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Kasperl und Pezi – Besteht Aussicht auf Rettung?
05.09.2018 14:44
Foto: kasperlundpezi Facebook

Kasperl und Pezi – Besteht Aussicht auf Rettung?

Anfang des Monats ließ der Direktor des Kasperltheaters mit einer traurigen Nachricht aufhorchen: Am 28. April 2019 könnte für Kasperl und Pezi der Vorhang für immer fallen. Nachdem Manfred Müller in Pension geht, und kein kaufmännischer Nachfolger gefunden werden konnte, würde das auch die Schließung des Wiener Urania-Puppentheaters bedeuten.

1950 von Hans Kraus und Marianne Pössl gegründet, wurden Kasperl, Pezi, Dagobert (Bussi Bussi) durch regelmäßige Fernsehübertragungen auch einem Publikum außerhalb Wiens bekannt. Und während sich seit bald sieben Jahrzehnten keine Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten, könnte nun trotzdem Kindern in ganz Österreich ein Pensionsschock drohen.

Aber das letzte Wort ist möglicherweise noch nicht gesprochen, hat doch ein so beliebter Geselle überall Freunde. Den Anfang machte der ehemalige Bundesminister für Kunst und Kultur, Helmut Drozda. Dieser will dem Kasperl zu seinem 70jährigen Bühnenjubiläum verhelfen, und Drozda könnte bereits beim grünaffinen Bildungsexperten Michael Landau und Ex-Kanzler Kern Mitstreiter gefunden haben.

Auch bei oeticket zeigte man sich über das bevorstehende Aus schockiert. Für oeticket-Geschäftsführer Christoph Klinger sind Kasperl und Pezi ein „fixer Bestandteil der Wiener Kultur“. Sollte Interesse bestehen, könnte der Kartenverkauf künftig den österreichweiten Vetrieb übernehmen und marketingtechnische Unterstützung leisten, um den Betreiber zu entlasten.

Auch ÖVP und FPÖ sind sich einig, dass der Verlust dieser Institution ein großer Verlust für die Stadt wäre. So sind Familiensprecherin Schwarz und Landesgeschäftsführerin Arnolder von der ÖVP Wien mit ihren Kindern selbst Fans des Puppentheaters. Sie fordern, dass sich die Stadtregierung aktiv bei der Suche nach einem Nachfolger einbringt, um den Fortbestand auch für künftige Generationen zu sichern.

Auch der Kultursprecher FPÖ Wien, Gerald Ebinger, fände ein Ende von Kasperl und Freunden extrem schade, und sieht Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gefordert, ein Konzept für den Fortbestand dieses Kulturgutes vorzulegen. Immerhin hat Kasperl im Laufe seiner bisherigen Karriere 4 Millionen Besucher begeistert. Schließlich ist inzwischen auch Bernhard Paul, Chef des Zirkus Roncalli, für eine Übernahme im Gespräch.

Bei so viel gutem Willen sollte es doch möglich sein, zu einem Happy End für Kasperl und Pezi, Dagobert und Lalobe, Serafine und Kurukux zu finden. Bereits 2006 drohte dem Theater die Schließung, die abgewendet werden konnte. Soll es eine Rettung geben, so muss sie jedenfalls rasch geschehen, denn die Uhr tickt. Ab Mai 2019 sollen die Bühne samt Kulissen, Licht und Ton und die 400 Puppen zum Verkauf stehen. Dann hieße es für Kasperl und Pezi, Dagobert und Lalobe, Serafine und Kurukux und alle anderen, Abschied voneinander zu nehmen.


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