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Do it yourself-Lust



Oder eher ein notwendiges Übel um Ihren Geist von einem Ort zum anderen zu transportieren? Nun, in beiden Fällen könnten Sie Ihrem Body – sich – vielleicht manchmal etwas Gutes tun: Sex nur ganz für ihn allein. Und was dem Körper gefällt, lässt auch den Geist erfreut grinsen. Und Ihren Partner sowieso.

Blick zurück in Eigenliebe

Masturbation: Kommt aus dem Lateinischen “manu stuprare” – sagt Dudens Herkunftswörterbuch – und bedeutet “sich mit der Hand selbst beflecken”. Aha. Ganz naiv gefragt: Wie befleckt man sich mit der Hand, wenn man sie nicht vorher in Farbe getaucht hat? Die einzigen, die Masturbation nett fanden, waren die alten Griechen. Aber die fanden bekanntlich vieles nett, was mit Sex zu tun hatte – wenigstens bei Männern.
Frauen waren da nicht so wichtig, und ob und was die nett fanden, war ziemlich egal. In späteren mittelalterlichen Zeiten ging man davon aus, dass jede Art der Selbstbefriedigung sowieso direkt in die Hölle führte: Dass Männer diesbezüglich höchst gefährdet waren, lag an der böswilligen Verderbtheit der Frauen, die dem armen starken Geschlecht eklige Gedanken in den Kopf setzten.

Dass aber auch eine Frau Spaß an Selbstbefriedigung finden konnte, wurde sowieso ausgeschlossen – es sei denn, sie war eine Hexe, natürlich. Und im Prinzip blieb das auch so für die folgenden 800 Jahre: Als Kaiser Franz Josef gekrönt wurde, galt Masturbation noch als strafbarer “Selbstmissbrauch”. Und das hat uns Heutige auch zu einem nur wenig erfreulichen Verhalten geprägt: Möglichst schnell soll es vorbei sein, damit man nicht erwischt wird, eben.

Auch der große Sigmund Freud, der das Gute am Sex entdeckte, fand, dass Masturbation bei Frauen einfach Second-Class-Sex wäre: Der “klitoriale Orgasmus” sei etwas für junge Mädchen, die es weder besser wüssten noch besser konnten. Der “vaginale Orgasmus” sei der reifen Frau vorbehalten – und den kriegt man eben nur durch einen Mann. Wissen Sie eigentlich, wie man Hysterie kuriert? Nein?

Nun, die Ärzte vor 70 Jahren wussten das schon: Die kranke Frau sollte einen Vibrator benutzen und dadurch eine “Überreizung”, einen “hysterischen Anfall” herbeiführen – haben wir dafür nicht irgendwann das Wort Orgasmus gelernt??? – und weg ist die Hysterie. Ergo: Ein sexueller Höhepunkt ist ein Anfall, wenn kein Mann im Spiel ist. Nun, es gibt schlimmere Anfälle, oder?

Masturbationskultur

Seit 1972 jedenfalls ist es geklärt: Die American Medical Association stellte da fest, dass es sich bei Masturbation um eine “nicht krankhafte” sexuelle Tätigkeit handelt, die noch innerhalb des Normalbereiches liegt. Bravo! Schade nur, dass noch immer in einigen amerikanischen Bundesstaaten Selbstbefriedigung verboten ist.

Und schade auch, dass wohl fast jeder Bewohner dieser Bundesstaaten mit schöner Regelmäßigkeit und hoffentlich großem Genuss diese Gesetze bricht. Sie kennen ja den alten Spruch: Von 100 Männern onanieren 99 – und einer lügt. Und Frauen? Leben die bis zur ersten zielgerichteten Begegnung mit einem Mann sexlos? Kaum. Aber eine Masturbationskultur wie die Buben haben Mädchen noch nicht entwickelt.

Das liegt natürlich einerseits an der Konditionierung, den weiblichen Sexualtrieb als recht unbedeutend zu sehen – andererseits auch daran, dass die Geschlechtsorgane nicht so dominierend und sichtbar sind wie beim Mann. Und schließlich sind schon Buben daran gewöhnt, ihre sexuellen Erlebnisse und Ergebnisse miteinander ausführlich zu besprechen und zu vergleichen, Mädchen halten sich bezüglich der Details da viel mehr zurück: Die feine Sache mit dem wohlgezielten Duschstrahl glaubt noch jede 12-Jährige als Erste und Einzige für sich entdeckt zu haben. Vielleicht kommt das ja auch daher, dass wir normalerweise nicht im Rudel pinkeln...

Betty Dodson ist die Frontfrau der Masturbationslehre für Frauen. In ihren Workshops bietet sie eine Anleitung zur Gruppenselbstbefriedigung für erwachsene Frauen: Einige Teilnehmerinnen lernen da das erste Mal mittels eines Handspiegels genau hinzusehen, wie sie selbst zwischen den Beinen ausschauen. Und dann werden die Vibratoren angeworfen. Diese Art der kollektiven Selbstbeglückung ist nicht so ganz Ihr Fall?

Nun, meiner auch nicht, aber ich habe auch nie wirklich verstanden, warum man sich bei Betty Dodsons Methode die Nasenlöcher einölen soll. Andererseits: Dass etwa 70 – 75 % aller Frauen nicht beim Verkehr selbst, sondern durch Stimulation mit der Hand oder einem anderen Hilfsmittel zum Orgasmus kommen, ist Fakt. Und da ist es natürlich günstig, wenn frau auch weiß, wie. Und das beginnt nach der Ansicht ziemlich vieler Therapeuten mit dem Beckenboden.

Wenn Sie schon ein Kind haben, wissen Sie ja Bescheid: Das sind die Muskeln, die einem erst nach der Geburt unangenehm auffallen, weil sie nicht richtig funktionieren. Oder haben Sie das Gefühl geschätzt, wenn beim Niesen die Blase nicht mehr dicht hielt? Ein wenig Beckenbodentraining hat Ihnen vermutlich geholfen, alles wieder ins Lot zu bringen.

Ein bisschen Training

Und genau diese PC-Muskeln helfen auch beim Sex:
Ziehen Sie die PC-Muskeln kurz zusammen (etwa einmal pro Sekunde) und atmen Sie dabei ein. Dann wieder entspannen. Steigern Sie auf zwei Mal 75 Kontraktionen pro Tag.
Spannen Sie die Muskeln nun lange an – bis zu 10 Sekunden. Wenn Sie diese Übung beherrschen, kombinieren Sie sie mit der ersten. Bis zu zwei Mal 300 Kombinationen pro Tag.
Statt des Enspannens drücken Sie die Muskeln nun leicht nach unten. Drücken, nicht pressen! Wenn Sie von der Kombination der drei Übungen zwei Mal täglich 300 Stück schaffen, ist Ihr Beckenboden trainiert, wetten?

Die Sexualitätsjournalistin – haben Sie geahnt, dass es so was auch gibt? – Susan Crain Bakos plaudert in ihrem Buch “Sex-Geheimnisse” allerlei über die Techniken taoistischer und tantrischer Meister aus – aber auch über jene von bestbezahlten Gigolos und Callgirls. An erster Stelle steht für sie aber die Beschäftigung mit sich selbst.

Machen Sie es sich gemütlich. Wie wärs, wenn Sie sich einmal selbst verführen? Was mögen Sie denn besonders? Erzeugen Sie damit eine schöne Stimmung – diesmal ganz bewusst einfach nur für Sie selbst.
Schließen Sie die Augen und entspannen Sie sich. Können Sie Ihre große Zehe fühlen? Und die anderen? Berühren Sie sich erst einmal nicht mit den Händen, sondern fühlen Sie sich Stück für Stück in Ihren Körper: Vielleicht spüren Sie nun, wie sich ein warmes Gefühl in Ihnen ausbreitet oder sogar ein Ameisenkribbeln.
Mögen Sie Massageöl? Alternativ dazu tuts auch eine Flasche Körperlotion. Angewärmt fühlt es sich besser an: Einfach ein paar Minuten in ein Gefäß mit heißem Wasser stellen. Nehmen Sie sich ruhig Zeit für die Massage – Ihr ganzer Körper freut sich darüber. Und die Haut wird auch schön.

Nun, und dann beginnen Sie wahrscheinlich in eine Fantasie zu gleiten: Was auch immer Sie sich ausdenken, ist gut. Wenn Sie sich eine Vergewaltigungsszene vorstellen, hat das nichts damit zu tun, dass Sie sich auch in Wirklichkeit eine Vergewaltigung wünschen! Wenn Sie der Gedanke an Gruppensex erregt, muss das nicht bedeuten, dass Sie sich den Besuch eines Swingerclubs heimlich ersehnen. Und wenn Sie’s in Ihrem Kopf ziemlich heiß mit George Cloney machen, dann ist das kein Scheidungsgrund für Ihren Mann. Fantasien sind – genauso wie Masturbation – ein sicherer Hafen für den ganz privaten Sex, den, der eben wirklich nur einem selbst gehört.

Meist jedenfalls gehört er einem ganz allein – wenn man nicht Lust hat, ihn auch mit dem Partner zu teilen. Vor einander zu masturbieren bringt allerlei Vorteile, falls man dabei gerade imstande ist, sich Gedanken über Vorteile zu machen: Es ist Sex der super-safest Art! Der Partner lernt gleich, was man wie und wo wann gerne mag – eine Gebrauchsanweisung der erfreulichen Art. Und es stellt in einer Beziehung eine sehr intime Basis her – ein Vertrauensbeweis der besonderen Art.

Aber wissen Sie was?
Egal, wie Sie die Party feiern: Allein mit Ihren Fantasien, mit George Cloney, oder ob Sie dazu noch den Duschstrahl oder ein vibrierendes Spielzeug einladen und Ihren Partner dazubitten – es ist Ihre Sache. Eine feine Sache. Und ganz, ganz bestimmt nicht nebensächlich.


Foto: Shutterstock.com Piotr Marcinski


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