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So schön neu


Text: Gilbert Brandl

Neues muss her! Wenn die Tage wieder länger werden und die Sonnenstrahlen so manches düstere Wintereck in der Wohnung erhellen, stehen die Zeichen auf Erneuerung: Hier müsste dringend Hand angelegt werden, schreit es förmlich von der Raufasertapete, die schon längst in die Jahre gekommen ist und nur mehr das Auge beleidigt. Und auch die Fenster halten nicht mehr dicht, so wie einst. Ob Anbau, Ausbau oder einfach nur Verschönerung: Renovieren ist ein Abenteuer – und eine Herausforderung für jeden Haus- oder Wohnungsherren.
Um den Substanzwert einer Immobilie zu erhalten, sind laufend Investitionen notwendig. Bauprofis raten daher allen Eigenheim- und Wohnungsbesitzern, jährlich sieben bis acht Euro pro Quadratmeter Wohnfläche für Instandhaltungsmaßnahmen zurückzulegen. In den ersten Jahren ist nicht viel zu tun, aber nach zehn bis 15 Jahren beginnt’s … und nach 20 Jahren gehen die Reparaturen richtig ins Geld. Eine neue Heizung soll her, die Wasserleitungen taugen nicht mehr, Klo und Bad müssen raus. Wehe dem, der zu lange wartet: Entweder muss er später sehr viel mehr Geld investieren, um das Heim wieder marktfähig zu machen – oder gewaltige Abstriche am etwaigen Verkaufserlös hinnehmen.

Energiegeiz ist geil

Energiesparen liegt voll im Trend: Der Markt für Dämmstoffe ist beinahe leer gekauft, Handwerker müssen Sanierungswillige auf Ende 2009 vertrösten. Weil die Preise für Öl, Gas und Strom konstant auf relativ hohem Niveau bleiben, lohnen sich Energiespar-Maßnahmen mehr denn je. Zwar steigen auch die Preise dafür stetig: So kostet die fachmännische Sanierung einer mittelgroßen Doppelhaushälfte mit einem Wärmeverbundsystem etwa 15.000 Euro. Der Einbau neuer Fenster mit niedrigem Wärmeverlust schlägt sich mit etwa 10.000 bis 15.000 Euro zu Buche, und eine umfassende Dämmung des Daches kostet mindestens weitere 8.000 Euro. Die steigenden Energiepreise beschleunigen allerdings die Amortisierung der Sanierungskosten. Also: Gehen wir’s an!

Die ersten Schritte

Am Anfang stehen die Bestandsaufnahme und die Ermittlung des zu erwartenden Sanierungsbedarfs von Wohnung oder Haus. Gehen Sie mit einem gerüttelten Maß an Realismus an die Planung heran: Denn oftmals ergibt eine Maßnahme (z. B. Fassadenerneuerung) zwangsläufig auch die andere (Fensteraustausch).
Planung, Kostenvoranschläge, Förderanträge, Bewilligungen, Überwachung des Baufortschritts – mit der fratz&co-Checkliste (siehe Kasten) in Händen kann eigentlich nichts mehr schief gehen!
Apropos Kostenvoranschlag: Dieser ist in der Regel kostenlos, außer Sie werden auf die Zahlungspflicht hingewiesen. Allerdings sind diese unverbindlichen – kostenfreien – Voranschläge nur Richtwerte. Bei einem verbindlichen Kostenvoranschlag sagt der Unternehmer zu, dass die berechnete Summe das garantierte Maximum des Preises darstellt. Er kann sich jedoch ausdrücklich Preissteigerungen (z. B. infolge kollektivvertraglicher Lohnerhöhungen) vorbehalten. Werden Sie über die Möglichkeit beträchtlicher Kostenüberschreitungen nicht informiert, so müssen Sie diese am Ende auch nicht bezahlen.

Stichwort Förderung

Renovierungsmaßnahmen belasten – auch wenn sie in der Folge Kosten sparen – das Haushaltsbudget zunächst gehörig. Dennoch: Bis zum abbröckelnden Putz zu warten, kommt ungleich teurer, als rechtzeitig vorzubeugen. Die einzelnen Länder und Gemeinden bieten umfangreiche Förderungen an, vor allem wenn es um Energiesparmaßnahmen geht.
Im Wesentlichen sind in Sachen Förderungen folgende Kriterien relevant:
• Wie sind Gebäudealter und Zustand?
• Welches Haus, welche Wohnung wird gefördert? Gewisse „gebäudebezogene" Voraussetzungen müssen erfüllt sein (Nutzfläche/Haus oder Wohnung).
• Wer bekommt die Förderung? Die „personenbezogenen“ Voraussetzungen orientieren sich individuell am Familieneinkommen.
• Art und Höhe der Förderung? Es gibt einmalige Zuschüsse oder Annuitätenzuschüsse (Finanzierung über Bankdarlehen, Eigenmittel und erhöht bei Energiesparmaßnahmen).
• Abwicklung der Förderung?
Wenn Sie sich durch den Förderdschungel von Land und Gemeinde gekämpft und Ihre Anträge gestellt haben, heißt es warten: auf die Zusicherung und – natürlich – auf die Auszahlung. Achtung: Allfällige Termine, Stichtage und Indexanpassungen nicht aus den Augen verlieren!

Sparpotenzial Energie

Pro Haus lassen sich mit einer Komplett-Modernisierung mehr als 1.000 Euro pro Jahr an Energiekosten einsparen. Nach Adam Riese würde sich eine umfassende Sanierung Ihres Hauses also erst nach über 35 Jahren auszahlen. Da allerdings zu erwarten ist, dass die Öl-, Gas und Strompreise weiter ansteigen, dürfen Sie mit einer viel schnelleren Amortisation rechnen.
Eine qualifizierte Energiesparberatung beschreibt Schwachpunkte und Möglichkeiten, wie diese im Rahmen einer Renovierung zu beseitigen sind. Kalkulieren Sie auf jeden Fall genug Geld für die Dämmung Ihres Hauses und die Modernisierung der Heizungsanlage ein. Auch die alten Heizkörper sind bei der Renovierung nicht außer Acht zu lassen – dort geht oftmals sehr viel Energie verloren. Beziehen Sie in Ihre Sanierungsplanung Alternativen ein: Solaranlagen, Wärmepumpen und Pelletheizungen sind die wohl energieeffizientesten Quellen des Sparens.

Ihren Ausweis, bitte!

Ab dem 1. Januar 2009 gelten für Vermieter und Hausbesitzer neue gesetzliche Verpflichtungen. Wird ein Gebäude vermietet, verpachtet oder verkauft, so hat der Eigentümer dem potenziellen Mieter oder Käufer – etwa im Rahmen einer Haus- oder Wohnungsbesichtigung – auf Nachfrage nun einen Energieausweis vorzulegen. Dieser zeigt den energetischen Zustand eines Gebäudes an und offenbart, mit welchen wirtschaftlichen Maßnahmen sich seine Energiebilanz verbessern lässt. Zur Ausstellung und Vorlage eines Energieausweises an Miet- und Kaufinteressenten sind Eigentümer von Häusern, die vor 1965 gebaut wurden, bereits seit dem 1. Juli 2008 verpflichtet. Für alle anderen Wohngebäude gilt diese Regelung seit 1. Jänner 2009.
Grundlage dafür ist das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Es schreibt auch vor, dass bei Neubauten ein Teil der Heizwärme aus erneuerbaren Energien zu gewinnen ist. Das geschieht unter anderem mittels Solarthermieanlagen, Biomasseheizungen oder Wärmepumpen. Alternativ können Hauseigentümer auch Maßnahmen ergreifen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz ihres Gebäudes führen. Bis zum Jahr 2020 soll so der Anteil der erneuerbaren Energie an der Wärmeversorgung in Österreich von derzeit 6,6 Prozent auf 14 Prozent steigen.

Heizen Sie ein – aber richtig!

Um die eigenen vier Wände nachhaltig zu wärmen, braucht es mehr als bloß den Griff zum Heizkörper und die richtige Einstellung des Thermostats. Heizen ist Verantwortung – und birgt das größte Sparpotenzial. Bei Renovierungen sollte man demnach unbedingt Heizungssanierungen in Betracht ziehen.

Abfall aus Holz: Im Gegensatz zu Öl ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, der noch dazu hierzulande gewonnen wird. Die Hoffnungsträger in diesem Zusammenhang heißen „Pellets“. Die kleinen Presslinge werden aus Restholz – Sägemehl, Hobelspäne oder Waldrestholz – hergestellt, das anderweitig nicht verwertet werden kann. Für eine Tonne Pellets braucht es etwa sechs bis acht Kubikmeter Holzspäne, die nach Trocknung auf einen Gehalt von acht bis 12 Prozent Restfeuchte zerkleinert werden, und zwar auf eine Größe von vier bis sechs Millimeter. Der Heizwert beträgt etwa 5 kWh (Kilowattstunden) pro Kilogramm, somit entspricht ein Kilo Pellets in etwa einem halben Liter Heizöl. Der Wechsel zur Holzpelletheizung scheint eine immer bessere Alternative, nicht nur weil sich Holzpellets genauso komfortabel wie Öl oder Gas als Brennstoff einsetzen lassen. Sie kosten auch deutlich weniger!

Heizen mit Sonnenlicht: Die Erzeugung von elektrischer Energie aus Sonnenlicht – im Fachjargon „Photovoltaik“ – geschieht über kleine Solarzellen, die zu einem Solarmodul zusammengefasst werden. Je mehr Licht auf das Modul fällt, umso mehr Strom fließt. Gleichstrom übrigens … Dieser wird entweder direkt genutzt – also beispielsweise in Batterien gespeichert – oder in Wechselstrom umgewandelt, damit man den Solarstrom in das öffentliche Stromnetz einspeisen kann. Moderne Photovoltaikanlagen haben einen Wirkungsgrad von acht bis 18 Prozent.
Noch nicht ganz überzeugt? Dann sind Sie es spätestens nach unserem Beispiel: Nehmen wir an, die Einstrahlung der Sonne in Ihrem Wohnbereich beträgt 1.000 kWh (Kilowattstunden) pro Jahr und Quadratmeter. Ihre Photovoltaikanlage hat einen Wirkungsgrad von 15 Prozent. Sie gewinnen demnach 150 kWh Solarenergie pro Jahr und Quadratmeter Solarmodul. Für Physikmuffel: Mit einer Solarfläche von nur acht Quadratmetern erzeugen Sie den Strom, den eine Person pro Jahr benötigt!

Warmes Wasser von der Sonne: Thermische Solaranlagen können einen wesentlichen Anteil zur Trinkwassererwärmung im Haushalt leisten. Diese Anlagen liefern Wärme aus Sonnenlicht. Sie lässt sich zur Wasserwärmung ebenso wie zur Heizungsunterstützung einsetzen, und zwar äußerst effizient: In Österreich strahlt die Sonne pro Jahr etwa 950 bis 1.200 kWh auf jeden Quadratmeter – eine Energiemenge, die 100 Litern Heizöl jährlich entspricht!

Wärme aus der Erde: Eine Wärmepumpe macht es möglich, Wärme aus der Umgebung oder dem Untergrund von einem niedrigen Temperaturniveau auf ein zum Heizen notwendiges Maß zu heben. Das geschieht folgendermaßen: Die Wärmepumpe hat einen Verdichter, der elektrisch oder durch einen Verbrennungsmotor angetrieben wird. Dieser Verdichter komprimiert ein Kältemittel, das sich dabei erwärmt. Die beim nachfolgenden Abkühlen und Verflüssigen des Kältemittels freigesetzte Energie wird auf das Wärmeträgermedium des Heizkreises, meistens Wasser, übertragen. Im Idealfall kann mit einer Heizungswärmepumpe das 1,6-Fache als Wärmeenergie umgesetzt werden. Zum Vergleich: Bei einer konventionellen Heizung liegt die Umsetzung beim 0,95-Fachen.

Halten Sie dicht!

Neue Fenster und Türen gehören beim Renovieren natürlich dazu. Achten Sie auch darauf, dass die Rollladenkästen gut isoliert werden: Was nützt schließlich das ganze Renovieren, wenn die Wärme dort verloren geht? Lassen Sie unbedingt auch den Dachstuhl, genauer: die Balken ebendort auf Holzschäden überprüfen. Schließlich sind das ja nun mal tragende Teile.
Renovieren kann so schön sein, wenn man es richtig macht. Es beginnt bei den elektrischen Leitungen und endet mit einer neuen Fußmatte. Und vergessen Sie auf keinen Fall: Gutes Werkzeug, richtige Arbeitskleidung und eine genaue Planung sind beim Renovieren der halbe Erfolg. Nehmen Sie sich Zeit und nicht zu viel auf einmal vor. Und stellen Sie Fragen: Denn alleine ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Links zum Renovieren

Wohnbauförderungen – Infos für alle Bundesländer:
www.fratz.at

Förderprogramme der Landesregierungen:
www.wohnnet.at


Checkliste Renovieren

• Listen Sie alle zu renovierende Bereiche auf (innen/außen).
• Prüfen Sie, ob die technischen Einrichtungen und Anschlüsse des Hauses für die Sanierungsmaßnahmen ausreichen (Gas/Strom/Heizung/Wasser).
• Checken Sie, ob während der Renovierung auch andere Arbeiten anfallen könnten. Wollen Sie beispielsweise die Fassade oder den Raumanstrich erneuern, ist es sinnvoll zu prüfen, ob es nicht in Kürze auch einen Fensteraustausch oder eine Installation vorzunehmen gilt.
• Energiesparende Maßnahmen (Fenster, Wärmedämmung etc.) werden teilweise gefördert, erkundigen Sie sich daher rechtzeitig nach Fristen und Einreichmodalitäten. 
• Holen Sie von mehreren Professionisten Kostenvoranschläge ein und klären Sie, ob die geplanten Renovierungsmaßnahmen bewilligungspflichtig sind. Bei Vergleich der Offerte prüfen Sie, ob tatsächlich die gleichen Leistungen und qualitativ gleichwertige Materialien ausgepriesen wurden.
• Stichwort Bewilligung: Reichen Sie diese fristgerecht bei der zuständigen Baubehörde (Gemeindeamt) ein. In vielen Fällen übernimmt das auch der beauftragte Baumeister oder Architekt.
• Kontrollieren Sie den Baufortschritt persönlich. Überwachen Sie Termine, die Qualität der Arbeit, die Anzahl der Arbeitsstunden und lassen Sie sich Menge und Güte des verwendeten Materials auflisten. Machen Sie Fotos vom Baufortschritt und halten Sie Mängel sowie deren Verbesserung schriftlich fest.
• Zeigen Sie Mängel unverzüglich mittels eingeschriebenen Briefes auf. Ein Telefonat ist zu wenig.


Einen Überblick über die wichtigsten Förderungen der einzelnen Bundesländer finden Sie (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!) hier.


Foto: Shutterstock.com OlegDoroshin


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