SOS-Plan für die Liebe

Wenn das Feuer in der Beziehung zu erlöschen droht, ist es höchste Zeit zu handeln. Nehmen Sie sich Zeit, schaffen Sie sich Raum.

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So frisch ist das Familienglück von Brigitte und Walter gar nicht mehr. Töchterchen Emma ist mittlerweile acht Monate alt, entwickelt sich prächtig und strotzt vor Lebensfreude. Die Freude ist riesengroß, nur mit ungestörter Zeit zu zweit will es bei den beiden jungen Eltern seit der Geburt nicht mehr so recht klappen. Immer kommt etwas dazwischen: Füttern, Wickeln, Spazieren Gehen, Spielen, Baden … – das Baby geht schließlich vor. Und wenn Emma endlich einmal schläft, dann wäre da noch der Haushalt oder aber die Müdigkeit, die meist sowieso stärker ist als jedes Lustgefühl. Auch Susanne und Thomas geht es nicht anders. Obwohl ihr Nachwuchs schon längst auf eigenen Beinen steht und nicht mehr dauernd ihre ungeteilte Aufmerksamkeit benötigt, haben sie es im Laufe der Jahre verabsäumt, sich regelmäßig Zeit füreinander zu nehmen – und jetzt leben sie eigentlich mehr neben- als miteinander.

SOS-Plan für die Liebe

Was bei den beiden hier beschriebenen Paaren der Fall ist, das gilt für viele Eltern: Sie nehmen sich früher oder später gar nicht mehr als Paar, also als Mann und Frau, wahr: „Ich erlebe es in meiner Praxis häufig, dass Paare ausschließlich als Familie agieren. Das heißt, es gibt zwar zahlreiche Familienaktivitäten gemeinsam mit den Kindern, aber keine Aktivitäten mehr als Paar“, bestätigt Mag. Karin Theresia Balluch, Expertin für Paarberatung & Paarcoaching, Coaching, Training und Supervision. „Frauen werden von ihrem Partner überwiegend in der Rolle der `Mama` und Männer von ihrer Partnerin überwiegend in der Rolle des `Papa` wahrgenommen – und das tötet die Erotik auf Dauer.“ Hier hilft nur eines: „Nehmen Sie sich wieder ganz bewusst als Paar Zeit füreinander. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder gut untergebracht sind und greifen Sie alte Rituale auf, die Ihnen beiden früher Spaß gemacht haben. Egal, ob Sie gemeinsam Essen oder ins Kino gehen, sich für einen Kurzurlaub entscheiden oder etwas ganz Neues ausprobieren – Hauptsache ist, Sie schaffen sich als Paar wieder Raum und damit die Voraussetzungen, dass das Bedürfnis ,nach Zärtlichkeit überhaupt entstehen kann“, empfiehlt Balluch.

Hausaufgaben vorher erledigen

Fahren Sie insgesamt Ihr Aktivitäten-Programm ein wenig zurück: Wenn Sie stets nicht nur die Tage unter der Woche nach der Arbeit, sondern auch noch das gesamte gemeinsame Wochenende mit Erledigungen, Besuchen und Einladungen vollstopfen, dann brauchen Sie sich auch nicht wundern, dass sich eben nichts ergibt.

Mit dem Terminkalender-Freischaufeln alleine ist es aber freilich noch nicht getan. „Wichtig ist es, den Stresspegel herunterzufahren, denn Stress ist Beziehungs- und Lustkiller Nr. 1“, betont Balluch. Schaut der eine permanent hektisch aufs Firmenhandy, während der andere in Gedanken die noch zu erledigenden Dinge auflistet, dann kann auch in einem noch so tollen Ambiente einfach nicht die richtige Stimmung für mehr aufkommen. „Nur wer ausreichend entspannt ist, kann sich selbst spüren und das Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Berührung und Sexualität wahr nehmen und entwickeln – und kann so beim Partner das Bedürfnis nach Nähe erspüren.“ Daher gilt es, die `Hausaufgaben` idealerweise bereits vor dem romantischen Dinner für Zwei zu erledigen: Überlegen Sie, was genau die Hektik im Familienalltag auslöst, einem gerade zu schaffen macht, halten Sie dann gemeinsam inne und finden
Sie eine Lösung.

Sport macht sexy

Neben Dauerstress sind Gespräche, die sich nur mehr um den Alltag, die Schule, Finanzielles oder Organisatorisches drehen, verlässliche Lustkiller. Stellen beispielsweise die im Haushalt zu erledigenden Aufgaben ein immer wieder kehrendes, Thema dar und fühlt sich einer der beiden Partner dabei stets übervorteilt, dann könnte eine Lösung dieses Problems darin bestehen, die Arbeiten gerechter aufzuteilen oder für ein paar Stunden pro Woche eine Haushaltshilfe zu engagieren.

Ob Lust und Nähe entstehen kann, hängt selbstverständlich auch vom Umgang miteinander ab. Dominieren in den Gesprächen gegenseitige Schuldzuweisungen, Kritik und Vorwürfe und drohen die Diskussionen oft in Streitsituationen zu eskalieren, dann wird sich die Romantik nicht einstellen. Dies gilt auch dann, wenn sich ein Partner äußerlich gehen lässt und nicht auf sich achtet. Jogginghose, Schlabbershirt, ungepflegte Nägel und Haare sind einfach nicht sexy. „Achten Sie auf sich, kleiden Sie sich attraktiv, pflegen Sie Ihre Figur und machen Sie Sport. Sport macht sexy und kurbelt das Bedürfnis nach Sex an“, weiß Balluch.

Zeit und Raum

Liebe braucht aber nicht nur Zeit, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes Raum. Viele Paare geben sich irgendwann einmal dem das Schlafzimmer erobernden Nachwuchs geschlagen. Das Schlafzimmer sollte aber ausschließlich Ihr Rückzugs-Raum sein bzw. wieder zu Ihrem werden, die Kinder haben ihr eigenes Reich. Das können Sie den Kids nicht so schnell begreiflich machen? Na dann heißt es ausweichen: Knutschen am Rücksitz des Autos hat nicht nur für Teenager seinen Reiz. Lassen Sie Ihre Phantasie ruhig spielen.

Das wichtigste, was aber viele Paare im Trubel des Alltags einfach vergessen: Reden Sie miteinander! Wenn Sie bemerken, dass das Beziehungsfeuer am Erlöschen ist, dann reden Sie direkt mit Ihrem Partner, anstatt Ihre Probleme immer wieder mit Freunden durchzukauen. „Trauen Sie sich, das Problem Ihrem Partner anzuvertrauen und fragen Sie ihn, ob es ihm ähnlich ergeht. Über das offene Gespräch ist es leichter möglich, wieder in Kontakt zu kommen und Bedürfnis nach Nähe zu entwickeln“, rät Balluch. Scheuen Sie sich auch nicht davor, Beratung in Anspruch zu nehmen: „Wenn sich die Gespräche immer wieder im Kreis drehen, kaum mehr Gefühle füreinander aufkommen oder man den Eindruck hat, dass man sich auseinandergelebt hat, dann ist es hilfreich, sich aktiv professionelle Unterstützung zu holen. In der Psychologischen Paarberatung können die Themen mit einer außenstehenden, neutralen Person reflektiert und konstruktive Lösungen erarbeitet werden. Destruktive Verhaltensmuster werden bewusst und alternative positive Verhaltensweisen gelernt“, weiß Balluch aus der Praxis. Walter hat übrigens vor einigen Wochen die Initiative ergriffen und für sich und Brigitte spontan einen Kurztrip nach Barcelona gebucht, Emma blieb bei den Großeltern, und es war wunderschön …

Foto: pixabay/mskathrynne

(05_12_be_16_09_2019)

 

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