Home > Wohnen > Wohnen mit Kindern > Familien-Domizil

Familien-Domizil

Familien-Domizil

Katharina wirft ihre Schreib-, Mal- und sonstigen Sachen prinzipiell auf den Fußboden, statt sie in die Laden zu räumen, Florian spielt lieber im Wohn- als im Kinderzimmer mit seiner Eisenbahn und Papa schüttelt die Pölster am Sofa aus Prinzip nicht auf. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder man verzichtet auf ständiges Hinterherräumen, schließt die Augen und nimmt das permanente Chaos in Kauf. Oder man nimmt den aussichtslosen Kampf auf und bringt unverzagt stets aufs Neue Ordnung in das Durcheinander. Glättet Pölster, hebt Bücher, Kleider, Spielsachen vom Boden auf, läuft mit dem Besen durch die Wohnung. Oder aber man geht Kompromisse ein – und gestaltet die Wohnung so, dass sie nicht nur schön, sondern auch praktisch ist. Denn, so Barbara Freund von Grüne Erde: „Der entscheidende Trick ist meiner Meinung nach, dass die Möbel – auch die der Eltern – Kinder aushalten sollten. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit bzw. der Ungemütlichkeit, Kindern den Zutritt zu Teilen der Wohnung zu verbieten, und sei es der Zutritt auf das Sofa. Also sollten auch und gerade hochwertige Möbel das aushalten. Das spart Nerven und sichert eine fröhliche Stimmung in allen Räumen.“

Kindertaugliche Farbwahl.

Praktische Aspekte kommen in der Familienwohnung schon bei der Farbwahl zum Tragen. Die Wände in klassischem Weiß mögen langweilig sein, dafür sind sie einfach auszubessern. Über Fahrer und Flecken tupft man etwas Farbe und schon ist das Ärgste zumindest kaschiert. Kinderfreundlich sind auch diverse Wischtechniken an den Wänden, welche von vornherein Farbschattierungen beabsichtigen. Gerade im mediterranen Wohnen bilden diese Techniken festen Bestandteil des Einrichtungsstils, aber auch in Abwandlung kommen sie gut zur Geltung. Schon Anklänge ans südliche Wohnen mit seinen sonnigen, pastelligen Farben, seiner Keramik (diese bemalen Kinder übrigens gerne auch selbst) und seinen flexiblen Kombinationen von Möbeln bieten einen schönen Wohnstil für Familien, der sich sehr gut umsetzen lässt.

Heikel gestaltet sich die Farbwahl auch bei den Sitzgelegenheiten: Ein helles, einfärbiges Sofa ist edel, aber sicher nicht kindertauglich. Einmal mit Schokofingern zugegriffen, und mit dem Wohntraum ist es vorbei. Gemusterte Stoffe hingegen verzeihen Flecken eher. Auf einem flotten Karo oder Blumenmuster fällt ein Tupfer, der nicht dazugehört, kaum auf. Eine Alternative bilden Plaids, die man über Sofas breitet (wichtig ist nur, die Enden gut in die Spalten zwischen der Polsterung zu schieben, um sie so weit wie möglich zu fixieren) und die man im Fall des Falles ganz einfach austauschen oder waschen kann. Besonders praktisch sind übrigens waschbare Sofa-Bezüge, die sich unkompliziert in der Waschmaschine reinigen lassen.

Pflegeleicht schont die Nerven.

Apropos Reinigung: An diese sollte man auch denken, wenn eine Entscheidung für Sessel am Esstisch ansteht. Gepolsterte Stühle haben einen eindeutigen Nachteil: dass ihr Stoff bald mit Flecken übersät sein wird. Sind die Pölster hingegen lose, wandern sie von Zeit zu Zeit in die Waschmaschine und werden letzten Endes einfach ausgetauscht.

Die Reinigung ist auch bei der Auswahl der Oberflächen entscheidend. Der Couchtisch aus Glas hat seine Reize, aber in der Familienwohnung ist er gefährlich („Nicht so wild, du haust dich gleich an!“) und unpraktisch („Keine Tappser machen!“), mit einem Wort: Er gibt permanent Anlass zu Ärger mit den Kids. Ein Holztisch macht Tadel überflüssig, vielfach kommt man auch ohne Couchtisch aus. Große viereckige Hocker sind ein trendiger Ersatz: Kommen Gäste, wird der Hocker mit einem Tablett im Nu zum „Beistelltisch“, ansonsten kann er zum Sitzen und Turnen verwendet werden. Und manche Modelle bieten auch noch Stauraum in ihrem Inneren, indem man einfach den „Deckel“ öffnet, und den Hocker zum Beispiel mit Spielzeug füllt, plaudert Ikea-Chef-Einrichterin Uschi Amtmann aus der Einrichtungs-Schule.

Multifunktionale Möbelstücke

sind generell eine feine Sache in der Familienwohnung. Denn ausreichender Stauraum reduziert das Chaos von vornherein. So werden aus Küchenkästchen, die man auf den Boden stellt, dank Pölstern obenauf im Nu gemütliche Bänke mit Innenleben. „Auch spielerische Elemente an Möbeln machen die Wohnung kinderfreundlich“, weiß Amtmann: „Eine Kastentür, die gleichzeitig eine Schiefertafel ist, wird als Familien-Notizbrett genutzt oder als Fläche zum Draufrumkritzeln.“

Aber auch Plastikmöbel empfiehlt die Ikea-Einrichtungs-Expertin: Diese liegen im Trend und es passiert nichts, wenn sie zum Spielen verwendet werden. Oben-drein sind sie pflegeleicht – mit einem feuchten Tuch abwischen und sämtliche Tappser sind beseitigt. Gut reinigen lassen sich übrigens auch Holzprodukte mit natürlicher Holzoberfläche. Barbara Freund von Grüne Erde dazu: „Von gewachsten oder geölten Holzoberflächen kann man die schlimmsten Malfarben und Kugelschreiber-Spuren einfach wegschleifen, drüberölen und es sieht wieder aus wie neu.“ Dazu kommt als weiterer Vorteil die gesundheitliche Unbedenklichkeit: „Wir empfehlen für Kinder ausschließlich natürliche Materialien aus biologischer Landwirtschaft. Schließlich will man besonders bei den Kleinen und Kleinsten sichergehen, dass sie mit keinerlei Giften in Berührung kommen.“ Holz spielt außerdem in verschiedenen familienfreundlichen Wohnstilen eine große Rolle. Ob die Familie nun auf Natur setzt, auf einen mediterranen Wohnstil oder auf Vintage-Stil: Die perfekte Ordnung ist in diesen Arten zu wohnen nicht das Um und Auf. Und doch sind sie überaus gemütlich …

Tipps für die Familienwohnung

Nutzen Sie multifunktionale Möbelstücke, um Platz zu sparen: Kästen, aus denen durch Pölster obenauf Bänke werden, Hocker mit Innenleben etc.

Ausreichender Stauraum hilft, Ordnung zu halten.

Bei der Farbwahl zum Beispiel des Sofas besser Muster wählen; die Wände in Weiß halten (lässt sich leichter ausbessern) oder Wischtechniken anwenden.

Gefahrenquellen wie Glastische meiden – ein Couchtisch ist aus Holz ebenso schön, kann aber
auch durch einen großen Hocker ersetzt werden.

Vorhandene Ecken und Kanten schützen, Möbelstücke wie stehende Regale oder Kommoden gegebenenfalls an der Wand fixieren.

Finden Sie Ihren persönlichen Stil und mixen Sie ruhig verschiedene Elemente. Grundsätzlich ist zu beachten, dass die schlichte Designerwohnung mit Kindern schwieriger zu gestalten und in Ordnung zu halten ist als Wohnungen im mediterranen oder im Vintage-Stil. Beide lassen bei der Wahl der Möbelstücke große Flexibilität zu, da verschiedene Sofas und Einzelmöbel kombiniert werden können. Und persönliche Kleinigkeiten werden in beiden Stilrichtungen ruhig hergezeigt.


Dr. Marion Breiter-O'Donovan
Die Autorin ist langjährige Journalistin und Mutter
zweier Töchter. Sie betreibt ein Medienbüro in
Baden bei Wien mit den Schwerpunkten Redaktion
und Konzeption.


Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com


Diesen Artikel weiterempfehlen oder später lesen:


WERBUNG