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Die Rückkehr der Masern
24.08.2018 14:02
Foto: phichet chaiyabin - shutterstock.com

Die Rückkehr der Masern

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) schlägt Alarm: während sich in Österreich 2017 die Zahl der registrierten Masernfälle im Vergleich zum Vorjahr verdreifachte (2017: 95, 2016: 27), wurden dieses Jahr bereits 62 Masernfälle bekannt. Laut WHO haben sich in Europa im ersten Halbjahr laut WHO mehr als 41.000 Kinder und Erwachsene mit Masern infiziert, woran 37 Menschen starben.

Laut dem Impfreferent der ÖÄK Hans Jürgen Dornbusch, verlaufen Masern häufig schwer und manchmal sogar tödlich. In 20 von 100 Masernfällen treten Komplikationen wie Bronchitis, Mittelohr- und Lungenentzündung auf. Bei etwa einem von 1000 Erkrankten kommt es zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung. Das Immunsystem kann bis zu zwei Jahre nach der Heilung beeinträchtigt sein.

Misstrauen gegenüber offiziellen Impfempfehlungen sei absolut unangebracht, betonen die Impfexperten der Österreichischen Ärztekammer. Internationalen Standards entsprechend werden auch in Österreich die Impfempfehlungen von einem unabhängigen Nationalen Impfgremium erarbeitet. Der Österreichische Impfplan werde von dieser Expertenkommission gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium alljährlich auf Basis aktuellster wissenschaftlicher Daten überarbeitet.

„Jede Impfung, die dieses Gremium empfiehlt, hat eine absolut sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durchlaufen. Die Österreicherinnen und Österreicher können sich darauf verlassen, dass bei empfohlenen Impfungen eventuelle Risiken so verschwindend gering sind, dass sie in keinem Verhältnis zum Schaden stehen, den eine durch die Impfung verhinderbare Erkrankung verursacht“, betonte ÖÄK-Impfreferent Dornbusch.

Deshalb appelliert das ÖÄK-Impfreferat, den Impfstatus routinemäßig kontrollieren zu lassen. Volksanwalt Günter Kräuter meint: „Erst ab einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent sind auch Menschen geschützt, die nicht gegen Masern geimpft werden können, wie etwa Säuglinge, Krebspatienten oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem“. Deshalb schlägt Kräuter vor, Impfungen an die volle Auszahlung von Sozialleistungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu knüpfen. Das ist für den ÖÄK-Präsidenten Thomas Szekeres eine Überlegung wert.

In europaweit kam es in letzter Zeit unter anderem in Frankreich, Serbien, Griechenland und der Ukraine zu verstärkten Ausbrüchen von Masern. Um das Vertrauen in Impfungen zu erhöhen, schlägt das EU-Parlament vor, mehr Transparenz bei der Herstellung und Bewertung von Impfstoffen und ihren Zusatzstoffen zu schaffen, und unabhängige Forschungsprogramme zu Nebenwirkungen zu finanzieren. In den zuständigen Gremien soll mehr Transparenz geschaffen, und Interessenskonflikte unterbunden werden.

Während eine Impfung vorbeugend wirkt und hilft, den Einsatz von Antibiotika zu vermeiden, ist der Preis für ein Impfkomplettpaket für ein Kind zwischen 2001 und 2014 um das 68fache angestiegen. Eine Bündelung der Kaufkraft durch eine EU-weite, gemeinsame Beschaffung, könnte helfen, Kosten zu reduzieren. 

https://ecdc.europa.eu/en/publications-data/annual-measles-and-rubella-monitoring-report-2017

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