Wenn der Storch kommt

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Die Freude bei Susanne und Stefan ist unbeschreiblich, als klar wird: „Wir sind schwanger!“ Gewünscht haben es sich beide schon einige Zeit, bei ihr ist der Traum vom Baby allerdings bereits länger durch den Kopf gegeistert. Spätestens als wir und andere Freunde die Begeisterung mit Susanne und Stefan teilen, herrscht Partystimmung. Die wird bei Mami in spe die nächsten Monate nicht unbedingt anhalten, gleichwohl liegen vor ihr nun ereignisreiche und spannende Wochen. In denen entwickelt sich aus der winzigen Eizelle ein komplexer Organismus.

Es wird eine Zeit sein, in der sich auch der weibliche Körper ständig verändert. Tage voller Höhen werden sich mit Tagen voller Tiefen abwechseln. In manchen Momenten wird die Schwangere das kleine Leben in sich deutlich spüren. Mama und Baby bilden eine Einheit, genauso wie Körper, Seele und Geist die Schwangerschaft ganzheitlich erleben.

1. Monat

Der Prozess der Zellteilung beginnt rund einen Tag nach der Befruchtung der Eizelle. Zeitgleich wird das Hormon HCG (Humanes Choriongonadotropin) ausgeschüttet – damit kann nun eine Schwangerschaft nachgewiesen werden. Der Startschuss ist gefallen: Der weibliche Körper samt Hormonhaushalt schaltet komplett auf „Schwangerschaft“ um. „Fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung nistet sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter ein“, erklärt Mediziner Dr. Peter Voitl. Dieser Zellhaufen, der durch die mehrfache Teilung entstanden ist, wird im Fachjargon Keimblase genannt. „Am Ende dieses ersten Monats beträgt die Größe des Embryos zwei Millimeter“, erklärt Dr. Voitl.

2. Monat

Während die ersten vier Wochen eher unauffällig verlaufen sind, zeigen sich ab dem zweiten Monat bei der werdenden Mutter erste Indizien. Die Periode bleibt aus. Weiters kann infolge der Hormonumstellung nun die berühmte Morgenübelkeit den Tag einleiten. Bis zur 14. Schwangerschaftswoche kann das Unwohlsein ein regelmäßiger Begleiter sein. Ein weiteres Zeichen für die Schwangerschaft ist das Gelichbleiben der so genannten Basaltemperatur, die im Normalfall nach der Periode absinkt und Morgens nach dem Aufwachen gemessen wird.

Außerdem werden bei der zukünftigen Mama die Brüste empfindlicher, aufgrund der wachsenden Milchdrüsen können Spannungsgefühle auftreten. Die Nase wird deutlich empfindlicher, der Gaumen fordert das Stillen des Heißhungers auf bestimmte Speisen ein. Während sich der weibliche Körper nach und nach verändert, wächst der Embryo in einem irren Tempo. „Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse sowie der Mund und das Innenohr entstehen“, berichtet Dr. Peter Voitl und fügt hinzu: „Gegen Ende des Monats bilden sich Finger, und die Augen werden sichtbar.“ Jetzt misst der winzige Körper immerhin schon rund anderthalb bis zwei Zentimeter.

In diesem Monat erhält die Mami in spe auch den Mutter-Kind-Pass. Die erste Untersuchung sollte bis zum Ende der 16. Schwangerschaftswoche erfolgen. Hierbei wird überprüft, ob der Embryo sich richtig in der Gebärmutter eingenistet hat. Je nach Entwicklungsstand des Kleinen kann zudem das kleine Herz unter die Lupe genommen werden. Zur Untersuchung gehört auch eine umfangreiche Analyse des Blutes.

Ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat
kann – auf freiwilliger Basis – eine Scheitel-Steiß-Messung durchgeführt werden. Hierbei ermittelt der Arzt mit dem Ultraschall die Entfernung zwischen den beiden Stellen. Diese Methode wird genutzt, um zu ermitteln, an welchem Punkt sich die Schwangerschaft (Stichwort Schwangerschaftswoche) befindet.

3. Monat

Die Hormone, allen voran Östrogen, sorgen auch im dritten Monat für einige Aktivität im weiblichen Körper, für das Wachsen der Brüste und andere Veränderungen. Daneben wird nun vermehrt Wasser im Gewebe eingelagert. Die Haut wirkt insgesamt glatter. Ein weiteres Hormon sorgt dafür, dass der Gebärmutterbereich entspannt ist. Allerdings treten durch dieses Hormon auch störende Nebeneffekte im Darmbereich auf: Blähungen und Verstopfungen.

Bei manchen Frauen geht die Veränderung über diese körperlichen Symptome hinaus. Die Psyche fährt zeitweise Achterbahn, Vorfreude mischt sich immer wieder mit Ängsten und Zweifeln. Das ist ganz normal für eine solch schwierige Situation voller Veränderungen. Hiervon ungestört entwickelt sich der Embryo nun immer mehr zu einem erkennbaren kleinen Menschen. „Ohren und Nase zeichnen sich ab“, erzählt Dr. Peter Voitl, und er ergänzt: „Im Ultraschall kann man die ers-ten Bewegungen erkennen.“ Innerhalb dieses Monats verdreifacht das Ungeborene seine Größe nahezu.

Tipp: Schwangere sollten nun auf verstellbare BHs umsteigen, die mit dem Wachstum der Brüste mithalten. Den erhöhten Jodbedarf in dieser Phase der Schwangerschaft gilt es nach Rücksprache mit dem Arzt durch entsprechende Mittel auszugleichen.

4. Monat

im Laufe des Monats dokumentiert die Waage klar: Es tut sich einiges. Nach der Faustformel nimmt eine schwangere Frau etwa ein Kilogramm in vier Wochen zu. Allerdings ist dies nur ein Mittelwert. Leider kann es hierbei zu einer ungeliebten Erscheinung kommen – den Schwangerschaftsstreifen. Während einige Frauen gänzlich davon verschont bleiben, tauchen sie bei anderen umso deutlicher auf: Das Bindegewebe reißt und es zeigen sich millimetergroße, längliche Linien an Brust, Bauch und Gesäß. Sie werden durch die Einlagerung von Flüssigkeit und die generelle Volumenszunahme verursacht. Manche Frauen bringen bereits in diesem Monat durch leichten Druck auf die Brustwarzen Tröpfchen zum Vorschein, die sogenannte Vormilch. Außerdem sinkt das Risiko einer Fehlgeburt von nun an deutlich.

Der Winzling startet jetzt in seine fetale Phase. Das Gesicht entwickelt sich weiter, der Knochenbau geht in die nächste Stufe und die Geschlechtsorgane werden ausgebildet. „Die ersten Haare kommen zum Vorschein, Fingernägel beginnen sich zu bilden und das Kind fängt an zu hören“, so Dr. Peter Voitl. Das am Ende des Monats etwa 15 bis 16 Zentimeter große Wesen nuckelt jetzt schon am Daumen, und übt sich im Bewegen von Muskeln.

5. Monat

So viel Aktion im Bäuchlein bleibt von Mami nicht unbemerkt. Mama braucht etwa ab der 20. Woche keinen Ultraschall mehr, um die Spielchen ihres Winzlings wahrzunehmen. Nach und nach sind diese auch von außen zu spüren, wenn man eine Hand auf Muttis Bauch legt.

Der zeigt indessen eine deutliche Rundung. Eventuell muss die künftige Mami jetzt Schwangerschaftsmode einkaufen gehen, denn der Hosenbund beginnt zu zwicken. Auch an anderer Stelle der Mama in spe tut sich einiges: Neben Geschmackssinnsveränderungen lässt sich auch Zahnfleischbluten beobachten, etwa beim Zähneputzen, was mit dem erhöhten Blutfluss im Körper zu tun.

Im Schnitt knackt der Zwerg nun die 20-Zentimeter-Marke. Für den Nachwuchs ist Mamis Bauch inzwischen zur Spielwiese geworden. Alles wird abgetastet, Ärmchen und Beinchen fuchteln herum. Die Muskulatur des Fötus wird immer kräftiger und das Skelett wächst weiter. „Das Kind entwickelt einen Schlaf-Wach-Rhythmus. Es kann von den Bewegungen der Mutter geweckt werden“, so Dr. Peter Voitl.

Nun, zwischen der 17. und der 20. Schwangerschaftswoche, ist auch die Zeit für die zweite Untersuchung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes gekommen. Bestandteil ist auch ein Check der inneren Organe, den in der Regel der Hausarzt übernimmt. Ab der 18. Schwangerschaftswoche empfiehlt die Mutter-Kind-Pass-Verordnung regelmäßige Ultraschalluntersuchungen. Bei dieser Technik – auch als Sonografie bekannt – fährt der Arzt mit dem Ultraschallkopf über den Bauch der Mutter. Die ausgesendeten Wellen werden wie beim Radar oder Echo zurückgeworfen. Daraus wird schließlich ein Bild produziert, das auf einem Monitor erscheint.

6. Monat

Das Bergfest haben Mama und Baby im sechsten Monat inzwischen hinter sich gelassen. Die Brüste sind deutlich größer geworden, haben unter Umständen schon die nächste Körbchengröße erreicht. Auch die Gebärmutter wächst ständig – mittlerweile in den oberen Bauch hinein. Das wird von dem einen oder anderen Ziehen begleitet. Zudem können die sogenannten Schwangerschaftswehen zu spüren sein. Diese äußern sich als rasches Zusammenziehen und Entspannen der Gebärmutter – eine erste Übung für die spätere Entbindung. „Würde das Kind jetzt geboren, hätte es erste Überlebenschancen“, weiß Fachmann Dr. Peter Voitl. Der winzige Körper nimmt immer mehr die menschliche Gestalt an, während er weiterhin fleißig übt und trainiert. An manchen Tagen spürt die Schwangere stundenlang die Bewegungen, an anderen so gut wie gar nichts. Wachstum und Gewichtszunahme sind in dieser Phase die Hauptaufgaben des Zwergs. Bis zu 30 Zentimeter misst der Körper am Ende des sechsten Monats, und er bringt ein Gewicht zwischen 600 und 800 Gramm auf die Waage.

7. Monat

Die Luft wird in Monat sieben dünner – zumindest für die Schwangere. Denn die Gebärmutter drückt das Zwerchfell nach oben. So können sich die Lungenflügel nicht mehr voll ausdehnen. Das Herz-Kreislauf-System der werdenden Mami leistet jetzt volle Arbeit. Immer mehr Blut muss durch den Körper gepumpt werden, weil hierüber das Baby mitversorgt wird. Bis zum Ende der Schwangerschaft summiert sich der Lebenssaft deshalb um etwa anderthalb zusätzliche Liter. Die Folgen für die Mutter sind ein erhöhter Puls und eine höhere Temperatur. Das Leben wird aber insgesamt langsamer. Wie ein roter Faden ziehen sich ab jetzt die zwangsweisen Ruhephasen durch den Tag. Tipp: Tiefes Atmen trotz der Beschwerden üben, damit Mami und Baby mit genügend Sauerstoff versorgt werden.

„Das Kind wiegt am Ende des Monats bis zu anderthalb Kilogramm“, so Dr. Peter Voitl. Jeder Tag im Bauch der Mutter bedeutet enorme Fortschritte für die Organe des Winzlings, der immerhin bis zu 35 Zentimeter misst: Unter anderem werden nun das Seh- und Hörvermögen ausgebildet.
Zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche ist wieder Besuchszeit beim Gynäkologen. Der dritte Check im Rahmen des Mutter-Kind-Passes steht an. Diesmal werden Blutwerte (Hämatokrit und Hämoglobin) ermittelt, und die Mama wird auf eine mögliche Hepatitis-B untersucht.

8. Monat

Spätestens jetzt weiß der Körper der Mutti: Schwangerschaft ist Schwerstarbeit. Besonders anstrengend sind längeres Stehen oder Gehen. Zusätzlich treten Juckreiz, Wadenkrämpfe, Verstopfung, Sodbrennen, Rückenschmerzen, vermehrter Harndrang, Krampfadern, Hämorriden etc. auf. Die Gebärmutter schafft sich im Bauchraum noch mehr Platz und schiebt die übrigen Organe zusammen. Damit die Schwangere sich schonen kann, beginnt für Berufstätige nun der Mutterschutz. Tipps: Öfters mal die Beine hochlegen, das entlastet. Bei Hämorriden unbedingt den pH-Wert im Scheidenbereich im Auge behalten, weil die Ansiedlung von Pilzen droht. Bei Wadenkrämpfen hat es sich bewährt, einige Schritte zu gehen. Gegebenenfalls kann mit Mineralstoffpräparaten vorgebeugt werden – Überdosierung vermeiden! Die inneren Organe haben sich beim Baby inzwischen prächtig entwickelt und sind im Laufe dieses Monats meistens schon ausgereift. Eine Ausnahme bildet die Lunge. Die Hörfähigkeit nimmt ständig zu, das Kleine kann inzwischen Stimmen unterscheiden. „Die Haut bildet eine dicke Schicht Käseschmiere. Das ist eine Fettschicht, die die Haut schützt“, sagt Dr. Voitl über das Ungeborene, das nun mehr als 40 Zentimeter misst.

Im Laufe der 30. bis 34. Woche steht die nächste Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen an. Das Augenmerk des Arztes gilt jetzt der Entwicklung und dem Wachstum des Winzlings.

9. Monat

Mami trägt im neunten Monat ansehnliche zehn bis zwölf Kilo Übergepäck mit sich herum. Das bleibt nicht folgenlos, denn sogar das Liegen wird zum Problem. In der Rückenlage kann die Gebärmutter wichtige Adern, die unter anderem auch zur Versorgung des Nachwuchses dienen, abdrücken. Außerdem kann es dadurch zu Blutstauungen in den Beinen und im Unterbauch kommen. Folgen sind unter anderem Herzklopfen oder Schwindel. Auch deshalb ist die Seitenlage im Bett eindeutig die bessere Wahl. Mit jedem Tag der Schwangerschaft wächst außerdem die psychische Belastung – besonders bei Frauen, die zum ersten Mal ein Baby erwarten. Spätestens jetzt tauchen viele (auch quälende) Fragen rund um den näherrückenden Geburtstermin und die Zeit danach auf. Nachts plagen einen Albträume. Von alledem bekommt das Baby so gut wie nichts mit. Es strampelt munter (soweit es noch Platz hat), lutscht am Daumen, trainiert die Atembewegung und reagiert mit seinen Augen auf äußerliche Lichtreize. Knapp drei Kilogramm bringt ein durchschnittliches Kind mit seinen mehr als 45 Zentimetern nun auf die Waage.
Ab Mitte des neunten Monats (35. bis 38. Schwangerschaftswoche) wird die letzte Kontrolle bei Mami vorgenommen. Damit ist die Vorsorge abgeschlossen, die der Mutter-Kind-Pass vorsieht.

Endphase

Die letzte Phase der Schwangerschaft verschaff t der Mutter erst einmal Linderung. Vor allem das Atmen fällt durch die Verlagerung von Gebärmutter und Baby deutlich leichter. Allerdings hat das „Gepäck“ noch einmal zugelegt, auf bis zu 15 Kilogramm. Besonders der Rücken beschwert sich hier-über. Liebevolle Massagen des Partners scha. en hier Linderung. Die häufiger werdenden Vorwehen deuten an: Die Entbindung rückt näher, erfolgt meist jedoch nicht am errechneten Tag. „Die Babys halten sich nur zu einem kleinen Teil an den Termin“, sagt Dr. Peter Voitl. Viele Babys verspäten sich – und das, obwohl sie sich meistens seit der 36. oder 37. Schwangerschaftswoche in der Startposition für die Geburt be. nden. Standard ist, dass der Kopf nach unten zeigt und schließlich ins Becken eintritt. Bei der Geburt wird das Kind zwischen knapp drei und vier Kilogramm wiegen und in etwa 50 Zentimeter groß sein. Und die Freude der Eltern wird riesig sein, wenn sie ihr ersehntes Kleines endlich in die Arme schließen. Herzlich willkommen auf der Welt, kleiner Erdenbürger!

Fotos: Andresr/Shutterstock.com

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