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Kleine Leckermäuler

Kleine Leckermäuler

Was soll, will, darf mein Kind essen? Diese Frage beschäftigt Eltern von Babys, Kleinkindern und Kindern Tag für Tag. Wir haben für Sie recherchiert, welche Ernährung in den jeweiligen Altersstufen empfehlenswert ist.
Madeleine quittiert das Frühstück mit einem wohligen Glucksen. Das kleine „Küken“ ist erst ein paar Wochen alt und wird noch an Mamas „Milchbar“ versorgt. In diesem Alter erhält Madeleine so die optimale Nahrung. „Stillen ist das Beste fürs Baby – und meist auch das Angenehmste für die Mutter“, sagt Kinderarzt Dr. Peter Voitl. Diese natürlichste aller Versorgungsarten eines Säuglings wenden die meisten Mamis in den ersten Wochen als einzige Form der Babyernährung an. Viele Eltern füttern bereits einige Wochen später beispielsweise Fertigmilch zu, so dass „nur zehn Prozent aller Kinder in den ersten fünf bis sechs Lebensmonaten nichts anderes als Muttermilch erhalten“, so der Mediziner weiter. Der Bio-Cocktail aus Mamas Brust ist dabei für die Versorgung des Kleinen optimiert. „In der Muttermilch ist alles enthalten, was das Baby braucht“, erklärt Dr. Peter Voitl. Und diese Art der Versorgung sei an die Bedürfnisse des kleinen Lebens bestens angepasst, führt auch Ernährungswissenschafterin Dr. Petra Rust aus. Dies betreffe vor allem den Energie- und Nährstoffbedarf. Außerdem sei der Stoffwechsel noch unreif: „Die Verdauung der Fette und Kohlenhydrate ist noch nicht völlig ausgeprägt“, ergänzt die Assistenz-Professorin an der Universität Wien.

Mehr Vitamin D

Im Verhältnis zu späteren Lebensjahren „darf die Fettzufuhr in den ersten zwölf Lebensmonaten höher sein“, sagt Dr. Petra Rust. Weiters zeichnet sich der Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen durch Unterschiede zum Erwachsenenalter aus: Das Baby braucht etwa doppelt so viel Vitamin D als seine Eltern. Der Bedarf an Eisen und Kalzium steigt im ersten Lebensjahr deutlich an. Die Umstellung auf Beikost beginnt zwischen dem fünften und sechsten Monat. „Dann sind die Eisenreserven aufgebraucht, der Energiebedarf kann nicht mehr alleine durch Milchnahrung ausreichend gedeckt werden“, sagt Assistenz-Professorin Petra Rust und fährt fort: „Zähne und Verdauung des Säuglings sind entsprechend entwickelt.“ Los geht es, so Dr. Peter Voitl, mit „einigen Löffeln Karottenmus, geschabten Äpfeln oder zerdrückten Bananen“. Ob frisch zubereitet oder aus dem Gläschen, die Menge sollte langsam gesteigert werden.

Öko-Anbau und Gläschenkost

In den folgenden Wochen kann dann das Gemüse oder Obst mit Kartoffeln und püriertem Fleisch kombiniert werden. Damit solle nach Empfehlung des Kinderarztes eine Milchmahlzeit ersetzt werden. „Den Brei kann man selbst zubereiten, möglichst aus Zutaten aus dem Öko-Anbau“, sagt Dr. Peter Voitl. Für die Gläschenkost gelten übrigens besonders strenge Vorschriften, ergänzt er. Besonders für unterwegs eigneten sie sich sehr gut. „Ein Nachteil ist, dass es kaum Produkte gibt, die nur eine einzige Zutat enthalten.“ Im Laufe der nächsten Jahre verändern sich die Ernährungsgewohnheiten. Nach und nach halten die „normalen“ Nahrungsmittel Einzug in den Speiseplan. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass „Kinder auch beim Essen keine kleinen Erwachsenen sind“, so Dr. Peter Voitl. Das Essen sollte kindgerecht zubereitet und angerichtet werden. „Gerade Kinder essen mit den Augen“, sagt der Experte. Außerdem empfiehlt er wenig Salz und Zucker, dafür umso mehr frische Kräuter.

Vollwertig für volle Energie

Das Gebot der Stunde lautet: Vollwert. „Diese Ernährung besteht zum größten Teil aus Kohlenhydraten“, lautet die Erklärung des Kinderarztes. In etwa 50 bis 55 Prozent der Nahrungsenergie sollten aus Getreide, Gemüse, Kartoffeln und Obst stammen. Deutlich weniger aus Fett. Je zur Hälfte sollten die Eiweiße pflanzlicher und tierischer Herkunft sein. Wer sich an die Empfehlung halte, der brauche auch keine künstlichen Präparate wie Vitamine oder Mineralstoffe in Tablettenform. Gerade an dieser Empfehlung richtet sich „Optimix“ aus. „Das Konzept für die gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen wurde vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (FKE) Anfang der 1990er Jahre entwickelt und seitdem immer wieder an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kinderernährung angepasst“, erklärt Dr. Petra Rust. Dieses Modell sei kein Diätplan, sondern biete vielmehr einen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens könne die Familie ihre gesunde Ernährung in die Tat umsetzen. „Die Freude am Essen sollte dabei immer im Vordergrund stehen“, lautet die Devise der Ernährungsexpertin.

Mehr pflanzliche Lebensmittel

Laut „Optimix“ muss die derzeitige Ernährung von Kindern und Jugendlichen in einigen Bereichen nachhaltig verbessert werden. Auf den Tisch sollten, so Assistenz-Professorin Petra Rust, mehr pflanzliche Lebensmittel kommen, vor allem Gemüse, Brot, Kartoffeln. Statt heller Produkte empfiehlt sie mehr Vollkornmehl, -brot, -nudeln oder -reis. Fettreduzierte Milchprodukte seien die bessere Wahl als Vollmilchprodukte. Weniger Fett in Wurst und Fleisch sei eindeutig mehr wert. Auch plädiert die Ernährungswissenschafterin für „mehr Rapsöl anstelle von anderen Ölen und Fetten“. Wie die unterschiedlichen Nahrungsmittel besonders gut in der Praxis zum Zuge kommen, beschreibt Dr. Peter Voitl: „Zwei Mahlzeiten am Tag, zum Beispiel das Frühstück und das Abendessen, können kalte Mahlzeiten sein.“ Dabei sollten die Hauptbestandteile Brot oder Getreideflocken (als Müsli) und Milch sein. Mehr- und Vollkornprodukte punkten hier deutlich. „Dazu kommt Rohkost aus Gemüse und/oder Obst“, sagt der Kinderarzt und fügt an: „Margarine, Butter, magerer Käse und magere Wurstsorten runden in kleinen Mengen die Mahlzeit ab.“ Solche kalten Mahlzeiten seien besonders wichtig für die Versorgung mit Eiweiß, Kalzium, Vitaminen sowie Ballaststoffen.

Im Vergleich dazu besteht die warme Mahlzeit am besten primär aus Kartoffeln, Naturreis oder Vollkornnudeln sowie Gemüse oder Salat. „Dazu kommt an manchen Tagen eine kleine Fleischbeilage oder Fisch“, rät der Mediziner. Eine solche Nahrung liefere besonders gut ausnutzbares Eisen und Zink aus Fleisch, Jod aus Fisch sowie Eiweiß und Vitamine. „Zu achten ist im besonderen auf ausreichende Eisen- und Kalziumzufuhr. Der Körper nimmt Eisen aus Fleisch doch besser auf als aus Gemüse“, erklärt Dr. Peter Voitl. Und damit es den Kleinen so richtig schmeckt, kann man die Lebensmittel lustig anrichten. Gesichter aus Extrawurst und Karotten- und Paprikascheiben, „Fingerfood“ aus Gemüsestücken, die in Frühlings-, Avocado- und andere Aufstriche getunkt werden, knallbunte Smoothies, die Obst in Getränkeform geradezu auf der Zunge zergehen lassen. Der Fantasie der Eltern – und Kinder – sind keine Grenzen gesetzt.

Text: Stefan Trockel
Foto: Africa Studio - shutterstock.com


FratzChecklist: Die Nährstoffe

Kohlenhydrate

Sie sind der klassische Energielieferant und machen bei Kindern und Jugendlichen rund 50 bis 55 Prozent der Nahrung aus. Enthalten sind sie vor allem in Getreide und Getreideprodukten. Hierzu zählen unter anderem Brot, Müsli, Reis, Nudeln und Haferflocken. Vollkorn ist besser als Weißmehlprodukte.

Fette

Die Lipide stellen mit etwa 30 Prozent die zweitwichtigste Energiequelle dar. Im Vergleich schneiden grundsätzlich die pflanzlichen Fette gegenüber den tierischen besser ab. Generell gilt, dass ungesättigte Fette wie Rapsöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl gesünder sind als weniger gesättigte Fette (etwa Butter, fetter Käse und Wurst).

Eiweiße

Die Proteine dienen an vielen Stellen im Körper als wichtige Bausteine – etwa bei den Organen, dem Blut oder den Muskeln. Daneben komplettieren sie als kleinster Energielieferant das Power-Trio. Der Tagesbedarf an Proteinen wird in Gramm pro Kilogramm Köpergewicht gemessen. Dieser Wert sinkt von 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht in den ersten Lebensjahren auf 0,8 Gramm im Teenager-Alter.

Kalzium

Der Mineralstoff ist wesentlich für einen gesunden Knochenbau, eine optimale Blutgerinnung und eine gute Immunabwehr. Besonders viel enthalten ist Kalzium in Milch und Milchprodukten.

Eisen

Bei der Produktion von roten Blutkörperchen ist Eisen von fundamentaler Bedeutung. Besonders viel ist in rotem Fleisch enthalten.

Fluor

Wer Walnüsse, Meerestiere und schwarzen Tee zu sich nimmt, nutzt die besten Fluor-Lieferanten. Ziel ist die Härtung von Knochen und Zähnen.
Folsäure (Vitamin B 8)
Eine ausgewogene und vollwertige Ernährung ist der Garant für ein helles Köpfchen. Denn Konzentration und die Bildung von Zellen werden durch Vitamin B 8 unterstützt. Deshalb gehören Vollkornprodukte, grünes Blattgemüse, Kohl und  Tomaten auf den Tisch.

Magnesium

Nervensystem und Konzentration profitieren von Magnesium. Das findet sich besonders viel in Vollkornerzeugnissen, Bananen, Sojabohnen und Beerenobst.

Vitamin D

Vitamin D steckt in Käse, Eiern und fettigem Fisch. Es hilft bei der Stabilität des Skeletts.




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