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Ausgegurkt
22.05.2018 13:11
Foto: VICUSCHKA - shutterstock.com

Ausgegurkt

Einst waren die Gurkensorten aus dem südmährischen Raum Znaim und Umgebung eine Weltmarke, die bis nach Amerika und Indien exportiert wurde. Der Zusatz „Znaimer“ zu Gulasch oder Rostbraten drückte aus, dass die Speisen durch den Zusatz von Gurken einen besonderen erhalten hatten. So erfolgreich jedoch auch der Gurkenexport war, und so vielgerühmt der Geschmack der Znaimer Gurke, schützte das jedoch nicht vor Kriegen und den damit einhergehenden politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden die ursprünglichen Znaimer Gurken und gelten heute als ausgestorben.

75 % der Nutzpflanzen gingen während der vergangenen 100 Jahre verloren, und täglich sterben weitere für immer aus. In den Regalen der Supermärkte tummeln sich von den ursprünglich 2.000 die stets gleichen 20 Apfelsorten. Kohl, Mais, Erbsen, Paradeiser, Karotten … Die Industrielle Landwirtschaft bevorzugt ein paar wenige Sorten, die perfekt deren Anforderungen angepasst wurden.

Weil das langweilig und traurig ist, wurde 1989 der Verein ARCHE NOAH gegründet, dessen Ziel es ist, die Artenvielfalt zu bewahren, und ursprüngliche und seltene Sorten wieder in Gärten und auf Märkte zu bringen. Außerdem kann man nie wissen, wann wieder Bedarf nach einer alten Sorte besteht, sei es wegen ihrer Inhaltsstoffe, oder wegen ihrer Widerstandsfähigkeit. So hat ARCHE NOAH nicht bloß ein Samenarchiv angelegt, sondern ist dabei zur Sicherheit ein Zweitlager anzulegen. Des Weiteren finden regelmäßig Kurse, Seminare und Veranstaltungen statt, und man hat die Gelegenheit Samen zu kaufen, um seltene Pflanzen selbst anzubauen. Man kann diese im Internet bestellen, oder im Schaugarten in Schiltern kaufen. Auch in Wien kann man im Pop-Up-Store diese Woche noch Samen, Setzlinge und Literatur zum Thema erwerben.


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