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    Kind und Kuhmilch = Allergie?





    Eine Kuhmilchallergie bei Säuglingen und Kleinkindern gilt als die häufigste Nahrungsmittelallergie in diesen Altersgruppen. „Etwa zwei bis sieben Prozent der Kinder sind betroffen“, erklärt der auf Allergien spezialisierte Kinderarzt, Gerhard Grässl, aus Hall in Tirol. „Bei konsequenter Therapie, d. h. bei Kuhmilchverzicht, verlieren rund zwei Drittel dieser Kinder die Allergie bis zum 2. Lebensjahr und nach dem 3. Lebensjahr sind 90 Prozent der Betroffenen beschwerdefrei“, lautet die gute Nachricht des Facharztes.

    Mit Gebrüll und Bauchweh


    Eine Kuhmilchallergie ist eine unerwünschte Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems auf Kaseine oder bestimmte Milchproteine, sogenannte Allergene. Die dadurch ausgelösten Symptome bzw. allergischen Reaktionen können in Ausprägung und Schweregrad von Kind zu Kind stark variieren. Das macht eine rasche Diagnose schwierig.

    Da Babys und Kleinkinder ihr Unwohlsein meist über lautes Gebrüll kundtun, „sollten Eltern darauf achten, ob das Kind nach dem 3. Lebensmonat häufig Bauchweh hat bzw. der Säugling mehr als drei Stunden pro Tag schreit und das über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. Denn dies könnte unter anderem ein möglicher Hinweis auf eine Kuhmilchunverträglichkeit sein“, sagt Grässl.

    Während Kleinkinder bei einer derartigen Allergie eher zu Durchfällen neigen, können Säuglinge auch unter Verstopfungen leiden. Häufiges Spucken oder Erbrechen kann ebenfalls ein Zeichen einer allergischen Reaktion sein. „Kein Kind wird mit einer Kuhmilchallergie geboren, sondern erwirbt diese“, betont der Kinderfacharzt. Doch das Risiko kann innerhalb der Familie vorgegeben sein. „Ist ein Elternteil oder sind die Geschwister Allergiker, so liegt die Wahrscheinlichkeit bei 20 bis 40 Prozent, dass das Neugeborene ebenfalls eine Unverträglichkeit entwickelt.

    Sind Vater und Mutter betroffen, dann rechnet man beim Kind zu 40 bis 60 Prozent mit einer Kuhmilchallergie“, nennt Grässl dazu Zahlen. In seltenen Fällen können Stillkinder unter einer Kuhmilchallergie leiden, da sie über die Muttermilch geringe Mengen von Kuhmilchproteinen aufnehmen. Betroffen sind aber weniger als 0,5 Prozent der Säuglinge.

    Ob hinter den Bauchkrämpfen oder den Ekzemen nun wirklich eine Kuhmilchallergie steckt, kann nur durch einen Experten abgeklärt werden. Doch dies ist gar nicht so einfach, weiß Grässl aus der Praxis. „Grundlage ist eine genaue Dokumentation der allergischen Reaktionen im Verhältnis zum Kuhmilchkonsum, wobei sich die Symptome unmittelbar nach dem Milchgenuss zeigen können, oder auch zeitverzögert, nach erst 24 bis 72 Stunden“, betont der Arzt. Blut- oder Hauttests sind hinCheckliste gegen nicht zu 100 Prozent sicher oder gar nicht durchführbar.

    „Das Ergebnis einer Blutuntersuchung, bevorzugt angewandt bei Säuglingen oder Kleinkindern mit Neurodermitis, kann im Labor negativ sein, die Haut des Kindes reagiert aber trotzdem auf Milch, also allergisch“. Ein PRICK-Test, eine Abklärung mittels Hautritzungen, auf welche die Allergene aufgebracht werden, scheidet in der Regel für Säuglinge und Kleinkindern wegen oftmals bestehender Neurodermitis und mangelndem Stillhaltevermögen aus, weist der Kinderfacharzt auf Schwierigkeiten hin.

    Gefahr Nährstoffmangel


    Was für die kleinen Patienten bzw. die Mütter von Stillkindern bleibt, sind „Auslassdiäten“ unter fachlicher Anleitung.Kuhmilch und Kuhmilchprodukte wie Jogurt oder Käse werden dabei für zwei bis drei Wochen völlig aus der Ernährung gestrichen und man kontrolliert, ob damit auch die Beschwerden verschwinden. Butter und Sahne können hingegen meist ohne Probleme von Kuhmilchprotein-Allergikern konsumiert werden, da der Eiweißanteil sehr gering ist.

    Als Kuhmilchersatz werden so genannte „extensive Hydrolisate“ verwendet. Die Proteine sind darin so weit aufgespalten, dass sie keine Allergie mehr auslösen können. In einem „Provokationstest“ wird Kuhmilch schrittweise wieder eingeführt. Treten allergische Symptome auf, so weiß man sicher, dass eine Kuhmilchallergie vorliegt und diese somit für vorerst ca. sechs Monate vom Speiseplan zu eliminieren ist. Danach kann man es erneut versuchen.

    Das Ausweichen auf Ziegen-, Schaf- oder Stutenmilch wird in der Regel nicht ohne Weiteres empfohlen, weist Grässl hin, denn diese Tiermilchproteine sind jenen der Kuhmilch sehr ähnlich. Liegt eine Allergie gegen Kasein vor, müssen alle tierischen Milcharten gemieden werden. Von Säuglingsmilch auf Sojabasis rät der Kinderarzt ab, da ein Einfluss auf den Hormonhaushalt nicht ausgeschlossen werden kann.

    Zudem wird leicht eine Allergie gegen Sojaeiweiß entwickelt, die dann meist ein Leben lang bestehen bleibt. „Bei einem Kuhmilchverzicht besteht die Gefahr eines Nährstoffmangels“, hebt Grässl die Kehrseite einer diätischen Therapie hervor: „Kalzium, tierisches Eiweiß, Vitamin B2 sowie Jod müssen unbedingt aus anderen Quellen zugeführt werden.“

    Foto: R. Fassbind by shutterstock.com

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