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Luft Spiel

Luft Spiel

Gerade für Kinder ist gute Luft das Um und Auf. Dennoch kommt sie in geschlossenen Räumen, sei es zu Hause oder in Kindergarten und Schule, oft zu kurz. fratz&co hat die besten Tipps für richtiges Lüften und die Verbesserung des Raumklimas.
Holen Sie tief Luft. Und? Wie fühlen Sie sich? Wir hoffen, deutlich belebt – und stellen gleichnoch eine Frage: Wo sind Sie? Wir vermuten, in einem Innenraum. Denn wir Einwohner der Industrienationen verbringen 90 Prozent unserer Lebenszeit in geschlossenen Räumen. Womit die Energie, die Sie aus dem tiefen Durchatmen gewonnen haben, gleich weniger beträchtlich ist, als wenn Sie nun geantwortet hätten: „Ich war im Wald“ oder „Ich war an einem Fluss spazieren“.

Entscheidend dafür, wie sich die uns umgebende Luft auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit auswirkt, ist unter anderem der Luftionen-Gehalt, haben die österreichischen Umweltmediziner DI Dr. Hans-Peter Hutter, Dr. Michael Kundi und Dr. Peter Wallner festgestellt. Was der Laie einfach mit „frischer Luft“ umschreibt, erklärt die Wissenschaft mit dem Ionen-Anteil. Die elektrisch geladenen Teilchen sind es, die uns Luft mehr oder weniger „frisch“ erleben lassen. Besonders hoch ist der Anteil der Luftionen mit bis zu 70.000 Ionen pro Kubikzentimeter in Waldgebieten, im Gebirge. In geschlossenen Räumen konnten die Wissenschaftler nur 0 bis 500 Ionen pro Kubikzentimeter messen.

Welche Auswirkungen eine niedrige Luftionen-Konzentration hat, untersuchten die Experten in ihrer Studie: zwei gleiche, gemütlich eingerichtete Räume unterschieden sich nur durch den Anteil der elektrischen Teilchen in der Luft. Das Resultat der Untersuchungen bringt Umweltmediziner Hutter auf den Punkt: „In unserem Experiment konnten wir zeigen, dass Leistungsfähigkeit und Konzentrationsvermögen unserer Probanden bei höherer Luftionen-Konzentration deutlich besser waren. Ein klares Signal also, dass fundierte Aufklärungsarbeit zum Stellenwert guter Raumluft höchst an der Zeit ist.“

Grund genug für eine Gruppe von Experten, Wissenschaftlern und Unternehmen, die Plattform MeineRaumluft.at ins Leben zu rufen. Denn, so der Plattform-Sprecher Mag. Thomas Schlatte: „Gerade in einem Land wie Österreich, mit prinzipiell sehr hoher Luftqualität, sollte gute Luft nicht nur in der freien Natur, sondern auch in den eigenen vier Wänden eine Selbstverständlichkeit darstellen.“ Darüber hinaus will die Plattform aber auch Partner bei der Einrichtung von Büros, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und Ähnlichem sein.

Insbesondere für Kinder ist gute Raumluft ein Muss. Kinder verbringen während ihrer Kindergarten- und Schulzeit immerhin 30 bis 50 Prozent ihrer Tageszeit in Innenräumen, in denen sich nicht nur viele Menschen befinden, sondern in denen auch viel Bewegung stattfindet, was dazu führt, dass der Kohlendioxidanteil rasch steigt. Die Folge: Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.

Die Maßnahmen, um die Raumluft zu verbessern, sind relativ einfach. „Beim Bauen und Sanieren ebenso wie beim richtigen Verhalten in geschlossenen Räumen – vom Lüften über die Reinigung bis zu den richtigen Pflanzen im Raum: Schon mit geringen Mitteln können vielfältige Maßnahmen gesetzt werden, um die Raumluft zu verbessern“, betont Schlatte (siehe Interview unten).

Neu am Markt ist übrigens eine Wandcreme, mit der sich ein Ansteigen der Luftionen erzielen lässt. Zu haben in verschiedenen Farbtönen, wird sie ganz unkompliziert mittels Spezial-Handschuhs aufgetragen. Weitere Faktoren, die für die Luftqualität ausschlaggebend sind: Gute Raumluft sollte möglichst frei von Schadstoffen und Allergenen sein, im richtigen Temperaturbereich liegen und eine ideale Luftfeuchtigkeit haben. Auch Gerüche, Einrichtungsgegenstände, Baustoffe, etc. spielen eine Rolle. Tragen wir also unseren Teil dazu bei, dass wir in unseren vier Wänden wieder so richtig durchatmen können …

Text: Marion Breiter-O'Donovan
Foto: AVAVA - shutterstock.com


fratz&co: Wie kann der Laie feststellen, ob die Raumluft in seiner Wohnung/an seinem Arbeitsplatz gut ist?
Thomas Schlatte: Man fühlt sich zu Hause oder im Büro unwohl („Sick-Building-Syndrom“). Häufig sind es sehr unspezifische Störungen wie Kopfschmerzen, Augenreizungen, trockener Hals, Appetitlosigkeit. Das Erkennen der Auslöser für diese Beschwerden ist oft schwer möglich und jeder Mensch reagiert individuell auf mögliche Belastungen in der Raumluft. Auch „Gerüche“ können auf Probleme in der Raumluft hinweisen (z. B. giftige Ausdampfungen aus Lacken oder dgl.) – die Nase ist somit ein wichtiges Testinstrument. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann eine Innenraumluftmessung durchführen lassen. Die Auswertung sollte in einem anerkannten Institut (IBO, Umweltbundesamt od. dgl.) erfolgen. Wichtige Parameter kann man selbst leicht überprüfen: Temperatur mit dem Thermometer, Luftfeuchtigkeit mit dem Hygrometer oder CO2 mit bereits günstigen Messgeräten für den Haushalt.

fratz&co: Wie kann man bei einem Haus-/Wohnungskauf bzw. der Übernahme des Mietobjekts feststellen, wie es um die baulichen Voraussetzungen hinsichtlich guter Raumluft bestellt ist?
Thomas Schlatte: Achten Sie auf die Bauweise des Hauses/der Wohnung. Die massive Bauweise weist eine bessere Wärmespeicherfähigkeit als Gebäude in Leichtbauweise auf. Beim Massivhaus geben die massiven Wände Wärme in Form einer angenehmen Strahlungswärme ab – das erhöht die thermische Behaglichkeit in einem Raum. Einerseits werden die Gebäude dichter. Das hat den Vorteil, dass durch Wärmedämmverbundsysteme und dicht schließende Fenster massiv Heizkosten eingespart werden können. Andererseits wird die Raumluftqualität in dichteren Gebäuden schlechter, weil der Luftaustausch durch Zugluft fehlt. Dichtere Gebäude müssen viel aktiver gelüftet werden als undichte Gebäude. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich das Lüftungsverhalten der Bewohner noch nicht angepasst hat. Gerade in sanierten – und dadurch dichteren – Gebäuden wird von den Bewohnern eher zu wenig gelüftet. In Neubauten wird oft eine kontrollierte Wohnraumbelüftung für eine ausreichende Versorgung mit Frischluft eingebaut. Achten Sie auf die fachgerechte Planung, Errichtung und besonders auf die Wartung der Lüftungsanlage. Positiv auf die Raumluft wirkt sich die Entwicklung bei den Baustoffen aus. Hier sind die am Markt befindlichen Produkte tendenziell besser und hochwertiger als vor 10, 20 Jahren. Der 08/15-Wandverbau aus den 1990er Jahren hat mit Sicherheit mehr Lösemittel und Weichmacher enthalten als ein vergleichbarer Wandverbau heutzutage. Im Zweifelsfalle lassen Sie eine Raumluftmessung durchführen.

fratz&co: Gibt es in den verschiedenen Lebensaltern Unterschiede hinsichtlich der Wichtigkeit „gesunder Raumluft“?
Thomas Schlatte: Gesunde Innenraumluft hat einen massiven Einfluss auf unsere Gesundheit und unsere Leistungsfähigkeit. Negativen Auswirkungen kann man einerseits durch die bewusste Auswahl von emissionsarmen, lösemittelfreien Baustoffen und Produkten in Bau und Sanierung gegensteuern, andererseits durch ein aktives und bewusstes Benutzerverhalten – z. B. rauchfreies Wohnen oder regelmäßiges Stoßlüften. Die Reaktion auf Schadstoffe in der Raumluft ist individuell verschieden ausgeprägt. Manche Menschen zeigen bereits bei geringen Luftbelastungen Krankheitssymptome. Eine besondere Gefahr stellen Luftschadstoffe dar, wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind. Gute Raumluft ist vor allem für Kinder, ältere Personen oder Schwangere wichtig. Auch Menschen, die bereits an Atemwegsproblemen leiden, sollten auf eine gute Raumluft achten. Besonders der hohe CO2-Gehalt in den Klassenräumen reduziert z. B. die Aufnahmefähigkeit der Schulkinder enorm. So kann eine belastete Raumluft Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Konzentrationsstörungen sowie Müdigkeit und Schlafstörungen verursachen. Diese Symptome können Warnsignale für die Gefährdung der Gesundheit und Vorboten krankhafter Veränderung sein. Eine belastete Raumluft kann Auslöser von Allergien sein und das Nervensystem beeinträchtigen. Es gilt auch als gesichert, dass einige chemische Substanzen in der Raumluft Krebs verursachen können.

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