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Kinder spielerisch fördern

Kinder spielerisch fördern

Meine Tochter Laura drehte bereits kurz nach der Geburt ihren Kopf problemlos von einer Seite zur anderen. Ganz anders war da der Erstgeborene. Raphael bereitete es große Mühe, seinen Kopf zu drehen. Er brauchte lange, um ihn schließlich unter Kontrolle zu bringen…

Kleine Störung - große Wirkung

Die Diagnose “Rückenmuskelschwäche” war rasch gestellt. Adäquate Hilfe war aber weitaus schwieriger zu bekommen. Bis dahin wollte ich selbst etwas für ihn tun. Ich stand also vor dem Problem: Wie fördere ich mein Kind, damit es schnell lernt, sich selbständig zu bewegen? Der eingeschlagene Weg der Physiotherapie brachte nur kleine Erfolge und wenig Spaß. Mir war klar, dass Raphael Hilfe brauchte und dass die Übungen bei konsequentem Durchhalten – seiner- und meinerseits – irgendwann zum Erfolg führen würden.
Kleine Störung und große Wirkung! Ohne Unterstützung drohten ernsthafte Folgen. Sie reichten von möglichen Störungen in der Bewegungsplanung (Praxie), Sprech- bzw. Sprachstörungen, Lese- und Rechtschreibschwächen bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten. Bei manchem sozial auffälligen Kind kann eine Störung der Wahrnehmung die Ursache für dieses Verhalten sein.

Von kreativen Lösungen und anderen Wegen
Da Raphael von den Übungen der Physiotherapeutin nur bedingt begeistert war, gleichzeitig mein Ziel, mein Kind zur eigenen Selbständigkeit zu bringen aber gleich blieb, war ich gezwungen, eigene Spiele zu kreieren.

Zwischenzeitlich entwickelte Raphael seine eigene Art sich fortzubewegen. Vorerst schlängelte er sich auf dem Rücken liegend durch die Wohnung, später, als er sich bereits umdrehen konnte, bewegte er sich rollend voran. Seine Art der Fortbewegung war zwar lustig anzusehen, erschien mir aber wenig zweckmäßig. So begann ich, kleine Hindernisse in der Wohnung zu verteilen. Auf diese Weise verwandelte sich unsere Wohnung in ein wahres Spieleparadies. Schiefe Ebenen, Turnmatten, bunte Bälle und vieles mehr zierten nicht nur das Kinderzimmer.

Weiter geht`s. Kaum war die Muskelschwäche überwunden, tauchten neue Hindernisse auf. Raphael war fröhlich, kreativ und körperlich sehr geschickt, nur sprechen wollte er nicht. Um unserem Umfeld genüge zu tun, konsultierte ich schließlich einen Entwicklungsdiagnostiker. Der meinte nach eingehender Untersuchung: “Ich habe noch nie ein so fein differenziertes Wesen gesehen, wie dieses hier, das auffälligerweise nicht spricht. Aber es ist so!” Da eine isolierte Störung, wie die hier vorliegende, sehr selten auftritt, befragte mich der Arzt eingehend. Er ermutigte mich, meinen eingeschlagenen und selbst entwickelten Weg weiter zu gehen.

Also begann ich, Lieder, die sich mit Bewegungen verbinden ließen, zu suchen. Bei meinen Bemühungen habe ich alte Lieder wiederentdeckt und viele neue gefunden. Stundenlang haben wir zu Hause den Zirkus “Pizzikato” besungen. Mein kleiner Künstler hat sich dazu neue Kunststücke einfallen lassen. Das war der Beginn von Raphaels sehr rasch fortschreitender, sprachlicher Entwicklung. Heute ist von seinen anfänglichen Problemen nichts mehr zu bemerken.

Zeit, Zärtlichkeit und Zuwendung

Sicherlich habe ich auf diese Weise viel Zeit mit meinen Kindern zugebracht. Sie haben viel Zuwendung und Zärtlichkeit erlebt. Diese drei Grundbedingungen, formulierte der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Max H. Friedrich in seinem Buch “Irrgarten Pubertät, Elternängste”, bilden die Voraussetzung für selbständiges Wachsen und Lernen.
Kindgerechte, altersgemäße, ganzheitliche Entwicklungsschritte
Durch einfaches Beobachten der bisher erworbenen Fähigkeiten und durch aufmerksamen Umgang miteinander entstanden neue amüsante Spiele. Vieles wird damit altersentsprechend auf lustvolle Weise begreifbar. Nebenbei folgen die Spiele der geistigen und körperlichen Entwicklung.

Eingeteilt nach Sinnesbereichen gibt es für jede Altersstufe von 0 – 5 Jahren Anregungen und passend dazu ausgewählte Spiele, Lieder (mit Noten) und andere Beschäftigungen, für die man wenig bzw. gar kein Material benötigt.
Ganzheitlich, spielerisch, individuell und unaufdringlich können Eltern, Großeltern, Tagesmütter oder KindergärtnerInnen die Gewandtheit des Kindes gezielt fördern und eventuell vorhandene Defizite wunderbar ausgleichen. Gespielt wird zu zweit oder im kleinen Kreis. Jedes Kind wird diese Spiele lieben und unbemerkt ein gezieltes und vergnügliches Bewegungstraining absolvieren.

Bewegungsspiele

Aus Tasten und Spüren, Ich und Du
Dadurch wird die uns umgebende Welt im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar! Die Welt wird durch alle Sinne erfahrbar.

Baby – Kindergymnastik. Im 1. Lebensjahr.
Eine tolle Sache für die Kleinen. Am lustvollsten für alle ist diese Gymnastik während des Wickelns. Das Baby liegt mit seitlich ausgebreiteten Armen auf dem Rücken. Fassen Sie nun mit den Fingern je einen ausgebreiteten Arm. Führen Sie Arm und Hand in Richtung des Herzens Ihres Kindes. Die kleinen Finger berühren kurz, ca. in der Mitte, das Brustbein. Führen Sie den Arm wieder in die ursprüngliche Position zurück. Nehmen Sie die andere Hand und machen Sie das Gleiche. Nehmen Sie jetzt beide Arme und wiederholen Sie dieses symmetrische Bewegungsmuster. Jetzt lassen Sie ihrer Phantasie freien Lauf. Bewegen Sie die Hände nach oben, unten, seitwärts, einseitig oder symmetrisch.

So nimmt Ihr Kind sich selbst wahr
Sehen, Hören und Fühlen sind wichtige Elemente unserer Wahrnehmung. Am wichtigsten aber ist es, sich selbst wahrzunehmen.

Gemeinsam mit dem Partner: Bim-Bam-Glocke.

Ab 2 Jahren.
Sie stehen mit leicht gegrätschten Beinen fest auf dem Boden. Das Kind steht mit dem Rücken zu Ihnen unmittelbar vor Ihnen. Greifen Sie unter den Armen des Kindes durch und verschränken Sie Ihre Arme vor dessen Brustkorb. Der “Klöppel” (Kind) wird hochgehoben, indem Sie in die Knie gehen und das Kind hochheben. Jetzt kann es, wie der Klöppel einer Glocke, hin und her, vor und zurück schwingen.

Gut ausbalanciert und im Gleichgewicht
Das Finden der eigenen Balance ist die Voraussetzung für harmonische Bewegungen.

Gehen auf der Linie. Ab 3 Jahren.
Material: Eine mindestens 2 m lange Schnur oder ein Seil
Die Schnur wird so auf dem Boden befestigt, dass sie eine gerade Linie bildet. Die Aufgabe besteht darin, Fuß vor Fuß setzend auf der entstandenen Linie entlangzugehen. Dazu breitet das Kind seine Arme am besten seitlich aus. Wenn das Kind sicher genug ist, kann es verschiedene Gegenstände mit auf die Reise nehmen. Um den Schwierigkeitsgrad der Übung zu erhöhen, können Sie auch Ellipsen, Achten, Schleifen oder Buchstaben legen. Wenn Sie mehrere Schnüre zur Verfügung haben, legen Sie doch mal den eigenen Namen.
Stufen der Bewegungsplanung
Finger, Hand und Fuß müssen sich gezielt und koordiniert bewegen, damit das Zusammenspiel gelingt.

Beidseitig aktive Fußübungen. Ab 3 Jahren.
Material: Papp-Rollen (z.B. von Toilettenpapier), Klebstoff, Papier, Wollreste, Glocken, Murmeln, kleine Steine.
Zuerst werden die Rollen mit Papier beklebt und gestaltet. Beispielsweise mit Wollresten, mit kleinen Papierkugeln, mit Wellpappe, mit bunten Papierschnipseln u.ä. Diese Bastelübung fördert die Fingergeschicklichkeit. Die gerade entstehenden Rasselrollen werden mittels Papier und Kleister auf einer Seite verschlossen. Wenn der Kleister gut getrocknet ist, wird das Geräuschmaterial eingefüllt, und die Rasseln werden auch auf der anderen Seite verschlossen und beklebt. Die Kinder sitzen barfuß im Kreis. Jedes hat eine Rolle vor sich und versucht:

die Rollen vor- u. zurück-, nach rechts u. links zu bewegen.
abwechselnd, mit Hilfe beider Füße, die Rolle aufzustellen und wieder umzulegen.
die gefüllten Rollen mit den Füßen zu fassen und Musik damit zu machen!

Variation für Kinder ab 4 Jahren
Material: Papp-Rollen, Murmeln, Schnüre.
Die Kinder sitzen barfuß im Kreis. Jedes hat eine Rolle vor sich. Nun versucht jedes Kind nur mit Hilfe der eigenen Füße Murmeln in die aufrecht vor dem Kind stehende Rolle zu füllen.
Variation: Eine Rolle wird auf die große Zehe gesteckt (oder mit beiden Füßen gefasst) und an den Sitznachbarn weitergegeben.


Lieder und Spiele

Lieder und Spiele machen nicht nur Spaß, sie schulen auch das Gefühl für Zeit und Rhythmus, für rechts und links.
Zwerg Wackelmütze. Ab 3 Jahren.
Oben auf der Berges Spitze
sitzt ein Zwerg mit seiner Mütze,
wackelt hin und wackelt her,
lacht ganz laut und freut sich sehr.
Reibt sich seine Hände,
klopft auf seinen Bauch
und stampft mit den Füßen
klatschen kann er auch.

Oben auf des Berges Spitze
Sitzt ein Zwerg mit seiner Mütze,
wackelt hin und wackelt her,
Lacht ganz laut und freut sich sehr.
Fasst sich an die Nase,
springt ganz froh herum,
hüpft dann wie ein Hase,
plötzlich fällt er um. Bumm.

Dem Text folgend, machen die im Kreis stehenden Kinder
die entsprechenden Bewegungen.

Text Ingrid Biermann, Musik Detlev Jöcker.
Aus Buch, DC und MC: “Ich bin der kleine Zappelmann.”

Foto: Sergey Novikov - shutterstock.com





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