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Nach der Geburt ist vor der Geburt


Wenn Sie Ihr Baby auf die Welt gebracht haben, ist der Prozess der Entbindung für Sie noch nicht vorbei. Es steht die Geburt der Plazenta, die sogenannte Nachgeburt, an.




Das Baby ist da! Für wenige Augenblicke wird es zwischen die Beine seiner Mami gelegt, bis die Nabelschnur abgeklemmt ist. Ist dann auf den ersten Blick alles in Ordnung mit dem Kleinen, wird das Neugeborene der frisch gebackenen Mami auf den Bauch oder auf die Brust gelegt.
Dieser unmittelbar nach der Entbindung erfolgende körperliche Kontakt heißt in der Fachsprache Bonding.

Hier wird die bereits bestehende Bindung zwischen Mutter und Kind deutlich vertieft. Es ist ein Akt, der später in dieser Form nicht noch einmal möglich wäre.

Ihre Gefühlswelt wird in diesen Momenten sicherlich Achterbahn mit Ihnen fahren. Irgendwo zwischen unsagbar großer Freude über Ihr Kind, unglaub-licher Erschöpfung nach all der Anstrengung und ganz viel Stolz auf dieses wunderbare kleine Wesen werden Sie sich bewegen. Das ist toll. Genießen Sie diese Augenblicke. Blenden Sie alles um sich herum aus. Seien Sie eins mit sich und dem Baby.


Erster Baby-Check


Meistens lässt man beiden etwas Zeit. Der erste Check des kleinen, neuen Erdenbürgers kann ein wenig später erfolgen. Hier werden Herz, Kreislauf und Lunge kontrolliert. Nach der Abnabelung wird der Säurewert im Nabelblut ermittelt. Vielfach wird mit dem Durchschneiden der Nabelschur so lange gewartet, bis sie nicht mehr pulsiert. Einfach ein Akt der Rücksicht-nahme aufs Baby.

Während Ihr Kind versorgt wird, treten Sie in die Nachgeburtsphase ein. Die kann bis zu einer halben Stunde dauern, in Ausnahmefällen bis zu 60 Minuten. Diese Zeit wird auch dafür genutzt, eventuelle Verletzungen am Damm zu versorgen. In Ihrem Bauch setzt der Mutterkuchen, auch Plazenta genannt, Hormone frei, die ein Zusammenziehen der Gebärmutter hervorrufen. Hierdurch wird der Mutterkuchen von der Gebärmutterwand ge-löst.


Bis zu halber Liter Blut


Dabei entstehen Wunden, aus denen Blut austritt. Eine Menge von 400 bis 500 Milliliter ist absolut normal. Wenn sich der Mutterkuchen allerdings nicht komplett löst, kann dies eine Ursache für einen übermäßigen Blutverlust bedeuten. Dieser kann im Extremfall lebensbedrohlich sein.

Deshalb wird bei der Geburt der Plazenta, der sogenannten Nachgeburt, penibel darauf geachtet, dass sich der Mutterkuchen komplett gelöst hat. Eine weitere problematische Folge, wenn dies nicht der Fall ist, könnten Entzündungen der Gebärmutter in den nächsten Wochen sein.

Wenn die Nachgeburt nicht von alleine funktioniert, gibt es einen bewährten Trick. Das Kind wird zum Saugen an Ihre Brust angesetzt. Hierdurch schüttet Ihr Körper die Hormone aus, die für ein Zusammenziehen der Gebärmutter dienen. Manche Hebammen schwören auf Akupunktur oder –pressur, damit sich die Plazenta löst.


Text: Stefan Tröckel
Foto: Maria sbytova/Shutterstock.com







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