Vorsicht, Feriencamps

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Doch nicht alle Anbieter solcher Feriencamps sind seriös und stellen den Spaß der Kinder im Vordergrund, sondern nur eher den materiellen Aspekt.

Ein Camp für jeden Geschmack

Die Wahl des Camps – Kinder sollen Ferien mit aussuchen
Das Angebot reicht von einfachen Schikursen bis hin zu Schnupperprogrammen wie Firngleiten, Schitouren und Carven. Wenn das Kind nicht eingebunden wird, entsteht leicht das Gefühl nur weggeschickt zu werden. Sprechen Sie auch mit anderen Eltern über deren Erfahrungen mit Campanbietern.

Was soll das Camp können?
Zuerst muss man wissen, ob es ein Kurs oder ein Ferienlager mit Action und Fun sein soll. Die meisten Anbieter haben einen Prospekt mit einer Campbeschreibung. Auf der Internetseite finden Sie nützliche Hinweise über Betreuer, Gruppengröße und Standort. Besonders wichtig ist die genaue Untersuchung des Preis-Leistungsverhältnisses – zum Beispiel, ob die Liftkarte inkludiert ist, oder die Verleihgebühr von Schi- bzw. Snowboardausrüstung.
Die Kinderinfo in Wien bietet einen großen Überblick über Campanbieter und berät Sie gerne.

Unfall:
Was passiert mit meinem Kind?

Viele Veranstalter bieten Unfallversicherungen an, auch hier gibt es Unterschiede. Am besten erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherungsunternehmen, ob eine Unfallversicherung für Ihr Kind schon vorhanden ist. Rückholkosten sind bei der Unfallversicherung nicht immer inkludiert. Informationen über Versicherungspakete erhalten Sie beim ÖAMTC, bei der AUVA oder beim Berater Ihrer Versicherung. Auf jeden Fall empfiehlt es sich dem Kind einen Krankenschein für den praktischen Arzt mitzugeben.

Darüber hinaus bieten manche Veranstalter auch Versicherungspakete an. Dieses Paket schließt eventuelle Unfallkosten ein, die nicht von der Sozial- oder anderen Versicherungen gedeckt werden. Versicherungspakete enhalten meist eine Stornoversicherung sowie Heil-, Bergungs- und Rückholkosten bei einem Unfall. Auch Unfalltod bzw. Dauerinvalidität bis zu einem bestimmten Betrag können inkludiert sein.

Anzahlung – Anmeldung – Rücktritt – Storno
Bei Buchungen von Reisen gelten die allgemeinen Reisebedingungen, die für jeden Anbieter der Reisebranche gesetzlich vorgeschrieben sind. Der Rücktritt ist immer mittels eingeschriebenen Briefes möglich, wobei das Datum des Einlangens besonders wichtig ist. Auch ein Nichtantritt der Reise ohne Verständigung gilt als Rücktritt. Falls Ihr Kind diesen Urlaub nicht antreten kann und Sie auch keine Ersatzperson schicken können, müssen Sie mit Stornogebühren rechnen. Diese sind ab einer bestimmten Anzahl von Tagen vor Reisebeginn unterschiedlich hoch: Bis zum 30. Tag vor Reiseantritt betragen die Stornogebühren zehn Prozent vom Vollpreis.

Interview mit der erfahrenen Kindercampanbieterin

Interview mit Elke Probst (Kinderfreunde)
FRATZ & CO: Ab welchem Alter ist es sinnvoll Kinder auf Feriencamps zu schicken?
Elke Probst: Wir nehmen die Kinder erst ab sechs Jahren, weil die Wochen sehr anstrengend sind. Die Wintercamps dauern mindestens eine Woche und daher ergibt sich die Altersgrenze automatisch. Manche Eltern fragen zwar, ob sie ihre drei- oder vierjährigen Kinder mitschicken können, aber das ist eine gewagte Angelegenheit. Aufgrund der Gruppengröße bräuchten kleinere Kinder eine individuellere Betreuung. Denn das Programm ist sehr anspruchsvoll und Dreijährige brauchen einfach mehr Ruhepausen und müssen früher schlafen gehen.

FRATZ & CO: Wie sind die Kinder bei Ihren Camps versichert?
Elke Probst: Generell gibt es bei uns die Haftpflicht- und Kinder-Unfallversicherung, die Folgeschäden mit einbezieht (zum Beispiel einen komplizierten Beinbruch). Manche Schäden erkennt man erst Jahre nach einem Unfall und auch in so einem Fall tritt die Versicherung in Kraft. Wir reichen den Folgeschaden bei unserer Versicherung ein und sie kümmert sich um die weitere Abwicklung. Die Folgekosten, die der Familie entstanden sind, sollen von der Versicherung abgefangen werden. Bei uns gibt es aber kein Versicherungspaket mit Rückholkosten. Da müssen die Familien eine eigene Versicherung haben.

FRATZ & CO: Was passiert, wenn das Snowboard eines Kindes gestohlen wird?
Elke Probst: Beim Kauf von Snowboards oder Schi bieten viele Sporthäuser Diebstahlversicherungen an. Diese rechnen sich, wenn Ihrem Kind das Snowboard vor einer Hütte gestohlen wird. Für Wertgegenstände können wir im Zeitalter der Handys keine Haftung übernehmen. Das müssen die Eltern entscheiden, ob sie Wertgegenstände ihren Kindern mitgeben und das Risiko dafür übernehmen.

FRATZ & CO: Warum ist ein Informationsabend, wie er bei den Kinderfreunden üblich ist, von Vorteil?
Elke Probst: Ein Elternabend soll informativ sein für Eltern, Kinder und Betreuer. Das heißt, es werden alle organisatorischen Fragen geklärt. Ist das Kind versichert? Braucht es eine Schiausrüstung? Im weiteren Verlauf wird das Team vorgestellt, meist der Teamleiter und zwei Betreuer. Die Kinder lernen die Betreuer kennen und können Fragen stellen über die Zimmereinteilung, das Essen und das Freizeitprogramm. Außerdem informieren manche Eltern die Betreuer über spezielle Bedürfnisse ihrer Kinder wie Zuckerkrankheit oder Asthma.
Natürlich bekommen die Eltern auch Gesundheits- und Notfallbögen mit. Denn im Falle eines Unfalles müssen die Eltern erreichbar sein.

Betreuer, Ermäßigungen, Programm

FRATZ & CO: Müssen die Betreuer bei den Kinderfreunden eine spezielle Ausbildung haben?
Elke Probst: Die Betreuer kommen aus den unterschiedlichen Bereichen. Einige sind hauptberufliche Pädagogen wie KindergärtnerInnen und LehrerInnen. Aber wir haben auch Betreuer, die irgendetwas anderes gelernt haben, allerdings seit Jahren schon mit dabei sind und das einfach gerne machen. Für die Mitarbeiter gibt es Einschulungen, Besprechungen und Vorgaben über den Umgang mit Kindern. Die Auswahl wird nach unseren Kriterien getroffen. Gerade bei Schicamps oder Schikursen müssen alle Lehrer eine Schilehrerausbildung haben. Auch die pädagogischen Betreuer sollten eine Schilehrerausbildung haben, falls sie einspringen müssen. Die Betreuer müssen die Gefahren richtig einschätzen und dürfen ihre Gruppe nicht überfordern.

FRATZ & CO: Gibt es Förderungen für einkommensschwächere Familien oder Geschwisterrabatt?
Elke Probst: Es gibt Förderungen für einkommensschwächere Familien und natürlich auch den Geschwister-Bonus. Confetti Mitglieder haben bei unseren Camps auch Vorteile, sowie Mitglieder der Arbeiterkammer mit einer Aktiv Card.

FRATZ & CO: Wie sieht das Freizeitprogramm für die Kinder aus?
Elke Probst: Freie Nachmittage gibt es vor allem für die Kleineren. Aber auch Kinder aus der Großstadt sind es nicht gewohnt, den ganzen Tag Schi zu fahren. Das muss man als Anbieter berücksichtigen. Deshalb gibt es auch freie Nachmittage mit Einkaufen, Schwimmen und Relaxen.

FRATZ & CO: Wie wird bei den Kinderfreunden vorgegangen, wenn sich ein Kind verletzt?
Elke Probst: Die Kinder fahren in fixen Gruppen mir ihrem Betreuer. Wenn sich ein Kind zum Beispiel das Bein bricht, verständigen sich die Betreuer untereinander. Eine Bezugsperson fährt mit dem Kind ins Krankenhaus.

FRATZ & CO: Wie werden die Schigruppen eingeteilt?
Elke Probst: Die Größe der Gruppe ist abhängig von dem Können der Kinder. Die Eltern müssen am Infoblatt das Können ihres Kindes angeben (Fortgeschritten bis Anfänger). Doch aus Erfahrung wissen wir, dass Eltern ihr Kind gerne zu hoch einschätzen. Die Gruppeneinteilung erfolgt meist nach dem Vorfahren.

Foto: Sergey Novikov – shutterstock.com