Turbodiesels setzt der Kuga 4WD über ein so genanntes intelligentes Allradsystem mit Haldex-Kupplung um. Die automatische Umschaltung von 90:10-Kraftverteilung (Front/Heck) auf 50:50 passiert unmerklich und komfortabel. Damit schafft er auch schlechte Fahrbahnverhältnisse bravourös. Allerdings muss man mit Kind und Kegel ja nicht unbedingt die extremsten Strecken befahren, wie die Mannschaft am Ende unseres Testausfluges ein bisserl blass festgestellt hat.
Outlander: Zuschaltbarer 4x4 als Atout
Beim Einstieg in den nächsten Testkandidaten, den Mitsubishi Outlander, stellte das Test-Team dann erstaunt fest, dass ja auch sieben Personen ein Offroad-Erlebnis genießen könnten: So viele Sitzmöglichkeiten bietet dieses Vehikel nämlich,das es mit praktisch identer Technik auch von Citroën unter dem Namen CCrosser und von Peugeot als 4007 gibt. Außerdem überzeugt der Outlander mit einer tollen Ausstattung – zum Beispiel mit Audiosystem, Parksensor, Keyless- Schlüsselsystem oder Navi inklusive Rückfahrkamera. Ein Plus für Anais und Eltern: Klappt man die letzte Reihe weg, so wächst das Kofferraumvolumen auf bis zu 1691 Liter. Viel Platz für Kinderwagen, Roller, Inlineskates & Co! „Ja aber das ist noch nicht alles“, klärte Michael seine Tochter auf: „Ich freu mich ganz einfach über die respektable Geländegängigkeit dank zuschaltbarem Allrad mit zusätzlicher Differenzialsperre.“ Sprach’s, und ließ die 156 Pferde des Outlander den nächsten Hügel erklimmen, ohne den verdrehten Augen der ihm Anbefohlenen allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Captiva: Viel Platz um wenig Geld
Auch Chevrolet bietet mit dem Captiva die Möglichkeit, sieben Familienmitglieder zu fast jedem Aussichtspunkt zu transportieren. Ein problemloses Fahrwerk erfüllt die meisten Anforderungen, der Allrad kämpft sich wacker über Stock und Stein. Vielleicht sollte man den Captiva nicht unbedingt mit allzu sportlicher Fahrweise überfordern – aber waghalsige Kurven will sowieso keiner dieser motorisierten Geländewagen. Der relativ hohe Aufbau sorgt für gestiegene Fliehkräfte … was aber schließlich auch für den handbetriebenen Stokke Buggy zutrifft! Trotz dieser artgebundenen Eigenheit bietet der Chevrolet-Kraxler drinnen natürlich familienfreundlich viel Platz; und unter dem Ladeboden entdeckt man irgendwann ziemlich viele und ziemlich versteckte, aber dafür großeZusatzfächer. Im Passagierabteil bietet der US-Koreaner (ehemals Daewoo, wird er nun von der GM-Division Chevrolet gebaut; die hat die koreanische Marke gekauft) schnörkellose Kost. Ja, er ist sogar relativ übersichtlich, auf alle Fälle gut verarbeitet. Die Übersichtlichkeit endet allerdings bei einem Blick schräg nach hinten – die dicke, geschwungene C-Säule macht Einparken zum Glücksspiel. Fazit: echte Familienkutschen, die auch dem Faulsten einen Platz in der Almhütte garantieren. Okay, es gibt Vehikel, die weniger verbrauchen und unsere Umwelt nicht so stark belasten. Aber für Familien mit Kinderwagen und Reisebett stellen Geländewagen nach wie vor eine tolle Alternative dar. Zum Preis eines (gehobenen) Mittelklassewagens gibt’s einen Alleskönner, mit dem man dank Allrad auch schlechte Straßen und gefährliche Situationen relativ sicher bewältigt. Anais machte der Vergleich jedenfalls sicher: Sie bleibt bei ihrem Stokke Xplory – mögen sich ihre beiden Elternstärken doch für einen motorisierten Kollegen aus der Offroad-Abteilung entscheiden!
Mitreden:
| Kommentar schreiben: | Artikel empfehlen: |

