Aktuell
Stammzellen
Neue, spezialisierte Zellen
Parkinson, Lähmungen aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung, Sehbehinderung und Gehörverlust – das Problem bei all diesen Krankheitsbildern sind starke Schädigungen bestimmter Zelltypen: Was, wenn sich einfach neue, gesunde, spezialisierte Zellen nachzüchten ließen? Auch daran wird geforscht! „Schöne neue Welt“ … Wo viel Licht ist, da ist aber auch viel Schatten:
Stammzellentherapie und Krebs
Können Stammzellen Krebs verursachen? Diese Befürchtung besteht. Dabei gilt es zu prüfen, inwieweit ein mögliches erhöhtes Krebsrisiko auf das Konto der Stammzellen selbst oder nicht eher auf jenes der Immunsuppression zur Vermeidung der Abstoßung geht. Andererseits hat sich bereits gezeigt, dass Stamm- zu Krebszellen entarten können, im Labor und im Körper selbst. Diese neue Erkenntnis der Krebsforschung erklärt, warum es nach überstandener Krebserkrankung zu Rückfällen kommen kann: Einige zu Krebszellen mutierte Stammzellen haben überlebt. Die Körperpolizei hat sozusagen die Seiten gewechselt. Nun wird daran gearbeitet, solche Mechanismen zu unterbinden bzw. vor einer Stammzellentransplantation mögliche Übeltäter zu entfernen. Das kann dauern.
Die Fortschritte der „traditionellen“ Medizin
Vor diesem Hintergrund gilt es einen Blick auf die Fortschritte der „traditionellen” Medizin zu werfen: Univ. Prof. Dr. Christian Krenkel von der Salzburger Paracelsus Universität hat ein marktreifes Verfahren zur Neubildung von Kieferknochensubstanz vorgestellt, den „Krenkel-Endodistraktor“. (Ein Distraktor ist ein chirurgisches Instrument, das zur kontrollierten Spreizung von Knochen und zur erwünschten Knochenneubildung eingesetzt wird. Endo = griechisch für „innen“). Das Besondere am Krenkel-Endodistraktor, der wie eine Art Implantatschraube aussieht, ist die Präsizision der Knochenneubildung. Das Geheimnis: Die neu gebildeten Knochenzellen nutzen die örtlich vorhandene genetische Information.
Woher kommen die Embryonen?
Embryonale Stammzellen sind die brisanteste Ware auf dem Forschungsmarkt. Sie müssten nicht erst aufwändig vermehrt werden und seien besser für Forschungszwecke geeignet, heißt es. Ob das tatsächlich stimmt, ist noch nicht erwiesen. Und es gibt ein schwer wiegendes ethisches Problem: Die Stammzellenentnahme tötet den Embryo. Bis dato finden sich drei Quellen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen:
• Überzählige befruchtete Eizellen aus der In-vitro-Fertilisation: Zunächst werden mehrere Eizellen befruchtet, aber nicht alle in die Gebärmutter eingepflanzt.
• Abgetriebene oder abgegangene Föten
• Therapeutisches Klonen: Das therapeutische Klonen dient der Züchtung von Ersatzgewebe aus körpereigenem Material. Eine gespendete Eizelle wird entkernt, mit dem genetischen Material des Empfängers/ der Empfängerin gefüllt und sodann zur Weiterentwicklung stimuliert.
Die Kernfragen der Ethikdiskussion
Wann beginnt menschliches Leben: mit dem Zeitpunkt der Befruchtung oder erst wenn bestimmte Eigenschaften und Merkmale in der Embryonalentwicklung vorliegen? Welche Ziele verfolgen die beschriebenen Forschungen? Ehrenwerte Motive wie die Heilung schwerer, bisher unheilbarer Krankheiten? Gibt es Alternativen? Muss man befürchten, dass die Legalisierung der Klonung embryonaler Stammzellen zu medizinisch-therapeutischen Zwecken früher oder später das ethisch unzulässige Klonen von ganzen Menschen nach sich ziehen könnte? Mit diesen Fragen befasst sich die österreichische „Bioethikkommission“, die aus ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengesetzt ist.
Was ist in Österreich erlaubt und was nicht?
Entwicklungsfähige Zellen dürfen nur für medizinisch unterstützte Fortpflanzungen verwendet werden, nicht für Stammzellforschung, die Gewinnung von (embryonalen) Stammzellen und deren Beforschung ist hierzulande gesetzlich verboten. In der EU ist Österreich eines der kritischsten Länder hinsichtlich Biotechnologie und favorisiert die Forschung an ethisch unbedenklichen adulten Stammzellen. Die öffentliche Diskussion über neue Technologien hat in Österreich große Bedeutung. Erfolge gibt es hier durchaus: So wurden z. B. am Wiener AKH einem Herzinfarktpatienten mittels Herzkatheters und neu entwickelten 3D-Verfahrens von ihm selbst gewonnene Herz-Stammzellen punktgenau in das geschädigte Areal eingesetzt. Auch am AKH Linz implantiert man Stammzellen nach Infarkten. Und der Uniklinik Innsbruck ist weltweit erstmals gelungen, Harninkontinenz mit körpereigenen Stammzellen zu heilen.
Wird es Entnahmetechniken geben, die den Embryo nicht absterben lassen?
Die vielversprechendste Alternative wurde vom Team um den österreichischen Genetiker Prof. Markus Hengstschläger entdeckt: Auch das Fruchtwasser enthält pluripotente oder fast pluripotente Embryonalzellen! Daraus ließe sich eine ethisch unbedenkliche Methode entwickeln, die laut Prof. Hengstschläger in fünf bis zehn Jahren ausgereift sein könnte.
Nabelschnurblut
Bis es dazu kommt, ist die Konservierung von Nabelschnurblut sicher eine gute Sache. Nabelschnurstammzellen sind weniger weit entwickelt als Stammzellen aus dem Knochenmark und damit wandlungsfähiger. Somit lassen sich verschiedene Zelltypen aus ihnen bilden. Außerdem sind sie immunologisch noch nicht so geprägt wie Stammzellen aus dem Knochenmark. Nabelschnurblut enthält keine Tumorzellen und ist nahezu frei von Viren. Das bedeutet ein hohes Maß an Sicherheit. Lässt man Nabelschnurblut konservieren, dann muss es für Ihr Kind kein Traum bleiben: jederzeit ohne Entnahme über eigene Stammzellen verfügen zu können …
Mag. Elisabeth Sorantin
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