Geige, Klavier & Co. – Kinder ans Instrument

Aller Anfang ist schwer. Und: Kein Meister ist noch vom Himmel gefallen. Genug der Plattheiten. Während Ihr Kind Ihnen vielleicht gerade mit dem Topfschlagzeug die Nerven raubt, zunächst die gute Nachricht: Jeder Mensch ist von Geburt an musikalisch. Schon Ungeborene reagieren auf Musik. Aber Musik kann noch mehr: das Erlernen eines Instruments fördert vor allem diejenige Hirnregion, die für die die Entwicklung von sozialen und emotionalen Fähigkeiten zuständig ist.

Werbung

Soweit so gut. Aber wie kriegt jetzt man das Kind ans Instrument und wie bleibt es auch dabei? Das ist gar nicht so schwer. Beobachten Sie Ihr Kind: Hört es gerne Musik und bewegt sich im Rhythmus oder tanzt gar dazu? Singt es ganze Melodien nach – und nicht nur zwei Töne? Interessiert es sich für Musikinstrumente? Wünscht es sich sogar ein bestimmtes Instrument? Dann ist Förderung angesagt!

Wo beginnen?

Die örtliche Musikschule ist eine gute erste Anlaufstelle – auch dann, wenn das Kind bisher kein Interesse gezeigt hat. Wie heißt es doch? „Gelegenheit macht Liebe“. Nutzen Sie einen Tag der offenen Tür, lassen Sie Ihr Kind herumprobieren und sich selbst beraten. Und tun Sie das möglichst frühzeitig: Das Einstiegsalter für verschiedene Instrumente ist nämlich unterschiedlich und eine zeitgerecht Anmeldung von Vorteil, damit Ihr Kind dann auch tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommt.

Musikalische Entdeckungsreise

Das „Haus der Musik“ in Wien hat ein besonderes Einsteigerangebot parat: Der eigens für Musikbegeisterte – und solche, die es werden wollen – gegründete Kinderclub (die Jahresclubkarte kostet fünf Euro) führt Kinder und Eltern an die Welt der Musik heran. Auf einer – wie es das Haus der Musik nennt – „musikalischen Entdeckungsreise“ können kleine und große Interessierte ein Orchester dirigieren, einmal ordentlich auf die Pauke hauen und mit Musik am Computer experimentieren. Daneben erfährt man Wesentliches über die verschiedenen Instrumente, darf ausprobieren, versuchen und entdeckt so das eine oder andere Talent. Blitzstarter haben sogar die Möglichkeit, die eigenen musikalischen Ergüsse auf einer CD mit nach Hause zu nehmen.

Auftakt

Noch bevor mit dem Instrumentalunterricht begonnen wird, oder auch begleitend, empfiehlt sich eine erste  Einführung in all die Kenntnissen und Fähigkeiten, die man zum Musizieren braucht: Stichwort „Musikalische Früherziehung“: klingt streng, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Auf dem Programm stehen Singen, Hören, Bewegen und Tanzen – dabei wird das Gefühl für Tempo, Dynamik, Rhythmus und Tonhöhe spielerisch geschult. Das Ausprobieren verschiedener Instrumente macht auch hier viel Spaß … und das nebenher erworbene Grundverständnis fürs Notenlesen erleichtert das spätere Üben beträchtlich.
Diese Variante ist für Kinder ab etwa vier Jahren gedacht. Manche Institutionen bieten aber auch schon spezielle Eltern-Kind-Kurse für die Kleinsten ab 18 Monaten an. Bei Liedern, Bewegungs- und Tanzübungen, Finger- und Klatschspielen, Kniereitern kommen die Erwachsenen ebenso auf ihre Rechnung wie die Kinder.

Instrumente lernen – ab wann?

Das Einstiegsalter hängt unter anderem davon ab, ob es „Kindergrößen“ des betreffenden Instrumentes gibt. Vor allem Streichinstrumente und  Gitarren gibt es in verschiedenen Kindergrößen, von der Miniversion „1/16“  (des Erwachseninstruments)  aufwärts. Die jeweils richtige Größe ergibt sich aus der Körper – und Handgröße des Kindes.

Katzenmusik?

Sie fürchten, dass beim Üben der Wohlklang auf sich warten lässt und die erzeugten Geräusche durch Mark und Bein gehen? Insbesonders Streichinstrumente genießen in dieser Hinsicht einen einschlägigen Ruf. Mit ein wenig Toleranz ist die Gewöhnungsphase aber bald überstanden. „Kindern fehlt oft noch das Konzept des satten Klangs“, erklärt Isabella Fink, Cellistin und Musikpädagogin in Wien. Aber nur Mut, denn „Kinder lernen durch Imitation“, so Roland Schueler. Der Wiener Geigenbaumeister weiß: „Es bringt viel, wenn der Lehrer das Stück zuerst vorspielt; dann klingt es beim Üben auch nicht mehr wie eine Säge, sondern wie eine Geige.“ 
Wer in einem kleinen Raum auf einem Blechblasinstrument – etwa einer Trompete – übt, ist mit einem „Musikergehörschutz“ gut beraten: Diese angepassten Gehörstöpsel verfügen über einen speziellen Geräuschfilter, der den Klang nicht verfälscht, da er alle Töne und Geräusche gleichmäßig dämpft (z. B. von Neuroth).

Was ist wenn…

Sollte sich herausstellen, dass Ihr Kind eine außergewöhnliche musikalische Begabung hat, dann gibt es in der Heimat von Mozart, Haydn und Schubert zahlreiche Stipendien- und Fördermöglichkeiten. Ein knappes Budget muss also kein Hindernis für eine Profi-Ausbildung darstellen.
Insgesamt gilt aber: „Gemach, gemach!“ Lassen Sie es langsam angehen und vermeiden Sie Leistungsdruck. Projizieren Sie keine Erfolgswünsche auf das Kind und lassen Sie nicht zu, dass es jemand anderer – etwa der übereifrige Gitarre- oder Klavierlehrer – tut.
Denn, und das ist wohl das Wichtigste: Die Freude am Musizieren ist ein Geschenk fürs Leben. Oftmals sogar ein direkter Zugang zum Glück …

Mini-Mozart und Nachwuchs-Haydn in den Startlöchern

10 fratz&co-Tipps für Eltern

• Das Wichtigste vorweg: Instrument und Musikrichtung (z. B. Klassische Gitarre oder E-Gitarre) müssen dem Kind gefallen – und nicht den Eltern!
• Versuchen Sie, ein Instrument zunächst auszuleihen. Viele Musikschulen, aber auch Geschäfte bieten Leihinstrumente an. Vorteil: Sie haben zunächst überschaubare Kosten und Ihr Kind kann das Instrument „testen“.
• Reden Sie mit Ihrem Kind: Will es lieber Einzelunterricht oder fühlt es sich in der Gruppe wohler?
• Vereinbaren Sie mit der Musikschule oder dem Privatlehrer eine Probestunde.
• Jüngere Kinder sollten Sie in die Stunde begleiten 
• Wichtig: Zwischen Lehrer und Schüler muss die Chemie stimmen. Der Unterricht soll Ihrem Kind Spaß machen!
• Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck: 15 Minuten tägliches Üben ist besser als gar nicht zu üben!
• Unterlassen Sie Vergleiche mit anderen Kindern und verkneifen Sie sich abfällige Kommentare
• Wenn das Kind die Lust am Instrument, am Unterricht oder am Üben verliert, reden sie mit allen Beteiligten, notfalls  vereinbaren Sie eine Pause
• Und wenn trotz Auszeit vom Instrument der Fußballverein oder der Ballettunterricht den Sieg einfahren? Das ist das Risiko – aber kein Beinbruch!

Weitere Links zur Musik

Musikschulen: www.schulen-online.at/sol/index.html
Musik- und Singschule Wien: www.wien.gv.at/freizeit/bildungjugend/bildung/musik/
Wiener Sängerknaben: www.wsk.at
Staatsoper für Kinder: www.staatsoper.at/Content.Node2/home/kinder/194.php
Kinderoper: www.kinderoper-piccolino.com

Kosten

Instrumente
Verleih: Musikschule ca. EUR 60–100/Semester; Händler: (Streichinstrument) ca. EUR 20–35/Monat
Kauf: z. B. Geigenset (Geige, Bogen, Etui) ab EUR 500

Unterricht

Musikschule: Gruppenunterricht EUR 40–80/Semester, Einzelunterricht ab EUR 160/Semester
Privatstunde: ca. EUR 35

Preise ohne Gewähr

Text: Elisabeth Sorantin

Foto: oliveromg/Shutterstock.com