Feng Shui für Kinder
Mein Reich - auch wenn es klein ist
"Heute schreibe ich einen Artikel über Kinderzimmer”, erzähle ich meiner Tochter auf dem Weg in den Kindergarten. Sie soll schließlich wissen, was ich tue, während sie nicht zu Hause ist. “Wie stellst denn du dir ein tolles Kinderzimmer vor?” beziehe ich sie weiter in meine Arbeit ein. Und vielleicht hilft mir eine kindliche Antwort ja wirklich weiter. Juliette überlegt kurz. Dann: “Mit Ballerinas.” “Auf der Tapete meinst du?” “Ja.” Pause. “Oder Dinosauriern. Die habe ich mit Omi gesehen. In einem Katalog. Aber die sind dann für Aliosa.” Ah ja, ihr Freund liebt Dinosaurier. Also Ballerinas für Mädchen und Dinosaurier für Buben?
Großes Mitspracherecht für kleine Bewohner. In jedem Falle ist es wichtig, das Kind bei der Gestaltung seines Reichs mitreden zu lassen und über allgemeine Richtlinien und den elterlichen Geschmack hinaus das gelten zu lassen, was derjenige will, der in diesem Raum glücklich werden soll. “Ab dem Alter von zirka drei, vier Jahren beziehe ich die Kinder in meine Beratungen mit ein”, so Feng Shui-Beraterin Hannah Kovska. Sie läßt auch die kleinen Bewohner der von ihr unter dem Blickwinkel der fernöstlichen Lehre betrachteten Wohnungen zu Wort kommen. Wesentlicher Grundsatz des Feng Shui fürs Kinderzimmer: Die Wesenszüge des Kindes sollten ausgeglichen und Harmonie geschaffen werden - außen wie auch innen. Denn die Struktur der Umgebung spiegelt sich unweigerlich im Inneren der Bewohner wider. Und was gefällt, bringt positive Energie. “Viele Kinderzimmer sind toll gestylt,” so Kovska aus Erfahrung. “Aber viel wichtiger ist, dass das Kind etwas einbringen kann.”
Wesentlich für eine gute Entwicklung ist auch, dass das Kind ein möglichst großes, helles Zimmer bekommt, das sich in Ecken und Winkel für die verschiedenen Lebensbereiche gliedern lässt. Schließlich soll das Kinderzimmer den unterschiedlichsten Anforderungen, nämlich Schlafen, Spielen und Lernen, gerecht werden. Und was helfen der tollste Schreibtisch und die besten Vorsätze fleißig zu sein, wenn das Kind permanent durch den Blick auf die Spielsachen abgelenkt wird? Bei speziellen Problemen wie Lern- oder Schlafstörungen genügt es oft schon, die Möbel ein bisschen umzustellen, betont Kovska und stellt fest, dass sie gar nicht allzu drastisch in das Umfeld ihrer Klienten eingreifen möchte. Und vielfach wissen die Kinder selbst am besten, in welchem Teil des Raumes sie gerne schlafen oder lernen würden. Schließlich haben die Kinder noch einen Gutteil des natürlichen Umgangs mit den Dingen, den wir Erwachsenen schon verloren haben.
Platz machen für Neues
Platz machen für Neues
Wahrscheinlich reagieren die Kleinen gerade deshalb besonders stark auf Farben und Formen. “Jedes Ding ist Energie und kommuniziert,” betont Kovska den Einfluss, den Äußerliches auf uns hat. Ist “zu viel” da, gibt es zu viel Energie. Und das, was ordnungsliebende Mütter schon immer vermutet haben, wird durch Feng Shui bestätigt: Überfüllte, mit meist knallbuntem Spielzeug vollgeräumte, chaotische Kinderzimmer sind nicht nur Eltern ein Dorn im Auge, sondern auch für die Entwicklung der Kinder negativ.
Denn in einer überfrachteten Umgebung können (kleine) Menschen nicht abschalten, außerdem brauchen sie Platz für ihre Entwicklung. Altes, das zu früheren Lebensphasen gehört hat, sollte man vermeiden. So gehören die kindlichen Tapeten mit eingangs erwähnten Ballerinen oder Dinosauriern bei zunehmendem Alter des Kindes ersetzt oder übermalt und Spielsachen, mit denen das Kind schon längst nicht mehr spielt, entweder verstaut oder verschenkt.
“Das Kind braucht Platz für Neues, das im Lauf der Zeit dazukommt”, rät Kovska einkaufswütigen Eltern. Und: “Weniger ist mehr.” Sollte meine Schwiegermutter mit ihren klugen Sätzen wie “Ein Kind kann immer nur mit einem Spielzeug auf einmal spielen” gar nicht so unrecht gehabt haben?
Beruhigende Farben
Auch was die farbliche Gestaltung des Kinderzimmers betrifft, rät Kovska zur Zurückhaltung. Kinder werden zum Beispiel in der Schule sehr gefordert, da ist es wichtig, zuhause auszugleichen. Reinweiß ist grundsätzlich nicht empfehlenswert, da es eine zu aktive Farbe ist. (Nebenbei gesagt ist es laut Kovska auch für Erwachsene eher ungünstig.) Eine positive Wirkung aufs kindliche Gemüt haben hingegen ein helles Lindgrün, ein leichter Blauton oder ins Gelbliche gehende Nuancen. Nicht umsonst wird diesen Farben eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Haben Sie ein besonders aktives Kind, so ist das Ummalen der Wände vielleicht einen Versuch wert.
Spaß an Accessoires
Aber auch mit Accessoires lassen sich farbliche und unter Umständen auch Feng-Shui-gerechte Akzente setzen. Letztere müssen nicht immer die typischen Kristalle oder Zimmerbrunnen sein, ganz im Gegenteil meint Kovska, dass die “Hilfsmittel” des Feng Shui gar nicht auffallen sollten. So sind beispielsweise bunte Mobiles ein Instrument, mit dem man Aktivität in “tote Ecken” bringen kann - und zusätzlich ein Accessoire, das in Kinderzimmern ohnehin seinen Platz hat und Kindern in der Regel gefällt. Ansonsten gilt: Eher Ruhe, als zu viele Muster ins Zimmer der Kleinen hineinbringen.
Schön ist es, von Feng Shui einmal ganz abgesehen, ein Thema durchzuziehen. Wenn dann die Häschen auf der Tapete hüpfen und Hasenkinder auch im Vorhang oder Bettzeug vorkommen, muss man zwar besonders gut aufpassen, dass man es mit Mustern und Farben nicht übertreibt. Gelingt dies, so schafft man eine kindgerechte und freundliche Atmosphäre. Und Kinder lieben lustige Figuren allemal. Seien es nun Ballerinen oder Dinosaurier.
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