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    Die Lust am Schnuller

    Die Lust am Schnuller

    Während sich unsere Artgenossen aber um ihr Saugbedürfnis zu stillen lediglich mit der Mutterbrust begnügen müssen, hat sich bei uns vor allem in den Industrieländern ein kleiner Gummisauger als “Babyberuhigungsunterstüzungshilfe” eingeführt – der nicht unumstrittene Schnuller.

    Stillen kontra Schnuller

    Der von so vielen heiß geliebte Sauger blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die ältesten erhaltenen und bekannten Vorläufer stammen aus Ägypten und sind ca. 4.500 Jahre alt. In anderen Kulturkreisen wurden lediglich feste Nahrungsmittel wie Fleisch oder Fisch verwendet um die Kinder ihre Saugbedürfnisse stillen zu lassen. An den harten Speisen konnten sie dann stundenlang lutschen.
    Als Weiterentwicklung galt der Lutschbeutel. Das waren Stofflappen, die mit einem Mus aus Mehl, Brot und Honig gefüllt waren. Gebräuchlich war auch der Umgang mit Mohnköpfen oder Alkohol. Natürlich war dies mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Gaumenringe letztendlich auch aus elastischem Gummi hergestellt.

    Mütter, die die Möglichkeit haben zu stillen, sind sich sicher bewusst, dass sie ihrem Kind damit den besten Start ins Leben in Bezug auf die Nahrung bieten, ganz nebenbei wird ja auch noch die Zungen- und Kiefermuskulatur des Babys optimal ausgebildet und trainiert – was auch für die spätere Sprachentwicklung nicht unerheblich ist.

    Dennoch wollen die meisten nicht als ständig verfügbarer Nuckelapparat herumlaufen, als Hilfe hat man ja den Schnuller geschaffen! Doch so einfach lassen sich vehemente Schnullergegner nicht von ihrer Haltung gegen den Hilfssauger abbringen. Sie meinen, dass während gestillte Kinder automatisch die Milchproduktion durch Nuckeln an Mamas Brust fördern, sich Schnullerkinder angeblich als etwas “fauler” erweisen.

    “Stöpselbabys” hören früher an Mamas Brust zu nuckeln auf, da ihr Saugbedürfnis ohnehin mit dem Schnuller befriedigt sei. Der Gebrauch des Schnullers könnte also verhindern, dass sich die Menge der Muttermilch an den erhöhten Bedarf anpasst.

    In der Schweiz wurden nun um diese “Verwirrung” endlich zu entwirren in zehn Krankenhäusern Studien durchgeführt, bei welchen einer Gruppe Säuglingen nur die Brust und der Vergleichsgruppe die Brust und zusätzlich Schnuller und Flasche angeboten wurden.

    Das Ergebnis war, dass bei den “Zusatzschnullersäuglingen”, die gleichzeitig Ergänzungsnahrung mittels Flascherl erhielten, keinerlei negative Auswirkungen auf das Stillen (weder für Stillhäufigkeit noch Stilldauer) während der ersten sechs Lebensmonate festgestellt werden konnten.

    Schnuller nur für “faule Eltern”

    Von vielen wird der Schnuller nur als Erleichterung lediglich für “faule” Eltern angesehen, die den Sauger als unnötige Hilfsmaßnahme einsetzen, um das Baby schneller zu beruhigen und dabei auch noch (wirklich unglaublich) ein bisschen Zeit für sich abgewinnen wollen.
    Doch zu früh gefreut, denn die renommierte englische Fachzeitschrift “LANCET” behauptete 1996, dass durch die monotone Reizung des Schnullers angeblich die Wachsamkeit des Zentralnervensystems herabgesetzt wird. Gemeint ist damit, dass gerade Kinder ab dem 4. Lebensmonat beginnen ihre Umwelt mit den Händen und dem Mund zu erforschen.

    Ist der Säugling aber “zugestöpselt”, kann er seine Umgebung nur begrenzt erfahren und hinkt in seiner Entwicklung nach. Demzufolge sind Schnullerkinder im späteren Leben auch weniger intelligent als ehemalige Daumenlutscher.

    Als besonders hartnäckige Lulligegnerin erweist sich Fr. Dr. Heidje Duhme, Anästhesistin, Internistin, Kinderärztin und Feldenkraispädagogin aus Hamburg. Sie plädiert dafür Daumenlutschen bei nichtgestillten Kinder zu bevorzugen, da dies nun einmal natürlicher sei und die negativen Auswirkungen, zum Beispiel Zahnfehlstellungen betreffend, für die Kinder durch das Flaschensaugen und zusätzliche Schnullernuckeln doppelt so groß wären.

    Kieferorthopäden halten dagegen und meinen, dass der Daumen hart und nicht kiefergerecht geformt sei. Dadurch entstehen durch das Daumenlutschen viel leichter mit der Zeit nur schwer korrigierbare Fehlstellungen im Zahn- und Kieferbereich. Der Schnuller sei zu bevorzugen, da das weiche Material und seine kiefergerechte Form optimaler seien.

    Schützt der Schnuller vor Karies?
    Eine Studie, die im September 1996 von Frau Dr. Rosenberg (sie ist nicht nur Zahnärztin, sondern auch Expertin für Speichel) und ihren Mitarbeitern an der Universität für Zahnheilkunde in New York durchgeführt wurde, brachte ein interessantes Ergebnis. Schnullerkinder leiden weniger häufig an frühkindlicher Zahnkaries, da durch den Schnuller die Speichelbildung gefördert wird, die wiederum einen Schutzeffekt auf die Mundflora ausüben soll. Kinder, die einen Schnuller verwendeten, hatten insgesamt weniger Bakterien und Streptokokken, als jene, welche lediglich gestillt wurden.


    Kein plötzlicher Kindstod bei Schnullerkindern

    Im Februar, auf dem 6. Internationalen SIDS (Sudden Infant Death Syndrom) Kongress, wurde festgehalten, dass der Schnuller das Risiko von SIDS reduziert. Während einige Kinderärzte nach wie vor der Meinung sind, dass die Beweise der Arbeiten über SIDS nicht ausreichen, um Schnuller zu empfehlen, so gibt es zumindest diesbezüglich keinen Grund davon abzuraten.
    Die modernen Schnuller bestehen entweder aus Silikon oder Naturkautschuklatex. Beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile: Latex ist im Vergleich zu Silikon wesentlich reiß- und zugfester. Latex ist nicht so hitzebeständig wie Silikon. Durch Sonneneinstrahlung und häufiges Auskochen wird der Schnuller schneller porös. Silikon ist weicher und eventuell angenehmer für das Baby als Latex.

    Trotz allem – wie wird man den Schnuller wieder los?
    Frau Dr. Stokreiter-Ebner hat ihren eigenen Trick: “Ich habe in meiner Praxis Halbedelsteine, die wunderbar glitzern. Den Kindern, die sich den Schnuller abgewöhnen sollen, sage ich, dass es Zaubersteine sind. Sie fahren mit einer Hand über die Steine und jener, welcher in ihrer Hand warm wird, ist nun ihr eigener, besonderer Stein.

    Jedesmal vor dem Einschlafen sollen sie ihn in eine Hand nehmen und damit in der anderen Handfläche langsam im Kreis reiben. Durch diese monotone Bewegung schlafen die Kinder schnell ein. Bis jetzt haben mir noch alle im Nachhinein erzählt, dass damit das Schnullerabgewöhnen eigentlich ganz leicht funktioniert hat.”

    Es muss allerdings auch wirklich endgültig sein, also ja nicht beim nächsten Gequengel den Schnuller wieder “hervorzaubern”, sondern unbedingt konsequent bleiben!

    Der ideale Schnuller

    Welche Schnullergröße?
    Es gibt meistens drei Stufen: für Kinder von ein bis sechs Monaten, von sechs bis 18 Monaten und ab 18 Monaten

    Woran erkenne ich einen guten Schnuller?

    eine dem Gaumen angepasste Form: ein abgeflachter weicher Saugteil an beiden Seiten und eine schmale Auflage für die Kieferleisten und die Lippen z.B. von MAM oder NUK
    Löcher im sogenannten “Schild”
    der Schnuller soll in Form und Größe zum Kind passen
    der Schnuller soll über einen Ring verfügen, damit der Schnuller auch an Babys Jäckchen befestigt werden kann

    Wie reinigt man am besten einen Schnuller?
    Nicht einfach ablutschen – damit können Pilze (vor allem Soor) von der Mutter auf das Kind übertragen werden!
    Auskochen: Der Schnuller muss komplett mit Wasser bedeckt sein. Für die Schnullerdesinfektion eignet sich besonders ein Vaporisator. Der heiße Wasserdampf desinfiziert gründlich und das Gerät ist auch schonend für den Sauger

    Schnullerzubehör:
    Schnullerketten – allerdings keine selbstgebastelten verwenden, da sich das Kind an einer überlangen Kette leicht strangulieren könnte. Jene aus dem Geschäft entsprechen genauen Sicherheitsvorschriften. Wichtig beim Kauf ist nur darauf zu achten, dass sich keine Kleinteile aus dem Material lösen können, die das Kind eventuell verschlucken könnte. Ein sauberer Behälter für den Schnuller zum Aufbewahren erleichtert das Wiederfinden.

    Wann soll ich meinem Kind den Schnuller geben?
    So selten und kurz wie möglich wäre natürlich am sinnvollsten und vor allem nur dann, wenn das Kind den Schnuller wirklich will – das Saugbedürfnis ist häufig schon nach wenigen Minuten gestillt. Dem Kind den Schnuller nach dem Einschlafen aus dem Mund nehmen, viele Kinder spucken ihn allerdings mit Beginn der Tiefschlafphase (nach ca. 20 Minuten) von alleine wieder aus. Das Kind immer ohne Schnuller sprechen lassen, Schnuller nicht wahllos in der Wohnung griffbereit verteilen, das verleitet eher zum öfteren Gebrauch.

    Foto: Sokolova Maryna - shutterstock.com




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