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Umschuldung


Alle sagen, Kredite sind heute so billig wie schon lange nicht. Und wer jetzt – noch dazu mit Fixzinsen – einsteigt oder umschuldet, macht vielleicht das Geschäft seines Lebens, ja schaufelt vielleicht sogar (so nebenbei) ein bisserl Bares ins Familienbudget zurück.
Wer also jetzt schon einen alten Kredit laufen hat, denkt da sehr rasch über eine mögliche Umschuldung nach. Und man glaubt: Na gut, dann geh’ ich einfach zur Bank, kündige den bestehenden Kredit mit seinen hohen Zinsen und schließe eben einen neuen mit den derzeit offensichtlich so günstigen Konditionen ab. Vorsicht! – warnen da allerdings Experten.

Vorsicht bei Kreditumschuldungen

... warnen Experten. Und es sind nicht nur die ewigen Kritiker aus der Arbeiterkammer, die da schon wieder Konsumentenrechte mit Füßen getreten sehen. Sogar hartgesottene Banker müssen eingestehen, dass nicht alles Gold ist, was da auf den ersten Blick verführerisch glänzt. Wer zu schnell und unüberlegt handelt, kann sich nach Abschluss der Umschuldung nicht über zusätzliches bares Geld freuen, das ihm vielleicht von irgendeinem netten Bankbeamten am Anfang der Verhandlungen versprochen wurde.
Meist ärgert er sich dann plötzlich und ziemlich unvermittelt über nicht bekannt gegebene Gesamtbelastungen, neue Gebühren und keineswegs bessere Konditionen. Denn Umschuldung bedeutet an sich immer einen neuen Kredit. Und bei dem werden wieder neue Gebühren fällig, werden mit niedrigen Anfangszinsen spätere Zahlungen verschleiert.

fratz&co hat sich quasi als Experte getarnt und in den Vorstandsetagen der Finanzhäuser angefragt, wann und ab welchem Betrag es sich tatsächlich auszahlen würde, seinen alten Kredit zum Altpapier zu legen und neu abzuschließen. Die Aussagen sind aufschlussreich.

Wann besteht Handlungsbedarf?

Auf der einen Seite: Es besteht offensichtlich wirklich Handlungsbedarf bei einigen Kreditkunden. Denn der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Zinssatz eines “Altbestand”-Kredits und eines nun neu abgeschlossenen, ist auch einem Laien augenscheinlich.
Die Zahlen der Österreichischen Nationalbank: Die Altbestand-Zinsen für private Konsumkredite mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahre schwanken im Jahresmittel zwischen 5,66 und 6,52 Prozent, die Neugeschäft-Zinsen zwischen 4,13 und 6,39. Und die Schere geht auf. Im Jänner 2003 lag die Differenz noch bei rund 0,6 Prozent, im Lauf des heurigen Jahres kletterte sie in Richtung 2 Prozent.

Conclusio aus diesem Zahlenspiel: Checken Sie die Kosten Ihres Kredits – auch wenn Sie sich darüber freuen, dass Sie in den vergangenen Monaten weniger an monatlichen Raten zu zahlen hatten. Aber während Sie beispielsweise sechs Prozent an Zinsen berappen, sind bei einem Neukredit zur Zeit rund 1,5 Prozentpunkte weniger Mode.

Grund für diese Okkasionen: Die Banken haben heute relativ viel Geld und wollen es auch unter die Leute bringen. Also ködert man Kunden mit niedrigen Einstiegszinsen und ist bei der Bonitätsprüfung auch schon einmal strenger gewesen.

Andererseits: Alle erwarten, dass die Zinsen – zumindest mittelfristig – wieder nach oben wandern. Vielleicht nicht krisen- und schwunghaft, aber viel günstiger als heute kann’s kaum Kredite geben. Damit steht auch der entscheidende Tipp fest, egal, ob Sie sich neu verschulden oder umschulden wollen: Sorgen Sie für eine längerfristige Zinsbindung.

Kredit-Check nach Datums-Kriterien

Soweit das Basiswissen. Aber bei welchen Altkrediten lohnt es sich tatsächlich, ein paar Feierabende in Umschuldungs-Überlegungen zu opfern?
Verdächtig sind da einmal Verträge, die vor dem 1. März 1997 abgeschlossen wurden. Dort findet man meist keine gültige Zinsgleitklausel. Sätze und Bestimmungen wie “Der Zinssatz richtet sich nach den Verhältnissen am Kapitalmarkt” dienten den Banken oft nur zu Auslegungen in ihrem Sinn. Nur wer vor dem erwähnten Datum einen Fixzins- oder Bausparkredit sowie ein gefördertes Darlehen aufgenommen hat, kann relativ unbeschwert seinen Vertrag wieder zur Seite legen.

Aber auch jüngere Kredite haben ihre Tücken – trotz berücksichtigter Zinsgleitklausel. Denn diese wurde manchmal von sogenannten Aufrundungsspiralen ausgetrickst. Das heißt: Nach oben hin wurde stets auf das nächste Viertel aufgerundet, nach unten meist nie.
Schöpfen Sie Verdacht, dann sollten Sie sich entweder an Arbeiterkammer oder VKI (Verein für Konsumenteninformation) wenden. Die Experten haben dort – aber auch auf den jeweiligen Internet-Homepages – Berechnungstools und beraten in brenzligen Fällen.
Aber schließlich sind selbstverständlich bei weitem nicht alle Kreditverträge ein Fall für den Kadi. Es kann ja auch sein, dass Sie aufgrund der oben geschilderten Zinsunterschiede schlicht und einfach zuviel zahlen.

Ist das der Fall, sollte Ihr erster Weg stets zu Ihrem persönlichen Berater führen. Wenn Sie ihn direkt auf die niedrigeren Zinsen ansprechen, Sie noch dazu vielleicht altgedienter Kunde der Filiale sind, könnten Sie ihn durchaus zu einem verlockenden Angebot veranlassen. Wenn Sie jetzt allerdings auf Granit beißen, dann geht’s ans Umschulden.

Detailplanung zur Umschuldung

Überprüfen Sie das “günstige” Konkurrenzangebot ganz genau. Und rechnen Sie wirklich auch alle Nebenkosten mit ein, die Sie vielleicht im ersten Überschwang übersehen haben. Denn auch ein Umschuldung ist grundsätzlich als Neufinanzierung zu sehen. Und das bedeutet einen Schwung an Nebenkosten.
Bearbeitungsgebühren können da einmal schnell drei Prozent der Kreditsumme ausmachen. Nur die gesetzlichen Kreditgebühren sind bei einer Umschuldung wirklich gebührenfrei. Sind grundbürgerliche Sicherheiten vielleicht sogar notwendig, dann verpufft ein verführerischer Zinsvorsprung sehr rasch.

Schauen Sie sich das neue Zinsangebot auch für die kommenden Jahre an. Manche Zinsangebot sind nämlich nur Einstiegs-Lockungen, die oft nur ein Jahr halten. Und dann stellt der Kreditgeber wieder auf variable und marktgerechte Sätze um –und Sie zahlen mehr. Das gilt auch für vermeintlich günstige Ratenpläne.

Lassen Sie sich die Gesamtbelastung ausrechnen, bestehen Sie auf dem Effektiv-Zinssatz. Nur der ist aussagekräftig. Und blättern Sie Ihren alten Vertrag auch noch auf verklausulierte Pönale-Vereinbarungen bei vorzeitigem Ausstieg durch. Das wird rasch vergessen und kann in der Gesamtrechnung ziemlich teuer werden.

Konditionen-Test nach Prozent-Punkten

Wer diese Grundsatzüberlegungen hinter sich, kann jetzt zum Rechnstift greifen und zum Nachdenken beginnen. Entscheidend für die Sinnhaftigkeit einer Umschuldung bleibt aber der Zinsunterschied zwischen altem und neuem Kredit. Die diesbezügliche Milchmädchenrechnung der Experten:
· Bis zu 0,5 Prozent Unterschied zahlt sich der Wechsel garantiert nicht aus.
· Bei einem Prozent Unterschied sind nur langfristige Verträge ein weiterführendes Gedankenspiel wert.
· Mindestens zwei Prozent sind die Marke für einen möglichen finanziellen Umschuldungs-Erfolg bei kurzfristigen Krediten.

Wer diesem Rechenspiel nicht traut, sollte zumindest so mutig sein, in der Bank seines Vertrauens nach maßgeschneiderten Kalkulations-Tools für seine persönliche Umschuldung zu fragen. Die meisten Geldinstitute helfen dann äußerst gerne.

Umschuldung als finanzielle Notbremse?

Nur bedingt tauglich
Falls Sie nicht auf der Sonnenseite des finanziellen Lebens angesiedelt sind, kann eine Umschuldung auch die finanzielle Notbremse bei einer Überschuldung sein.

Aber auch hier sollte man Vorsicht vor Euphorie wallten lassen. Denn gerade in diesem prekären Fall ist Umschuldung ganz sicher kein Allheilmittel.

Bedenken Sie: An der Höhe des Schuldenberges ändert sich damit nichts. Was Sie vielleicht herausschinden können, sind niedrigere Zinsen und damit eine geringere monatliche Gesamtbelastung, betont man beispielsweise beim Verein für Konsumenteninformation. Allerdings: Sind Sie in dieser brenzligen Situation, weiß das auch die Bank – und Ihre Bonität wird nicht gerade mit AAA eingestuft, optimale Konditionen bekommen Sie damit sicher nicht.

Einziger allgemeingültiger Rat in dieser Situation: Fallen Sie ja nicht auf irgendwelche dubiosen Kreditvermittler herein, vertrauen Sie nur den Bankinstituten. Und auch wenn Ihnen diese eine möglicherweise kostengünstige Umschuldung anbieten, lassen Sie sich dieses Beispiel nochmals von einer Konsumenten-Organisation durchrechnen. VKI, AK und Schuldnerberatung sind schließlich auf solche Fälle spezialisiert.


Foto: Shutterstock.com wavebreakmedia


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