Jugend in Österreich: „Sie hören uns nicht zu!“

Zwei Jahre Pandemie haben die Jugend erschöpft. Mehr als die Hälfte sieht sich als verlorene Generation. Schwer frustriert sind sie auch von der Politik: Vier von fünf Jugendlichen meinen, dass ihre Interessen nicht berücksichtigt wurden. Dabei wollen Österreichs Jugendliche durchaus solidarisch an einer besseren Zukunft mitarbeiten. Wenn man sie lässt.

Österreichs Jugend ist besser, und nachdenklicher, als in den meisten Medien – vor allem den Boulevardmedien – dargestellt. Während in zahlreichen österreichischen Medien und immer öfter auch auf Facebook, in den letzten beiden Jahren über „Coronapartys“, „Vandalenakte“ aus Frust über die Corona-Maßnahmen und „ungebührliche Zusammenrottungen“ trotz Verbots berichtet wurde, sind die wichtigsten drei Themen, die Österreichs Jugendlichen derzeit Sorgen bereiten:

• Krieg (in der Ukraine) 84%
• Klimawandel 67% und die weiter auseinandergehende
• Schere zwischen Arm und Reich 59%

Erst auf Platz 4 folgen die Sorgen über Pandemie, die gleichauf mit den Sorgen vor einer Wirtschaftskrise von 55% der befragten Jugendlichen zwischen 16 und 25 genannt wurden. Noch eindeutiger fällt das Ergebnis aus, wenn es darum geht wo Österreich bei den großen Zukunftsthemen gut oder schlecht unterwegs ist. 87% der befragten Jugendlichen meinen, dass wir in punkto Schere Arm/Reich schlecht unterwegs sind. Ein Thema, das in den großen Medien des Landes eher weniger Beachtung findet. Platz zwei belegt bei den Jugendlichen der Klimawandel, bei dem 82% meinen, dass wir schlecht unterwegs sind.

 

Die Studie: Ausgewählte Folien

 

 

Solidarität statt Egoismus

Während in weiten Teilen der älteren Bevölkerung gerne von der „unsolidarischen Jugend“ die Rede ist, zeichnet die die dritte große Jugendstudie von Ö3, die vom Meinungsforschungsinstitut SORA begleitet wurde, ein gänzlich anderes Bild. Die Sorge um die Pflege – der älteren Generation – landet auf Platz 3 bei der Frage, bei der es darum geht wo Österreich gut oder schlecht unterwegs ist. 75% meinen, dass sich die österreichische Gesellschaft/Politik hier nicht gut schlägt.
Dass es ohne Solidarität nicht geht ist bei Österreichs Jugendlichen fest verankert. Auf die Frage „Ohne Solidarität geht’s nicht im Leben?“ erklären 91%: „Ja – wir sind aufeinander angewiesen und trotz unterschiedlicher Interessen: Es geht nur gemeinsam.“

Wie es nach Corona weiter geht? 51% meinen, dass „alt und jung jetzt gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten“ sollten. Lediglich 15% meinen: „Vor allem die Älteren müssen zu ihren Fehlern stehen und jetzt das Steuer herumreißen.“ Österreichs Jugend ist also durchaus bereit an einer besseren Zukunft mitzuwirken um die gesellschaftliche Kluft, die sich nicht zuletzt durch Corona aufgetan hat, wieder zu überwinden.

Das Köpferl im Sand

Was die Bewältigung der Zukunftsthemen betrifft stellen die jungen Österreicher:innen Politik und Gesellschaft kein gutes Zeugnis aus. Zwischen drei Viertel und vier Fünftel von ihnen prangern große Versäumnisse bei den großen Zukunftsthemen an (siehe oben). „Der Politik werfen die jungen Menschen vor, schon viel zu lange den Kopf in den Sand zu stecken und wenn, kurzsichtig oder populistisch zu handeln (88%)“ heißt es in der Präsentation zur Studie (siehe Link).

Wir werden nicht gehört

Was die Politik betrifft wurde das Vertrauen der Jugend in sie aber vor allem in die eigene Zukunft den vergangenen beiden Corona-Jahren massiv geschädigt. 80% der immerhin 24.000 jungen Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben den Eindruck, dass sie während der Pandemie von der Politik nicht gehört worden wurden, 2021 waren es 74%.
Und während in den offiziellen Darstellungen gerne darüber geschrieben und gesprochen wird, dass an Österreichs Schulen, Unis und in der Lehre alles ganz gut über die Bühne gebracht wurde, widersprechen die Jugendlichen deutlich: 69% meinen: „Da ist viel schiefgelaufen, das wird uns noch lange nachhängen.“ Lediglich 31% erklären: „Ich mache da niemandem Vorwürfe, wir werden das alles schon wieder aufholen.“

Eine verlorene Generation

Die vergangenen zwei Jahre – vor allem das zweite Pandemiejahr – haben auch den Blick auf die eigene Zukunft merklich verdüstert. In der Umfrage 2021 – als mitten im ersten Jahr der Pandemie – stimmten nur 37% - etwas mehr als ein Drittel - der Jugendlichen folgender Aussage zu: „Auswirkungen der Pandemie auf Ausbildung, Arbeitsmarkt, Sozialleben: eine verlorene Generation? – Ja das ist leider so.“ Mittlerweile sehen sich 54% der Befragten als „Verlorene Generation“.
Das sollte zu denken geben – uns allen, aber auch der Politik.

Bild: Sujet - Pixabay/Dana Tentis

Hier gibt es die komplette Präsentation.

 

Related Stories
Search Posts

S‘ Köpferl im Sand

Alt, gut und aktueller denn je: „Ein beinhartes Protestlied …“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden