Kein Neustart ohne Krise!

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„Inflation im Oktober von 3,8 auf 3,1 Prozent gesunken“.


„Nahrungsmittel stärkster Preistreiber“. „WIFO: Nur 0,1 Prozent BIP-Wachstum im 3. Quartal“ … Schlagzeilen, die uns alle betreffen. Die Wintermonate stehen vor der Türe, laut Statistik nehmen junge Familien da besonders gerne die häusliche Zukunftsplanung vor. Aber: Was nun? Wie soll man sich bei der Finanzierung von Eigenheim oder Renovierung im Weiteren verhalten? Vergeben Banken jetzt noch Kredite? Diese und viele andere Fragen gilt es zu beantworten. fratz&co nimmt sich gemeinsam mit Ralph Decker (Deckerfinanz) des Themas an und informiert über die aktuelle Situation.


fratz&co: Allgemein gesprochen – werden heute noch Kredite gewährt. Wenn ja, welche?


Ralph Decker: Kredite werden nach wie vor vergeben. Nur werden die der Bank zur Verfügung stehenden Sicherheiten noch genauer geprüft. Zur Auswahl stehen hauptsächlich Euro-Bankdarlehen und Bausparkassendarlehen. Für manche Anschaffungen ist Leasing eine interessante Finanzierungsvariante.


fratz&co: Gibt es noch Fremdwährungskredite?


Ralph Decker: Es werden vereinzelt noch Fremdwährungsdarlehen angeboten, die kleinen Kontingente allerdings nur an bonitätsstarke Kunden vergeben. Und die Konditionen sind deutlich höher als noch vor ein paar Wochen.


fratz&co: Was muss ein Kreditnehmer an Voraussetzungen „mitbringen“, um einen Kredit gewährt zu bekommen?


Ralph Decker: Der Kunde muss über ein nachweisbares Einkommen verfügen. Arbeitnehmer sollten zumindest drei bis sechs Monate beschäftigt sein und sich in ungekündigter Stellung befinden. Selbstständige sollten zwei Jahresabschlüsse vorlegen können. Das Einkommen muss ausreichen, um neben den üblichen monatlichen Ausgaben auch noch die Kreditrate problemlos decken zu können. Die Erstellung eines „ehrlichen“ Haushaltsbudgets erweist sich hier als sehr sinnvoll. Ab einer Finanzierungssumme von etwa EUR 50.000 ist eine materielle Besicherung notwendig. Der Wert der materiellen Besicherung sollte nicht geringer sein als die Kredithöhe. Und vor dem Kreditgespräch sollte eine genaue Kostenerfassung der geplanten Investition und eine Auflistung aller vorhandenen Eigenmittel erstellt werden.


fratz&co: Gibt es in der Einkommensbewertung Unterschiede zwischen Frauen, die noch keine Kinder haben, die in Karenz sind oder Kinder haben?


Ralph Decker: Bewertet wird das aktuelle Einkommen. Bei schwangeren Frauen und in Karenz befindlichen Müttern ist zu klären, wie man die Zeitspanne überbrückt, in der vorübergehend weniger Einkommen zur Verfügung steht. Hinterfragt wird auch, wie sich das Einkommen der Frau nach der Karenzzeit entwickeln wird.


fratz&co: Wie flexibel bin ich in puncto Leben nach der Aufnahme eines Darlehens? Wie sollte sich der „gesunde“ prozentuelle Anteil zwischen Eigen- und Fremdmitteln verteilen?


Ralph Decker: Die Flexibilität ist abhängig davon, wie viel Prozent des Einkommens für die Tilgung der Rate herangezogen werden müssen. Handelt es sich um die Deckung von Wohnbedürfnis, kann der prozentuelle Anteil der Rate höher sein (rund 30 bis 40 Prozent des Netto-Einkommens). Grundregel ist natürlich: Je mehr Eigenmittel eingebracht werden, desto flexibler ist man. Von Bedeutung ist auch die Art der Investition. Lieber im Moment in Güter mit stabilen Werten investieren. Eine Immobilie lässt sich bei finanziellen Engpässen beispielsweise vermieten.



fratz&co: Was ist bei Kreditabschluss zu beachten?


Ralph Decker: Es gibt viele Punkte. Um einige zu nennen: angebotener Zinssatz (fix oder variabel), Zinssatzänderungen – an welchen Indikator ist der Zinssatz gebunden –, Höhe der Kreditnebenkosten, vorzeitige Tilgung ohne Kosten möglich, welche Sicherheiten werden von der Bank verlangt, müssen Nachbesicherungspflichten eingegangen werden etc.


fratz&co: Zinsen steigen plötzlich ins Unermessliche – bei Abschluss waren es noch verlockende 4 Prozent p. a., heute sind es 6 Prozent und mehr. Was kann ich tun?


Ralph Decker: Prinzipiell sollte man bei Abschluss eines Kredites auch berechnen lassen, wie stark sich die Monatsrate bei steigenden Zinsen verändert. Stark steigende Zinsen kommen jedoch nicht aus heiterem Himmel. Die Zinsentwicklung hängt sehr stark mit der Entwicklung der Inflationsrate und der Entwicklung der Konjunktur zusammen. Manche Kreditgeber bieten Absicherungsinstrumente an, beispielsweise Zinsfixierungen oder Zinscaps.


fratz&co: Was passiert, wenn ich kurzfristig die Raten meines bestehenden Kredites nicht mehr tilgen kann? Wie reagiere ich am besten?


Ralph Decker: Sind Zahlungsschwierigkeiten zu erwarten, sollte man sich umgehend mit dem Kreditinstitut in Verbindung setzen. Besteht bereits ein Rückstand, verringert sich der Handlungsspielraum. Prinzipiell ist jedes Institut daran interessiert, dass der Kreditvertrag bis zum Tilgungsende läuft. Bei Engpässen kann die Bank vorübergehend die Tilgung aussetzen und nur die Zinsen verlangen oder für kurze Zeit eine gänzliche Aussetzung der Rückzahlung gewähren. Es besteht auch die Möglichkeit, die Restlaufzeit zu verlängern.


fratz&co: Welche Schritte setzt der Kreditgeber im Falle eines Zahlungsrückstands?


Ralph Decker: Kommt es zu einem Zahlungsrückstand, wird der Kunde informiert bzw. gemahnt. Reagiert der Kunde nicht und kommt es zu keiner Vereinbarung, wie die Situation bereinigt werden kann, wird der Kreditakt an die Rechtsabteilung des Instituts weitergeleitet. Reagiert der Kunde immer noch nicht, kommt es seitens des Instituts zur Exekution.


fratz&co: Wer ist in solchen Fällen mein Ansprechpartner beim Kreditgeber?


Ralph Decker: Es empfiehlt sich Schritt für Schritt vorzugehen. Man kann sich an das Schalterpersonal wenden oder an den persönlichen Betreuer. Fühlen Sie sich hier nicht gut beraten, können Sie jederzeit ein Gespräch mit dem Vorgesetzten verlangen. Im Falle einer Nicht- Einigung besteht auch die Möglichkeit, sich an den Ombudsmann des jeweiligen Instituts zu wenden. Überparteiliche Organisationen (AK, VKI etc.), die sich für die Anliegen von Konsumenten einsetzen, stehen im Krisenfall ebenso mit Rat und Tipps zur Seite.


fratz&co bedankt sich für das Gespräch!







ratz fratz


Ralph Decker Langjährige Erfahrung im Bereich Wohnraumfinanzierung (16 Jahre). Vater einer 19 Monate alten Tochter, begeisterter Freizeitsportler. Mehr zum Finanzthema: www.deckerfinanz.at


 

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