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    Genuss aus dem Gemüsegarten

    Genuss aus dem Gemüsegarten

    Grün, grün ist alles, was ich liebe –vegane Ernährung liegt im Trend. Doch wie gesund ist sie wirklich und vor allem: Tut sie auch Kindern gut?
    Weniger ist mehr – ein Leitsatz, der heute auf vielerlei gesellschaftliche Bereiche angewendet wird. Und auch an der Ernährung geht er nicht spurlos vorbei. Derzeit machen insbesondere die Veganer von sich reden. In Gourmettempeln wie dem An Alapanka Ma (Burgenland), dem Chez Nico (Tirol) und dem Tian (Wien), stehen auch vegane Köstlichkeiten auf der Karte und Spitzenköche zeigen in stylishem Ambiente, was Trend ist. Jung, dynamisch und verantwortungsvoll, so zeigt sich die Gruppe der Veganer. 
    Streng genommen ist der Veganismus nämlich kein reiner Speise-, sondern ein ganzer Lebensplan. Felix Hnat, Geschäftsführer der „Veganen Gesellschaft Österreich“ (www.vegan.at), erklärt: „Veganer zelebrieren – im Unterschied zu Vegetariern –einen Komplettverzicht. Tabu ist alles, was vom Tier kommt.“

    Ob das nun den Kühl-, den Kleider- oder den Badezimmerschrank betrifft; Tiere müssen draußen bleiben. Neben Fleisch, Milch (und allem, was dazu gehört, wie Joghurt oder Käse) und Gelatine zählen dazu auch Kosmetika, die mit Tierversuchen oder tierischen Erzeugnissen hergestellt werden. Auch das Tragen von Lederjacken, Lederschuhe, natürlich Pelzen, aber auch Seide oder Wollkleidung entfällt für Veganer, die ihre Lebensweise wirklich streng nehmen.

    „Natürlich muss nicht jeder so weit gehen“, sagt der Veggie-Experte und ergänzt: „Auch wer nur bei der Ernährung auf tierische Produkte verzichtet tut etwas Sinnvolles.“ Und zwar für die Traumfigur, vorbildliche Blutwerte und ein gesundes Wohlgefühl. So heißt es jedenfalls immer wieder aus den Reihen der Fleisch-Asketen. Doch genau in diesem Punkt scheiden sich die Geister zwischen Fleischessern und Gemüse-Gurus.

    Tatsächlich zeigen die Statistiken zwar, dass Veganer in der Regel schlanker sind. Doch Kritiker heben den Finger und mahnen, dass es sich hier nicht um einen gesunden Figureffekt, sondern eher um eine folgenschwere Ausmergelung handele. Vitamin- und Mineral-Defizite seien ohne tierische Ernährung quasi vorprogrammiert. Denn der Mensch sei von Natur aus ein Allesfresser.

    Und ja, tatsächlich deuten die Beschaffenheit unserer Zähne, des Magens und Darms sowie die Größe unseres Gehirns darauf hin, dass der Mensch für Fleisch geschaffen ist. Es ist vor allem das Eiweiß, Jod, Eisen sowie die Vitamine B 2 und 12, die durch Fleisch und andere tierische Produkte geliefert werden. „Aber deshalb nicht auch durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden könnten“, kontert Hnat. Zwar braucht es für die Versorgung mit den genannten Essenzen oft eine geringere Menge tierischer Produkte, doch mit ausgewählten und entsprechend portionierten Gemüse-Rationen lässt sich Fleisch-fressenden Skeptikern das Maul stopfen – und der eigene Vitaminhaushalt aufpeppen.

    Vor allem Nüsse, Spinat und Hülsenfrüchte sind übrigens unschlagbare Vitamin-Bomben. Und auch sonst ist gegen eine tier-freie Ernährung nichts einzuwenden. Im Gegenteil: „Vegane Lebensmittel enthalten kein Cholesterin, weniger gesättigte Fettsäuren, weniger Harnsäure, aber mehr Vitamine und Spurenelemente. Vegane Ernährung beugt sogar gewissen Krebsarten vor“, schwärmt Hnat. Überdies sei auch der Wellness-Effekt groß. Die Verdauung funktioniert besser, der Verzicht auf schweres Fett mache wacher und fitter und angeblich sollen Gemüse-Fans auch einen besseren Körpergeruch und ein schöneres Hautbild haben. 


    Text: Linda Freutel, Isabel Müller
    Foto: Cienpies Design - shutterstock.com




    Interview

    Vegane Ernährung ist aktuell sprichwörtlich „in aller Munde“ und viele begeisterte AnhängerInnen und neue Fans dieses Ernährungstrends wollen auch ihre Familien vegan ernähren bzw. für diese Form der Ernährung begeistern. Worauf es dabei ankommt und was man speziell bei Babys und (Klein-)Kindern genau beachten sollte, hat fratz-Autorin Isabel Müller bei Dipl.-Oecotrophologin Sabrina Bardas hinterfagt. Sie ist seit vielen Jahren begeisterte Ernährungstherapeutin. Mit „essbar – das genusscoaching“ bietet sie Genuss-Coachings, Ernährungstherapien, Vorträge oder Kochkurse für Firmen, Erwachsene sowie Kinder uvm. Weitere Infos: www.ess-bar-das.de und www.facebook.com/essbardas


    fratz&co Wenn eine Veganerin eine Schwangerschaft plant – würden Sie dazu raten, aufgrund ihrer Ernährungsweise spezielle Untersuchungen machen zu lassen?

    Sabrina Bardas Aussagekräftige Blutwerte können leider nicht bestimmt werden, entscheidend ist, wie lange eine Veganerin vor der Schwangerschaft schon vegan lebt. Da der Körper z.B. Vitamin B12 für circa drei Jahre speichern kann, kann es danach (oder je nach vorheriger Lebensweise auch schon vorher) zu einem Mangel und damit zu schwerwiegenden Mangelzuständen für Mutter und, vor allem, das Kind kommen. Vor einer Schwangerschaft bzw. generell für Veganer sollte auf alle Fälle schon eine Ergänzung mit Vitamin B12 stattfinden.
    Auch die Omega-3-Fettsäuren, vor allem die wirksamen und in tierischen Lebensmitteln vorkommenden Formen, EPA und DHA, können, nicht nur für Veganer, ein Problem sein. Das pflanzliche Omega-3 aus z.B. Leinsamen, Leinöl, Leindotteröl, Walnüssen und ihr Öl, Hanfsamen und das Öl daraus wird nur zu circa 4% in die wirksame Form umgewandelt. Hier bieten sich aber inzwischen vegane Algenöl-Präparate an, die in Tanks gezüchtet werden, hier besteht also auch keine Gefahr der Schwermetallbelastung. Omega-3 ist wichtig für die Gehirn- und Sehnervenentwicklung beim Ungeborenen.
    Vitamin D als Hormon hat unzählige Funktionen im Stoffwechsel und tritt in Interaktion mit etlichen anderen Hormonen. Ein Mangel an Vitamin D tritt inzwischen bei sehr vielen Menschen auf, dieser Blutwert sollte, am allerbesten einmal jährlich im Herbst, sowohl bei Veganern als auch bei Nicht-Veganern, bestimmt werden.


    fratz&co Angenommen, es besteht ein Mangel an Vitamin B12 oder einem anderen wichtigen Vitamin. Welche Risiken bestünden für Mutter und Baby? 

    Sabrina Bardas Vitamin-B12-Mangel bleibt oft sehr lange unentdeckt, bevor schwere körperliche Symptome einsetzen. Über viele Jahre können Müdigkeit, Depressionen und leichte Entzündungen im Mund die einzigen äußeren Anzeichen sein – verständlicherweise werden diese aber selten mit einem B12-Mangel in Verbindung gebracht. Schwere Symptome wie treten oft erst nach über zehn Jahren auf. Bei Kindern, die durch einen Vitamin-B12-Mangel der Mutter in einen Mangelzustand kommt, kann es im schlimmsten Fall zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen kommen, die, wenn sie bemerkt werden, oft nicht mehr reversibel sind.


    fratz&co Allgemein bekannt ist heutzutage, welch wichtige Rolle Folsäure für Schwangerschaft  sowie Stillzeit spielt. Welche Lebensmittel sind gute Folsäurequellen und kommen diese im veganen Speiseplan ausreichend vor?

    Sabrina Bardas Folsäure kommt im veganen Speiseplan mehr als genug vor, da es sich in allen grünen Blattgemüsen befindet wie Mangold, Spinat, Salat (vor allem dunkle Salate wie Vogerlsalat), aber auch in Tomaten, Gemüsepaprika, Vollkornprodukten, Weizenkeimen, Kartoffeln, Nüssen und Bierhefe.


    fratz&co In diversen Medien verbreitete sich kürzlich die unglaubliche Geschichte einer Mutter, die sich weigerte, ihr Baby zu stillen und auch keine Säuglingsmilchnahrung füttern wollte (http://www.news.de/gesundheit/855544008/mutter-ernaehrt-baby-vegan-verweigerung-der-muttermilch-fuehrte-zur-festnahme/1/). Stattdessen gab Sie ihrem Neugeborenen sofort Sojamilch. Was ist Ihre Meinung dazu?

    Sabrina Bardas Da ich den konkreten Fall nicht kenne und nicht weiß, welche Hintergründe (Allergie etc.) noch vorhanden waren, ist eine Einschätzung schwierig. Ich denke aber nicht, dass Sojamilch eine geeignete Ernährung ist, da Soja eine Hülsenfrucht ist, die man bekanntlich Babys auch nicht gleich als erste Beikost-Mahlzeit gibt. Zudem hat Soja ein hohes allergenes Potential und ist generell nur bedingt geeignet für unsere Ernährung, zudem bleibt noch das Risiko der gentechnischen Veränderung, sofern es kein Bio-Soja ist. Ich würde jeder Mutter, die mich um meine Meinung bittet, unter Beachtung der sonstigen Umstände auf jeden Fall von der Fütterung ihres Babys mit Sojamilch abraten.


    fratz&co Die WHO rät generell, ein gesundes, voll ausgetragenes Baby die ersten Monate voll zu stillen (http://www.still-lexikon.de/91_beikost_who.html) – das gilt auch für vegane Babys, oder?

    Sabrina Bardas Ja, auf jeden Fall! Einzige Einschränkung: Die Mutter muss sich selbst gut mit Nährstoffen versorgen, vor allem eben mit Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, da sonst das Kind mit der Muttermilch natürlich weniger Nährstoffe abbekommt und die Mutter außerdem noch schneller in einen Mangelzustand rutscht.


    fratz&co Gibt es Nährstoffe, auf die VeganerInnen bei Einführung der Beikost bzw. der Ernährung ihrer (Klein)Kinder speziell achten sollten?

    Sabrina Bardas Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, allerdings sollte einem Kind selbst die Entscheidung überlassen werden, was es (an natürlichen Lebensmitteln) probieren mag und was nicht, um die Möglichkeit der Geschmacksprägung in den ersten sieben Lebensjahren maximal auszunutzen! 


    fratz&co Was sind Lebensmittel, die in der veganen Ernährung besonders wertvoll und von ihrer Zusammensetzung her ideal sind?

    Sabrina Bardas Sehr nährstoffreich und wertvoll sind stets die möglichst wenig verarbeiteten Naturprodukte, nicht nur im veganen Bereich, wie: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen und Linsen aller Art), ungesalzene Nüssen und Samen sowie frisches Obst und Gemüse.


    fratz&co Ist es notwendig, einem Kind, das von klein auf vegane Kost erhält, angereicherte Nahrungsmittel oder Ergänzungspräparate zu geben? 

    Sabrina Bardas Ja, und ich muss ein Kind haben das möglichst alle ihm noch verfügbaren Lebensmittelgruppen problemlos isst, ansonsten kann es zu einem Mangel kommen, je mehr Lebensmittelgruppen außen vor gelassen werden.


    fratz&co ÄrztInnen sagen, dass Kinder Kuhmilch trinken und Fleisch essen müssen, um sich optimal entwickeln zu können – der Mensch sei schließlich ein Allesfresser. Ist es nun wahr, dass Kinder, die vegan aufgezogen werden, öfter an Mangelerscheinungen leiden oder sich nicht normal entwickeln?

    Sabrina Bardas Eine pauschale Aussage hierzu gibt es nicht, schließlich kennen sich viele Menschen, die vegan leben, auch sehr gut in der Ernährung aus und essen sehr bewusst und sehr hochwertig und nährstoffreich. Tue ich das aber nicht und folge nur dem aktuellen Trend „Vegan“ und das auch noch mit meinem Kind, wird das sicherlich negative Folgen haben können, dann grenzt für mich vegane Kinderernährung an Kindeswohlgefährdung.




    Buchtipps

    Vegane Superfoods, Surdham Göb, www.at-verlag.ch
    Tolle Rezepte mit den angesagten „Superfoods“: Ob originelle Frühstücksideen, Snack-To-Go, erfrischende Drinks, Suppen oder süße und pikante Hauptspeisen sowie Kuchen -  hier bekommt man schon beim Durchblättern Lust, Algen, Rohkakao, Gojibeeren und viele andere Superfoods selbst zu verarbeiten und zu genießen. 

    Veganpassion - vegane Lieblingsrezepte zum Backen: Das große Veganbackbuch, Stina Spiegelberg, www.neunzehn-verlag.de
    Backen ohne Ei, Schlagobers & Co? Dass das keine Kunst und zudem äußerst lecker und für jedermann nachzumachen ist, beweist dieses Buch! Dank Fotostrecken und großem Warenkundeteil mit vielen nützlichen Infos gelingt wirklich jedes Rezept, was dieses Buch ideal für (vegane) Backanfänger macht. Und Cranberry-Streusel-Bars, Joghurt-Madeleines, Gebackene Olivenknoten oder Tomaten-Hackpie machen doch auch Sie neugierig, oder?

    Vegan Rockt! Das Backbuch bzw. Muffins & Cupcakes, www.edition-lempertz.de
    Sie suchen ein cooles Geburtstagsgeschenk für eine/n vegane/n Freund/in? Oder möchten Sie Ihre Familie mit selbstgemachten, veganen Köstlichkeiten verwöhnen, die nicht nur widerwillig probiert, sondern sogar begeistert vertilgt werden? Dann sind die Bücher der „Vegan Rockt!“-Reihe garantiert das, was Sie brauchen. Darin finden sich nämlich aktuelle Trendbackwaren wie Muffins, Cupcakes, Brownies, Scones und Cookies genauso wie Pizzabrötchen, Quiches und Pies. 




    Sabrina Bardas ist seit vielen Jahren begeisterte Ernährungstherapeutin für Apfel, Birne oder Bohnenstange und „Esspertin“ für Essen mit Spaß und Genuss. Mit „essbar – das genusscoaching“ bietet sie Genuss-Coachings, Ernährungstherapien, Vorträge oder Kochkurse für Firmen, Erwachsene sowie Kinder uvm. Weitere Infos: www.ess-bar-das.de und www.facebook.com/essbardas

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