Achtung: Giftig

Es ist einfach toll, den Blick schweifen zu lassen. Das Rot der Rosen kommt bei diesem Sonnenlicht richtig gut zur Geltung. Irgendwo im Baum zwitschert ein Vogel. Einige Bienen fliegen summend von Blüte zu Blüte. Wer befürchtet angesichts einer solchen Idylle eine ernste Gefahr? Doch die gibt es: Wer die falschen Pflanzen in seinem Garten hat und seine Kinder arglos dort spielen lässt, riskiert die Gesundheit seiner Zwerge. „Viele Pflanzen – auch Zierpflanzen – sind zumindest nicht gut verträglich, einige sehr giftig“, berichtet Dr. Uwe Stedtler. Der Toxikologe ist selbst Vater von zwei Töchtern und seit weit mehr als zehn Jahren Experte für das Thema Vergiftungen. Es sind gerade die Kleinsten, denen Dr. Uwe Stedtler und seine Kollegen immer wieder helfen müssen. Als besonders gefährdet gilt die Altersgruppe der Ein- bis Dreijährigen. „Kinder erkunden gerne ihre Umgebung – kleine Kinder mit allen Sinnen“, erklärt der Fachmann. Dabei sei es absolut normal, dass sie Pflanzen anfassen und auch Teile davon in den Mund stecken. „Das Verlockende ergibt sich oft durch die farbliche Attraktivität der Pflanzen und Früchte“, sagt die Medizinerin Dr. Gabriele Dostal, die seit 21 Jahren beim Giftnotruf arbeitet.

Kritische Altersgruppe: Minis bis sechs Jahre

Ihr Jüngster ist mit seinen sieben Jahren gerade aus der kritischen Altersgruppe herausgewachsen. Zwar sinkt rein statistisch ab dem dritten Lebensjahr die Gefahr einer Vergiftung mit Pflanzen(-bestandteilen) kontinuierlich, gleichwohl gelten Minis bis zum Alter von sechs Jahren als Risikogruppe. Die besondere Gefährdung dieser Kinder ergibt sich, „da sie in diesem Alter zwar schon sehr mobil sind“, so Dr. Gabriele Dostal, „aber andererseits noch nicht verantwortlich handeln“. Das ist auch der Grund, warum Mamis und Papis schon vor dem Notfall aktiv werden müssen. „Eltern sollten sich darüber informieren, welche Pflanzen nicht für Kinder geeignet sind“, sagt Kinderarzt Dr. Peter Voitl. Das gilt auf jeden Fall für den eigenen Garten. „Die Giftpflanzen sollten möglichst entfernt werden“, rät Dr. Gabriele Dostal. Deutlich umständlicher ist es da schon, die betroffenen Pflanzen an Ort und Stelle zu belassen und stattdessen auf den Nachwuchs aufzupassen. Denn: „In fremden Gärten und in den Gefahrenbereichen sollten die Kinder nie ohne Aufsicht sein“, sagt Dostal.

Eibe und Eisenhut sind äußerst giftig

Sie kennt die besonders problematischen Gewächse in den heimischen Gärten. Bei vielen Mamis und Papis sieht es dagegen anders aus. Da kann die richtige Bestimmung einer Pflanze schon mal an den mangelnden Biologie-Kenntnissen scheitern. In diesem Fall ist die Hilfe von Experten gefragt. Botaniker und Gartenbauspezialisten sind bei der Bestimmung der Pflanzen die richtigen Adressen. Auf diese Weise kann in einem ersten Schritt das wirklich problematische Grün zumindest ausgemacht werden. Vor mehr als 15 Pflanzen in unseren Gärten warnen Toxikologen besonders. Sie – oder zumindest einige ihrer Bestandteile – gelten als äußerst giftig. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise „Eibe und Eisenhut, die als schattenverträgliche Pflanzen geschätzt werden“, sagt Dr. Gabriele Dostal. Auch der Goldregen findet sich auf dieser Liste: „Die Schoten werden öfter mit Erbsen oder ähnlichem verwechselt“, sagt Dr. Uwe Stedtler. Besonders problematisch ist das Verschlucken: „Bei den meisten Giftpflanzen erfolgt eine Vergiftung nur bei oraler Aufnahme“, erklärt Dr. Gabriele Dostal. Dabei komme es auch zu den wirklich schweren Folgen mit Schmerzen, Lähmungen, Herz-Rhythmus-Störungen, Herz-Kreislauf-Kollaps, Atemstillstand und Tod. Die Bandbreite der Symptome ist ebenso vielfältig wie die Arten der giftigen Pflanzen. Stellen Eltern bei ihren Sprösslingen bereits erste Veränderungen fest und haben den Verdacht, dass Pflanzenteile verschluckt worden sind, dann gilt: „Kontaktieren Sie den Arzt oder die Vergiftungszentrale, um gezielt behandeln zu können“, rät Dr. Peter Voitl. Entsprechende Notrufnummern sollten zentral im Haus und vor allem gut zugänglich aufgehängt werden. Ein grundsätzlicher Tipp für den Fall des Falles haben die Toxikologen noch: Eventuell Erbrochenes (das Kind nur auf Weisung des Arztes künstlich zum Erbrechen bringen) oder Pflanzenreste sollten auf jeden Fall mit zum Arzt oder ins Spital mitgenommen werden.
Text: Stefan Trockel
Fotos: Robert Biedermann – shutterstock.com
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