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Säuglingsmilch-Nahrung



Sarah hat ihr Baby Leonie drei Monate lang voll gestillt und möchte jetzt langsam auf Säuglingsmilch-Nahrung umsteigen. Für sie als freiberufliche Journalistin wäre es praktischer, wenn die Kleine – zumindest wenn Mama beruflich unterwegs ist - vom Fläschchen trinkt. Auch ein gemischtes Füttern – Brust und Flasche – könnte sich Sarah vorstellen. Denn sowohl sie als auch Klein-Leonie genießen durchaus die enge Stillbeziehung.
Sarah quälen viele Fragen, zuallererst natürlich: Wie wird Leonie darauf reagieren, wenn sie plötzlich nicht mehr jede Mahlzeit an der Brust zubringen kann? Aber auch so banale wie: Wann mit dem Fläschchen füttern und wie viel? Oder: Welches ist überhaupt die richtige Säuglingsmilch-Nahrung für ein drei Monate altes Baby?


Stillen ist das Beste für Ihr Baby

Vorab sollte festgehalten werden, wie Still- und Laktationsberaterin Anne-Marie Kern es klipp und klar formuliert: “Es ist ein Unterschied, ob es sich eine Frau aussuchen kann, ob sie stillt oder nicht, oder ob sie auf Flaschennahrung angewiesen ist.” Sarah hat insofern die freie Wahl, als sie ihre Milch abpumpen könnte. Leonie bekäme in dem Fall zwar öfter das Fläschchen, aber mit Muttermilch.
Anders bei Ramona: Sie ist auf Flaschennahrung angewiesen. Nach der Geburt ihrer Zwillinge stand sie sehr unter Stress und produzierte zu wenig Milch.

Wichtig ist Anne-Marie Kern, dass Frauen, die die Wahl haben, informiert sind: Muttermilch ist etwas ganz besonders. Anders als Flaschennahrung - so gut diese auch ist - enthält Muttermilch Immunstoffe und frische Vitamine.
Letztlich ist Stillen aber natürlich eine freiwillige Sache. Die Entscheidung, ob und wie lange eine Frau stillen möchte, liegt einzig und allein bei ihr.


Die Qual der Wahl

Zu empfehlen sind als Säuglingsanfangsmilch-Kost vor allem “Pre”-Nahrungen. Wie Muttermilch enthalten sie als einziges Kohlenhydrat Milchzucker (Laktose). Der große Vorteil: Sie können wie Muttermilch jederzeit gefüttert werden. Es gibt keine zeitlichen Richtlinien. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer “ad libitum” Fütterung (analog zum “Stillen nach Bedarf”). Viele Still- und Laktationsberaterinnen und Kinderärzte empfehlen als Alternative zur Muttermilch nur “Pre”-Nahrungen für das gesamte erste Lebensjahr.
Ebenfalls als Nahrung der Stufe 1 gelten Säuglingmilchnahrungen mit der Bezeichnung 1-er Nahrung. Diese enthalten neben Laktose auch Stärke. Sie sind dadurch sämiger und sättigen länger. Aber Achtung: Hier richtet sich die tägliche Nahrungsmenge nach dem Alter des Babys. Die Dosierungsangaben auf der Packung sind genau einzuhalten. Benutzen Sie nur den dazugehörigen Messbecher und häufen Sie den Löffel nicht.

Die Babynahrung wird sonst zu reichhaltig. “Verdauungsstörungen und Fettleibigkeit können die Folge sein. Der erhöhte Natrium- und Phosphatgehalt belastet darüber hinaus die Nieren des Babys”, warnt Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer, Primar an der Pädiatrie im Zentralklinikum St. Pölten. “2-er und 3-er Säuglingsnahrungen dürfen wenn dann nur zusammen mit Beikost, also ca. ab dem 6. Lebensmonat, gegeben werden.”

Modifizierte Kuhmilch

In der Regel besteht Flaschennahrung aus modifizierter Kuhmilch. Für allergiegefährdete Babys sind Produkte am Markt, die mit HA –“Hypoallergene Nahrung” - gekennzeichnet sind. Bei ihnen wird das Kuhmilcheiweiß hydrolisiert, d.h. künstlich “vorverdaut”.
Gerade bei allergiegefährdeten Baby wird jedoch ein möglichst langes Stillen empfohlen. “Ein Großteil der Kinder, die eine Kuhmilchproteinallergie aufweisen, entwickeln auch eine Sojaproteinallergie. Deshalb sind Säuglingsnahrungen auf Sojabasis bei ihnen kontraindiziert. Sie sind erst eventuell im 2. Lebensjahr einsetzbar”, hält Prim. Zwiauer fest.

Mahlzeiten aus frischer Kuhmilch sind neueren Erkenntnissen zufolge für Menschenkinder auch erst ab dem 1. Geburtstag geeignet.


Sanft abgestillt

Eine gute Methode um allmählich von Muttermilch auf Flaschennahrung umzusteigen, ist:
· Zuerst mit abgepumpter Muttermilch zu beginnen;
· zu Babynahrung zu wechseln, wenn das Baby an die Flasche gewöhnt ist.
· Man kann dann z.B. zuerst abends eine Mahlzeit durch ein Fläschchen ersetzen, nach ein paar Tagen das nächste, usw.
Unter Zwiemilch-Ernährung versteht man:
· die Kombination von Flaschennahrung und Stillen
· Ziel ist – anders als beim langsamen Abstillen - nicht der vollständige Umstieg auf künstliche Säuglingsmilch-Nahrung.
· Babys können sehr lange gemischt gefüttert werden. Die Milch wird immer in der Menge produziert, die der getrunkenen entspricht.
· Nicht wenige Babys finden sich in Papas oder Omas Obhut mit dem Fläschchen mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung ab. Wenn Mami wieder zuhause ist genießen sie das Trinken an der Brust.
“Achtung aber:” warnt Prim. Zwiauer. “Das Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch erfordert die strenge Einhaltung hygienischer Richtlinien!”


Schneller Umstieg

Nicht immer ist ein langsamer Umstieg auf künstliche Babynahrung möglich. Insbesondere eine schwere Krankheit der Mutter kann eine abrupte Beendigung der Stillbeziehung notwendig machen. So schwer dies für sie und den Säugling sein mag: Das Baby wird sich damit abfinden. Es wird - so banal dies klingt – nehmen was es bekommt. Wichtig ist, dass es weiterhin viel körperlichen Kontakt, Zärtlichkeit und ein Gefühl der Sicherheit erfährt.
Setzen Sie sich gemütlich hin und kuscheln Sie Ihr Baby an sich. Berühren Sie seine Wange mit dem Sauger oder mit Ihrem Finger, um es auf die Flasche aufmerksam zu machen. Sprechen Sie mit Ihrem Baby während sie ihm das Fläschchen geben.

Anna singt ihrem Sohn David gerne etwas vor. Dabei streichelt und liebkost sie ihn. Dadurch wird das Füttern zu einer sehr zärtlichen, genussvollen Zeit. Ein Vorteil beim Fläschchen-Füttern ist: Sie können mit dem Partner die Arbeit der Vorbereitung der Mahlzeiten teilen. Noch viel wichtiger aber: Auch er kann die Nähe und die Zärtlichkeit, die mit dem Füttern verbunden sind, verspüren.

Richtig zubereitet

Ob das Fläschchen aus Glas oder aus Plastik sein soll, ist im Grunde Geschmackssache.
“Der Schnuller sollte weich sein und eine große Ablagefläche für die Lippen haben”, hebt Anne-Marie Kern hervor. Wichtig ist auch die Größe des Loches. Optimal ist, wenn aus der umgedrehten Flasche ein ständiger Strom von Tröpfchen austritt.
Grundsätzlich müssen Flaschenmahlzeiten frisch zubereitet werden.
· Lassen Sie das für die Fläschchen abgekochte Wasser auf ca. 60 Grad abkühlen, bevor Sie das Milchpulver einrühren. Damit beugen Sie vor, dass Vitamine durch zu große Hitze zerstört werden.
· Babynahrung sollten Sie niemals in einer Thermoskanne aufbewahren, weil diese der ideale Nährboden für Bakterien ist.
· Johanna kocht die Menge an Wasser, die sie über den Tag verteilt für ihr Baby Tobias braucht, einmal ab und füllt sie in eine Thermoskanne. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn Johanna unterwegs ist, füllt sie die richtige Menge Babynahrung trocken in das Fläschchen. Die Thermoskanne mit dem heißen Wasser nimmt sie mit. Das Fläschchen füllt sie zu gegebener Zeit einfach auf.
Im Durchschnitt beginnen die meisten Flaschenkinder mit fünf oder sechs Mahlzeiten über den Tag verteilt. Mit “Pre-Nahrungen” müssen Sie wie gesagt aber die Zahl der Mahlzeiten nicht begrenzen. Schließlich ist jedes Baby einzigartig und hat damit seine individuellen Bedürfnisse!


Hilfe, Verdauungsprobleme!

Bei der Umstellung von Muttermilch auf Fertignahrung können Verdauungsprobleme auftreten. Durch Verstopfung oder Durchfall kann sich zeigen, dass das Baby eine bestimmte Säuglingsnahrung nicht verträgt.
· Dauert ein Durchfall länger als zwei Tage an, oder ist er sehr intensiv, so sollten Sie unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. Für Mütter, die noch stillen: Das Baby wieder häufiger anlegen - das ist die beste Therapie bei leichtem Durchfall.
· Auch bei anhaltender Verstopfung empfiehlt es sich, den Arzt zu kontaktieren. Grund kann eine Unverträglichkeit für Kuhmilchprotein sein. Weitaus öfter liegt die Ursache aber im Irrglauben der Eltern, eine konzentrierte Babynahrung mit mehr Pulver pro Mahlzeit würde das Wachstum ihres Kindes fördern... Experte Zwiauer: “Es ist dies ein absolut gefährliches Vorgehen, da es zu schweren metabolischen Störungen des kindlichen Organismus kommen kann.”
· Vorbeugend gegen Blähungen wirkt, wenn Sie darauf achten, dass das Baby nicht zuviel Luft beim Trinken verschluckt, bzw. dass es danach das “Bäuerchen” macht. Gut hilft in der Regel Fencheltee. Entweder ein wenig der Milch beimengen, oder die Flüssigkeit in einem Extra-Fläschchen füttern.


Foto: herjua/Shutterstock.com






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