Home > Gesundheit > Medizin und Gesundheit > Interview mit Dr. Edith Schober

Interview mit Dr. Edith Schober

Interview mit Dr. Edith Schober

Univ.-Prof. Dr. Edith Schober ist Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde im Wiener AKH und Leiterin der dortigen Diabetesambulanz.
Bei welchen Anzeichen empfiehlt sich eine Untersuchung auf Diabetes I?
Univ.-Prof. Dr. Edith Schober
Die Krankheit tritt meist vor der Pubertät auf. Wenn die Kinder mehr Durst haben, viel trinken, öfters und auch in der Nacht auf die Toilette laufen, müde werden, abnehmen oder nicht mehr zunehmen, sollte man diese Symptome mit dem Kinderarzt besprechen und ihn fragen, ob eine Blut- oder Harnzucker-Untersuchung sinnvoll wäre. 

Wie finde ich den richtigen Arzt und die richtige Therapie für mein Kind?
Univ.-Prof. Dr. Edith Schober 
Es gibt in allen Kinderabteilungen eine Diabetes-Spezialambulanz, wo Eltern und Kinder gut betreut werden. Ich empfehle dort in Betreuung zu bleiben, da man immer über die neuesten Erkenntnisse verfügt und Eltern und Kinder frühzeitig davon profitieren können. Welche Therapieform für das jeweilige Kind optimal ist, ob es etwa mit einer flexiblen Therapie nicht überfordert ist, lässt sich ebenfalls im Gespräch mit den Experten der Ambulanz klären.

Was bedeutet Diabetes I für das Leben des Betroffenen?
Univ.-Prof. Dr. Edith Schober
Diabetes-I-Patienten können Insulin nicht produzieren, sie müssen deshalb dieses für den Stoffwechsel wichtige Hormon je nach Art der Therapie mindestens zwei- bis dreimal täglich, manchmal auch öfters spritzen, sie müssen vier bis sechsmal ihren Blutzucker messen und ihr Essverhalten mit der Insulintherapie in Einklang bringen. Das ist eine enorme Belastung für Kinder, Jugendliche und Eltern. Es gibt manche, die das bewundernswert akzeptieren und sehr gut damit umgehen, während es andere nicht schaffen, diese Dinge in den Lebensalltag einzubauen und Probleme mit der Stoffwechseleinstellung haben. Um den Betroffenen das Leben mit diesen Beschränkungen möglichst zu erleichtern, gibt es in den Diabeteszentren umfangreiche Schulungen und auch unterstützende psychologische Betreuung.

Sind für die Zukunft Entwicklungen zu erwarten, die den Patienten das Leben mit der Krankheit grundlegend erleichtern werden?
Univ.-Prof. Dr. Edith Schober
Es gibt bereits Sensoren, die eine Woche lang den Zuckerspiegel im Gewebe registrieren und Bestrebungen auf dieser Basis zumindest in der Nacht die Insulinzufuhr zu steuern. Aber die Entwicklung einer künstlichen Bauspeicheldrüse in Miniaturform ist derzeit noch ein Traum.


Foto: Andrey_Popov - shutterstock.com

Diesen Artikel weiterempfehlen oder später lesen: