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Sex mit dem Ex

Sex mit dem Ex

Und so überzeugte er seine Exgattin mit gewohnt schlagkräftigen Argumenten von einer Reunion.

Ähnliche Erfolge erzielte auch der wandelnde Tattoo-Leistungskatalog Tommy Lee immer wieder bei Badenixe Pamela Anderson ehe sie doch noch mit einem Schwedenbomben-Model den hormonellen Neuanfang wagte.

Und über allen diesen Paaren stehen quasi als Ikonen der JoJo-Beziehung Liz Taylor und Richard Burton. Zumindest 2 Mal haben die beiden einander offiziell das Ja-Wort gegeben und auch ebenso oft wieder entzogen. Inoffiziell sollen sie es miteinander noch öfters versucht haben, doch darüber schweigen die meisten Biografen.

Trend zum Neuversuch

Leben uns Prominente hier einen Trend vor, der auch für weniger bekannte Zeitgenossen Gültigkeit besitzt? “Nein”, vermutet Frau Mag. Thalwitzer, Zentrumsleiterin des NÖ Hilfswerk in Mödling, aus jahrelanger Erfahrung. “Bei vielen Scheidungen wird soviel Schmutzwäsche gewaschen, dass eine Rückkehr zum Expartner unmöglich wird, zu schwerwiegend sind die zugefügten Verletzungen.”
Dass Trennungen prinzipiell zunehmen, hat für Frau Mag. Thalwitzer weniger mit einem moralischen Wertewandel innerhalb der Gesellschaft zu tun, als vielmehr mit prosaischen Gründen: Das Ansteigen der Lebenserwartung lässt das “Bis-der-Tod-euch-scheidet” mitunter recht lang werden. Dass Frauen heute in Restaurants, bei Einladungen und im Urlaub (in mediterranen Ländern zwar widerwillig aber doch) auch ohne männliches Beiwerk akzeptiert werden, erleichtert oft ebenfalls den Schritt in die Unabhängigkeit.

Die klassische JoJo-Beziehung, soferne man hier überhaupt verallgemeinern kann, ortet Frau Sylvia Neuberger, Einzel-, Paar- und Familientherapeutin, eher bei jungen Menschen. Worin liegt aber der Reiz einer solchen Stop-and-Go-Verbindung? Hat man sich einfach nicht genug Mühe bei Konflikten in der Beziehung gegeben, sondern stattdessen bei der ersten offenen Zahnpasta-Tube flugs die Koffer gepackt?

Oder ist das Aufwärmen einer früheren Beziehung eher als Feigheit vor dem Feind, sprich vor einer neuen Lebenssituation zu werten? Eine vorübergehende Trennung kann laut Frau Mag. Thalwitzer jedenfalls aber auch ein erholsames Beziehungs-Time-Out darstellen, in dem jeder der Partner einmal in Ruhe nachdenken kann, dass der andere vielleicht doch nicht so ein Ungustl ist wie angenommen.

Stop-and-Go-Typen

Obwohl natürlich niemand vor erotischen Vertrickungen mit dem Expartner gefeit ist, gibt es doch tendenziell bestimmte Persönlichkeiten, die besonders zum Revival neigen:
Der “Mauerblümchen”- oder “My- home-is-my-castle”-Typ: Schüchterne und introvertierte Menschen oder praktizierende Couchpotatoes, die sich vorzugsweise zuhause im Fernsehsessel aufhalten, haben naturgemäß schlechte Karten jemand neuen kennen zu lernen.

Besser stehen da schon die Chancen für den "Ich-schau-mal-ob-ich was-Besseres-finde”-Typ:
Selbst in an sich guten Beziehungen stellt sich für junge Menschen oft die Frage: Finde ich nicht doch noch eine(n) Bessere(n), Schönere(n), Reichere(n), Erfolgreichere(n) mit noch mehr Sex-Appeal? Die Therapie heißt: Viele Frösche küssen, bis man erkennt, dass man den Prinzen/ die Prinzessin leider am Brunnen sitzen hat lassen.

Nicht unähnlich verhält es sich mit dem "Ich-habe-alles-versäumt-Typ”.
Noch während der Schulzeit kennen gelernt entsteht das erste Kind bei solchen Paaren, mangels geeigneter örtlicher Alternativen vorzugsweise auf dem Autorücksitz. Heirat, weil man das halt so macht, und noch mehr Kinder folgen. Wenn der Nachholbedarf in erotischer Selbstverwirklichung dann gedeckt ist, steht auch hier unter günstigen Umständen einem Happy-End nichts mehr im Wege.

Achtung, Falle!

So anziehend sein(e) Ex aus der Entfernung auch wieder wirken sollte, in vielen Fällen ist es besser, ihn (sie) auch weiterhin aus dieser zu betrachten. Die Alarmglocken schrillen sollten auf jeden Fall bei Statements wie: "Ich kann nicht ohne dich leben.” Nur absolute Anfänger fühlen sich von so einer Aussage geschmeichelt.

Dieses “Ich kann ohne dich nicht leben” soll dem trennungswilligen Partner nur ein schlechtes Gewissen machen. Und ein solches ist eine denkbar ungünstige Grundlage für eine Beziehung. "Es wird nie wieder vorkommen!” Ich werde dich nie wieder betrügen, werde nie wieder spielen, nie wieder trinken etc. Die Liste der Dinge, die nie wieder passieren werden, kann man endlos fortsetzen.

Kein Mensch ist in der Lage solche Versprechen ewig durchzuhalten. Schon gar nicht ohne entsprechende Therapie, wenn es sich um schwerwiegende Probleme wie Alkoholismus, Spielsucht oder ähnliches handelt. Ein notorischer Pedant kann aus Liebe versprechen, was er will, er wird kaum in der Lage sein, den Wollmäusen auf dem Fußboden ruhigen Herzens bei der Vermehrung zuzusehen, selbst wenn er weiß, dass seine Putzwut den anderen in den Wahnsinn treibt.

"Nur wegen der Kinder”, ist auch eine beinahe klassische Forderung, wenn es darum geht einen abtrünnigen Partner zurück in eine unglückliche Ehe zu locken. Ob die Tatsache, mit beiden Eltern unter einem Dach zu leben, eine gestörte wenn nicht gar vergiftete Atmosphäre innerhalb der Familie aufwiegt, ist auf jeden Fall fraglich.

"Allein habe ich nicht genug Geld!”
Zugegeben: Gerade für Frauen, die ihren eigenen Beruf für die Familie aufgegeben haben, ist der erste Schritt in die Unabhängigkeit oft nicht einfach. Eingestehen, dass man nicht mehr in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen, ist meistens ein Tiefschlag für das Selbstbewusstsein, den man auch mit Luxus nicht wieder gut machen kann.

Ich kann nicht alleine leben

Überhaupt ist das Gefühl “Ich kann auch alleine leben” laut Frau Mag. Thalwitzer essentiell um überhaupt in einer Partnerschaft zu (über)leben. Alles andere ist wechselseitige Abhängigkeit. Wenn also im Idealfall beide Partner während einer Trennungsphase genug Zeit zum Nachdenken gehabt haben und sich noch ausreichend zärtliche Gefühle für einander bewahrt haben, wenn Achtung und Respekt nicht allzu sehr gelitten haben, steht einem glücklichen Beziehungsrevival eigentlich nichts mehr Wege. Aber wie verhält man sich am besten beim “ersten” Rendezvous?

Obwohl das sehr von der Persönlichkeit der Teilnehmer abhängt, hat es sich in vielen Fällen doch bewährt, wenn man bei dieser Gelegenheit nicht gleich auf alte Fehler hinweist, die der andere ebenfalls mit sattsam bekannten Vorwürfen kontert. Frau Neuberger kann sich in diesem Ambiente allerdings auch durchaus ein reinigendes Gewitter nach dem Motto “Was ich dir schon immer sagen wollte, mich aber nie getraut habe”, vorstellen, so das nicht schon bei der Trennung passiert ist. Denn mit Restwut im Bauch steht ein Neuanfang auch nicht unbedingt unter einem guten Stern.

Fast immer gut kommen schöne gemeinsame Erinnerungen an Urlaube oder ähnliches. Extremes Bemühen und großartige Versprechungen hingegen sind a priori verdächtig. Sollte man in der Zeit des Alleinelebens neue Hobbys oder Interessen entwickelt haben, ist es sinnvoll, den Bald-doch-wieder-Partner daran teilhaben zu lassen, damit er neue Facetten der eigenen Persönlichkeit kennen lernen kann.

Falls der Beziehung, die man zu reanimieren gedenkt, ein oder mehrere Kinder entstammen, steht man bald vor einer überaus heiklen Frage: Soll man oder soll man nicht? Nämlich seinem Nachwuchs von der Tauwetterstimmung zwischen Mama und Papa erzählen. Frau Mag. Thalwitzer rät in solchen Fällen trotzdem zu einem offenen Umgang mit seinen Sprösslingen. Selbst wenn die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehung scheitert, ist es für Kinder leichter, wenn sie die Enttäuschung der Eltern nicht auf sich beziehen.

Falls die Friedensverhandlungen dann doch nicht zu einem krönenden Abschluss gelangen, bleibt einem immer noch die Gewissheit einer der elementaren Weisheiten des Liebeslebens: Eine andere Mutter hat auch ein schönes Kind!


Foto: AlessandroBiascioli - shutterstock.com


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